Mittwoch, 15. Februar 2012, 08.30 Uhr

Frauen verlieren Spiel und Trainer

Mirjam Fessler (Mitte), Nicole Hammer (Libera) und Julia Holzer (am Netz) haben gegen Kanti Baden das Nachsehen.

Kurz nachdem der letzte Angriffsball von Züri Unterlands Captain Mirjam Fessler ins Out geflogen und die 1:3-Heimniederlage gegen Kanti Baden besiegelt ist, bietet sich in der Klotener Ruebisbachhalle ein ungewohntes Bild. Die Spielerinnen des Heimteams sitzen im Kreis am Boden, mitten unter ihnen Trainer Yves Anderegg. Nach einer Viertelstunde stossen Sportmanager Patrick Eugster und Vasi Koutsogiannakis, Trainer von Züri Unterlands NLA-Männerteam und der weiblichen U23, dazu. Eine Krisensitzung spielt sich hier ab, könnte man vermuten, doch nach einer Niederlage in einem Spiel, in dem es sportlich um nicht mehr viel ging?

Yves Anderegg verrät des Rätsels Lösung: «Wir haben tatsächlich noch kurz das etwas spezielle Ende des Spiels analysiert, vor allem aber habe ich den Spielerinnen mitgeteilt, dass ich in der nächsten Saison nicht mehr ihr Trainer sein werde.» Der Grund: «Bei mir ist die Familiengründung ein Thema, damit verträgt sich der Aufwand mit den Trainings und den vielen Spielen am Wochenende schlecht» erklärt der 39-Jährige. Auch wolle er mit seinem Abgang dem Verein die Möglichkeit geben, eine ideale Lösung für die Trainerposition zu finden. Seit zwei Jahren teilen sich Anderegg und Andreas Maurer das Traineramt beim Erstligisten. Beide leiten je ein Training pro Woche, punkto Coaching bei den Meisterschaftsspielen wechselt sich das Duo ab. Anderegg:«Ich habe immer gesagt, dass das für ein Team so nicht ideal ist und ich einer besseren Lösung nicht im Wege stehen möchte.» Bereits in den kommenden Wochen wollen die Verantwortlichen von Züri Unterland nun entscheiden, wie es auf der Frauen-Trainerbank weitergeht. Ob Andreas Maurer bleibt, gilt derzeit noch als offen. Eine frühe Klдrung der Trainerfrage hätte nicht zuletzt den Vorteil, dass danach die Suche nach neuen Spielerinnen einfacher fiele. Dass Verstärkungen notwendig sind, wenn die Unterländerinnen in die NLB aufsteigen wollen, hat sich in der laufenden Saison gezeigt.

Zu dünnes Kader

In personellem Vollbestand zeigte die Züri-Unterland-Equipe, was in ihr steckt, schlug sie etwa den Tabellenzweiten Appenzeller Bären in dessen Halle 3:0, gewann vor der Niederlage gegen Baden fünfmal in Serie. Doch als im November mit Andrea Heule (Ferienreise nach dem Studienabschluss), Sonja Giger und Nicole Hammer (Verletzungen) drei Leistungsträgerinnen ausfielen und die mögliche Verstärkung Bogdana Ivanovic plötzlich fehlte, verloren die Unterländerinnen fünf Spiele in Folge. Und wegen des auf diese Saison hin neu eingeführten Modus, gemäss dem nur noch die ersten beiden der Qualifikations-Endtabelle, anstatt wie bis anhin die besten Vier, in die Playoffs einziehen, war damit das Saisonziel schnell einmal verfehlt.

«Wenn man sieht, dass wir mit Galina Schaan ein derart überlegenes Team in der Gruppe haben, danach aber mehrere ähnlich stark sind, es aber nur eines von ihnen in die Playoffs schafft, ist der neue Modus schon schwierig», sagt Captain Mirjam Fessler, «ich bin natürlich genug motiviert und will immer jedes Spiel gewinnen, trotzdem ist es sehr schade, dass wir so früh schon keine Chance mehr hatten – und dass die Saison schon bald zu Ende geht.» Dass sie und ihre Mitspielerinnen durchaus Potenzial für die Playoffs oder sogar noch mehr haben, zeigten Fessler und Co. über weite Strecken auch gegen Kanti Baden. Ob Aufschläge, Annahme, Abwehr, Block oder Angriff – in keinem Teil ihres Spiels waren sie schwächer als ihre Widersacherinnen. Erst gegen Ende der Sätze 2 bis 4 fielen sie dann aber gesamthaft ab. Dennoch: Ein Sieg war auch gegen den Tabellendritten möglich. 

(Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom Dienstag 14. Februar 2012)

Züri Unterland - Kanti Baden 1:3 (25:19, 21:25, 21:25, 24:26). Ruebisbach, Kloten. – 50 Zuschauer. – SR Toth, Jann. – Züri Unterland: Breuss; Peyer, Zajec, Giger, Heule, Wyler. – Libera: Hammer. – Einwechslungen: Fessler, Holzer.

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