Montag, 20. Februar 2012, 01.38 Uhr

Züri Unterland im Freudentaumel

Der Jubel nach dem verwandelten Matchball: im Vordergrund Nicolas Keller (Nummer 13), rechts aussen Silvan Hürlimann, Vasi Koutsogiannakis (rennt ins Feld), Maximilan von Deichmann (2), Manual Gahr (3), Loris De Notaristefano (10) sowie Florian Heidrich (16). Bild: Dominic Staub

Gestern Sonntag, kurz vor 17.30 Uhr: Züri Unterlands Passeur Loris de Notaristefano passt ein letztes Mal schnell auf Mittelblocker Florian Heidrich, der Klotener spielt für einmal keinen wuchtigen Smash, sondern eine gefühlvolle Finte, die Amriswiler Abwehr kommt zu spät, der Ball landet am Boden und Züri Unterlands erster Matchball ist verwertet. 25:11 für die Gastgeber danach gibt es in der Nürensdorfer Hatzenbühl-Turnhalle kein Halten mehr. Die Trainer Vasi Koutsogiannakis und Ernst Rüdisüli und alle Ersatzspieler stürmen das Spielfeld, wo sich bald alle in den Armen liegen, tanzen, singen.

Noch lange, nachdem er den Matchball verwertet hat, zuckt Florian Heidrich noch immer ungläubig mit den Schultern. «Bei mir zu Hause war ich bis jetzt der Einzige ohne Goldmedaille, mein Bruder Adrian hat eine Junioren-Goldmedaille geholt, von meiner Schwester Joana brauchen wir ja gar nicht zu reden» sagt der Klotener, «aber dass es hier, vor 500 Leuten in der eigenen Halle klappt und im Final gegen den eigenen Bruder das ist fast zu schön, um wahr zu sein.» Für Teamcaptain Loris de Notaristefano ist es zwar nicht die erste Goldmedaille. Aber auch er strahlt übers ganze Gesicht: «Dieser Titel ist der mit Abstand wertvollste, es ist die Meisterschaft auf der höchsten Juniorenstufe, und das Niveau war schon unglaublich hoch.» In der Tat zeigten beide Finalisten Volleyball vom Feinsten.

Dem Druck standgehalten

Vom ersten Ball des ersten Satzes an waren die Unterländer bereit und setzten mit ihren starken Aufschlägen die Thurgauer unter Druck. Doch der Nachwuchs des NLA-Spitzenklubs hielt dagegen. Die jungen, grossgewachsenen Amriswiler verwandelten ihren Block phasenweise in eine unüberwindbare, beweglichen Mauer, holten auf und gingen bei 21:20 sogar einmal in Führung.

Doch dann kam Michael Bertschinger ins Spiel und gab mit seinen Aufschlägen der Amriswiler Annahme Rätsel auf. Und dank dem starken Diagonalangreifer Manuel Gahr, der hernach als wertvollster Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde, behielten die Unterländer 25:22 die Oberhand. Was folgte, war ein Spiel wie im Rausch. Nun stand auch der Unterländer Block, gleich zu Beginn punkteten Gahr und Jan Schmid damit dreimal. «Das hat uns enorm Auftrieb gegeben«, schildert Florian Heidrich, «danach hat einfach alles geklappt.» Captain Loris de Notaristefano ergänzt: «Im zweiten Satz habe ich den Amriswiler Block mit schnellen Pässen auf die Aussenpositionen besser auseinandergezogen.»

Dass der 1,82 m grosse Passeur überhaupt dazu kam, das Geschehen schnell und variabel zu gestalten, ist dem Bereich zu verdanken, in dem Züri Unterland den grössten Vorteil gegenüber den Widersachern hatte: der Annahme. «Dank unseren Neuzuzügen Manuel Gahr und Maximilian von Deichmann hat Nicolas Keller dieses Mal auf seiner Libero-Position spielen können», erklärt De Notaristefano, «das hat der Annahme und somit dem ganzen Spiel Stabilität gegeben.»

Auch mental stark

Stabil zeigten sich die Unterländer darüber hinaus auch im mentalen Bereich: So steckten sie die 0:2-Niederlage im Vorrunden-Gruppenspiel gegen Amriswil weg und hielten dem Druck, als Favorit in eigener Halle ins Turnier zu gehen, stand. «Ich habe ihnen einfach gesagt, sie sollen Freude am Volleyball haben und das Turnier geniessen», verriet Erfolgstrainer Vasi Koutsogiannakis. Und seine Spieler nahmen den Klotener beim Wort.

Bericht von Peter Weiss aus dem Zürcher Unterländer vom Montag, 20. Februar 2012.

Freude herrscht!
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