Mittwoch, 04. April 2012, 11.10 Uhr

Unnötiges Zittern vor dem Happy End

Mit einem Drei-Punkte-Sieg alles klar zu machen, um am Ende nicht auf fremde Hilfe und Rechenspiele angewiesen zu sein – das hatten die Unterland-Trainer Vasi Koutsogiannakis und Ernst Rüdisüli vor der Partie gefordert. Zweieinhalb Sätze lang sah in Münchenbuchsee dann auch alles danach aus, als würden die Unterländer Spieler die Vorgaben ihrer Trainer mühelos in die Tat umsetzen. Mit ihren Aufschlägen setzten sie das Heimteam stark unter Druck. Und die Services der Gastgeber nahmen sie so sicher ab, dass Passeur Fabio Lunardi alle Optionen hatte, um sein Zuspiel variabel und damit für den Gegner schwer vorhersehbar aufzuziehen. Ob schnell durch die Mitte, wo Florian Heidrich stets zur Stelle war, oder über die Seiten, wo David Sturzenegger zunächst fehlerlos agierte – oft setzte Lunardi seine Mitspieler so ein, dass ihnen nicht einmal ein Münchenbuchseeer Block gegenüber stand.

So brauchten die Unterländer für den 25:20-Gewinn des ersten Satzes gerade einmal 25 Minuten, für das 25:19 im zweiten Satz ganze 20 Minuten, und führten im dritten Satz bereits 17:11. Die Partie schien gelaufen. Doch das dachten sich auch die Unterländer. Und gaben sie leichtfertig noch aus der Hand.

Ausgeglichenes Kader bringt Erfolg

Passeur Fabio Lunardi spielte auf einmal eine Kombination, die er in der ganzen Saison nie gespielt hatte, Diagonalangreifer David Sturzenegger beging plötzlich Fehler. Ihre Mitspieler, die nach dem zweiten Münchenbuchsee-Timeout schon mit einem siegesgewissen Lächeln auf den Lippen auseinander gegangen waren, liessen sich anstecken. Die Folge: der dritte Satz ging 25:22 an die Gastgeber, die sich ihrerseits klar steigerten und im vierten Satz weiter aufdrehten. Erst an dessen Ende und nach den Einwechslungen von Captain Thomas Schatzmann, Passeur Loris de Notaristefano und Diagonalangreifer Manuel Gahr fingen sich die Unterländer, konnten den Satzausgleich aber nicht mehr verhindern. «Vor dem Einbruch war Larifari im Spiel», gab David Lehner selbstkritisch zu, «alle haben gedacht, jetzt haben wirs – und das ist immer gefährlich.» Obwohl er selbst dank einer durchwegs soliden Leistung auf dem Feld bleiben durfte und im abschliessenden fünften Satz nicht nur mit dem verwerteten zweiten Matchball seinen Teil zum 15:11 beitrug, nahm sich der Angreifer von der Kritik nicht aus. «Auch bei mir ist es bergab gegangen», sagte Lehner, «aber da habe ich gesehen, dass Thomas Schatzmann schon das Täfeli mit meiner Nummer darauf in der Hand gehalten hat, um für mich eingewechselt zu werden – da habe ich mich nochmals zugelegt.»

David Lehner bei einem Aussenangriff im Spiel gegen Münchenbuchsee

Auch diese Szene zeigt, wie wichtig die mannschaftliche Geschlossenheit in dieser NLA-Saison für die Unterländer war. Trainer Ernst Rüdisüli erklärt: «Bei uns ist keiner so herausragend, dass der Andere ihn nicht ersetzen könnte. Das bringt einen gesunden Konkurrenzkampf ins Team.» Trainerkollege Vasi Koutsgiannakis ergänzt: «Letzte Woche gegen Lutry-Lavaux und auch heute haben uns die Einwechselspieler am Ende zum Sieg geführt.» Im Vergleich zur Konkurrenz sei es genau diese grössere Ausgeglichenheit des Kaders, die ihnen den Ligaerhalt eingebracht habe, ist sich das Duo einig. Der Ärger über den Einbruch im dritten Satz und den unnötigen Punktverlust klang trotzdem noch lange nach. «Das darf einfach nicht passieren, dass man in einem solch wichtigen Spiel so unnötig noch eine Niederlage riskiert» kritisierte Koutsogiannakis, «wir stehen uns immer wieder selbst im Weg.» Daher dauerte es nach dem Spielschluss noch zwei Stunden, bis er, Rüdisüli und die Spieler nach der Kunde von Lausannes 3:0-Sieg über den Konkurrenten Laufenburg-Kaisten den Ligaerhalt feiern – und ihr Vereinsfest lancieren – konnten.

Bericht von Peter Weiss aus dem Zürcher Unterländer vom Montag, 2. April 2012.

Telegramm
Münchenbuchsee – Züri Unterland 2:3 (20:25, 19:25, 25:22, 25:21, 11:15). Sekundarschule. – 120 Zuschauer. – SR Hottinger, Sanapo. – Münchenbuchsee: M. Bürgi; S. Nüesch, Trachsel, Heimgartner, R. Nüesch, Métral. – Libero: Heni. – Einwechslungen: Herrera, Urfer. – Züri Unterland: Lunardi; Lehner, Heidrich, Sturzenegger, Von Deichmann, Bigger. – Libero: Egli. – Einwechslungen: De Notaristefano; Gahr, Schatzmann, Keller.

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