Sonntag, 08. Juli 2012, 14.00 Uhr

Höhenflüge mit Bodenhaftung

Nicole Eiholzer (links) und Nina Betschart ziehen das Unterland dem Trainingszentrum in Bern vor.

Vor rund einem Jahr beendete das vielversprechende Nachwuchs-Duo von ZuZu Beach, der Beachvolleyball-Abteilung des VBC Raiffeisen züri unterland, die Europameisterschaften im litauischen Vilnius auf dem 2. Platz. Da die damaligen Siegerinnen diesmal altersbedingt nicht mehr von der Partie sind und ambitionierte Sportlerinnen ohnehin ja stets nach Höherem streben, kann ein Jahr später für das Unterland-Duo ja nur der kontinentale Titelgewinn das Ziel sein, oder? Nicole Eiholzer und Nina Betschart wollen sich da gar nicht so festlegen lassen.
In der Pause zwischen zwei intensiven Trainingseinheiten bei strahlender Sonne im Klotener Freibad Schluefweg halten sie stattdessen gemeinsam den Ball flach. «In unserer Altersklasse weiss man einfach nie, wer im Turnier dabei ist und was die so können», meint die Abwehrspielerin Nina Betschart, «uns hat ja letztes Jahr auch niemand gekannt und auf der Rechnung gehabt. So ein Team, wie wir eines waren, kann jederzeit neu auftauchen.» Nicole Eiholzer, die Angriffs- und Blockspielerin, führt aus: «Spielerinnen aus den Top-Nationen, die so alt sind wie wir, haben letztes Jahr vielleicht noch gar nicht mitgespielt, weil solch ein Land ältere, bessere Teams hatte. So ein Duo, das jetzt neu dabei ist, könnte aber mindestens so gut sein wie wir.»

Sommerliches Reisefieber

Ausserdem, fügt die 1,83 m grosse Nicole Eiholzer an, komme es bei EM- und WM-Turnieren auch immer auf die Auslosung an. Dies gilt umso mehr, als die beiden trotz des Vorjahreserfolgs nicht gesetzt sind und somit schon in der Vorrunde auf die stärksten Gegnerinnen treffen könnten. Nach allen Abwägungen lässt sich Eiholzer dann doch eine Zielformulierung entlocken: «Bei der U18-EM wollen wir auf jeden Fall in die Halbfinals kommen, und bei der U19-WM wäre es gut, wenn wir den 5.Platz vom letzten Jahr wiederholen oder uns gar steigern könnten, aber bei der U20- WM kann man noch gar nichts sagen.» Hinter diesen Worten verbirgt sich nicht zuletzt auch eine Tour d’Europe auf heissem Sand.

Von Brünn aus geht es für die beiden Steinhauserinnen, die seit Jahren zusammen Beachvolleyball spielen, direkt weiter nach Zypern, wo in Limassol am kommenden Mittwoch die WM der unter 19-Jährigen beginnt. Vom 16. bis 19. Auggust versuchen die 17-jährige Eiholzer und die 16-jährige Betschart ihr Glück bei der U20-WM im österreichischen Hartberg. Und zwischen Zypern und der Steiermark werden sie im Trainingslager im italienischen Cesenatico an ihrer Technik feilen.

«An die Reisen könnte man sich gewöhnen», sagt Nina Betschart keck. Sie durfte im vergangenen August gar eine noch längere Reise unternehmen – von der sie als Weltmeisterin heimkehrte. An der Seite der Klotenerin Joana Heidrich, für deren erkrankte Mitspielerin Anouk Vergé-Dépré sie kurzfristig eingesprungen war, gewann sie im kanadischen Halifax als damals noch 15-jährige die U21- WM. «Das war ein schönes Gefühl, na logisch, habe ich Lust, das zu wiederholen», meint sie keck, «aber ich habe jetzt auch nicht das Gefühl, dass das wie selbstverständlich immer so weitergeht.»

Diese Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit auf der einen und geerdeter Bescheidenheit auf der anderen Seite trägt ihren Teil dazu bei, dass die beiden Jahr für Jahr die eigenen Erwartungen sowie diejenigen ihrer Trainer übertreffen. So wollten sie zu Beginn der laufenden Saison zwei Wildcards nutzen, um Erfahrungen auf der Coop-Beachtour A1, der höchsten Schweizer Turnierserie im Elite-Bereich, zu sammeln. Doch dann landeten sie in Locarno auf dem 2. und in Genf auf dem 5. Platz. Da dazu noch Turniersiege und Podestplätze auf den nächsttieferen Elite-Klassen A2 und A3 kamen, sammelten sie innert Kürze so viele Punkte, dass sie nun regulär in den A1-Turnieren mittun dürfen.

Umfassend verbessert

Dabei schätzen sich die beiden ZuZu- Beacherinnen selbst als gar nicht so viel stärker ein als noch im Vorjahr. Ihr Trainer Kurt Brunner sieht das freilich anders: «Sie haben sich in allen Bereichen verbessert, im technischen, taktischen und athletischen. Vor allem sind sie so stabil, dass sie fast keine Fehler begehen. Das macht es für alle Gegnerinnen natürlich sehr schwierig, sie zu schlagen.»
Hinter vorgehaltener Hand traut der Klotener seinen Spielerinnen darum auch Podestplätze bei allen drei grossen Turnieren der kommenden Wochen zu, schränkt aber ein: «In ihrem Alter kann es auch plötzlich einmal einen Aussetzer geben. So wie letztes Jahr an der U18- EM, als sie in einem Vorrundenspiel ganz schlecht gespielt und sich nur dank einer Matchpause wegen eines Wolkenbruchs wieder gefangen hatten.»
Ob Nicole Eiholzer und Nina Betschart diesmal ohne Hilfe von oben auskommen werden?


Bericht von Peter Weiss aus dem Zürcher Unterländer vom 5. Juli 2012.

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