Dienstag, 09. Oktober 2012, 09.40 Uhr

Am seidenen Faden

Thays Deprati holt sich jeden Ball – auch den von Sonja Giger...

Samstagabend, 17.45 Uhr, ist die Welt ­für Züri Unterlands Volleyballerinnen wieder in Ordnung. Zu den Klängen des brasilianischen Sommerhits «Bara Bará Bere Berê» scharen sie sich hinter Captain Mirjam Fessler und führen den dazugehörigen Tanz im Stil einer Zumba-Lektion auf. Dazu strahlen sie und winken fröhlich lachend ihren 50 Fans zu, die seit über zwei Stunden in der Klotener Ruebisbach-Halle ausgeharrt haben.

Kurz zuvor, in der Pause vor dem alles entscheidenden fünften Satz, hatten sie noch ein ganz anderes Bild abgegeben. Nach dem Verlust von Satz 4 sassen ei­nige Unterländerinnen mit hängenden Köpfen und Trauermienen auf der Bank, ganz so, als hätten sie die Partie bereits ver­loren. Und weil die ambitionierten Spie­le­rinnen im Spiel die Lockerheit ihres neuen Sieges-Ritual-Tanzes bisweilen arg vermissen liessen, mussten sie hernach buchstäblich bis zum letzten Punkt zittern. So verlieh ihnen im entscheidenden fünften Satz selbst ein 14:10-Vorsprung nicht die nötige Sicherheit. Drei Matchbälle vergaben sie, ehe eine Kreuzlingerin den letzten Angriffball ins Aus schlug. «Bei uns war viel Nervosität spürbar, und das bis zum Schluss», gab Fessler zu, «sicher sind die Erwartungen von aussen höher als letztes Jahr, aber mit unserem Ziel, dem Aufstieg, setzen wir uns auch selbst unter Druck.»

Vasi versucht Laura und Ladina nach dem verlorenen vierten Satz neu zu motivieren

Grösserer Aufwand

Mit den Neuzuzügen, ­allen voran den beiden Rückkehrerinnen Marlen Brunner und Laura Breuss sowie der starken Libera Thays Deprati, ist die Qualität des Kaders gestiegen. Dazu kom­men junge Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs, mit dem dynamischen Klub-Präsidenten Vasi Koutsogiannakis ein neuer Trainer, der gemeinsam mit dem bisherigen Andreas Maurer das neue Duo auf der Bank bildet, und vor allem: ein klarer ausgeprägter Leistungswille. «Jetzt haben wir das, was ich immer wollte», sagte Captain Mirjam Fessler, «ein Team, in dem jede Vollgas gibt.» Das äussert sich nicht zuletzt in einem erhöhten Trainingspensum: Statt wie bis anhin zweimal, trainieren die Unterländerinnen nun dreimal pro Woche.

Das Damen 1 im Timeout - neue Instruktionen von den beiden Trainern Andreas Maurer und Vasi Koutsogiannakis

Unverändert scheint dagegen der bisherige Pluspunkt. «Menschlich sind wir schon beim Trainingswochenende im September sehr zusammengewachsen», sagte Fessler, «mir ist es vorgekommen, als würden wir schon lange zusammen spielen.» Auf dem Spielfeld müsse die Abstimmung dagegen noch besser werden, forderte die Angreiferin, die vom neuen Schwung zu profitieren scheint. So präsentierte sie sich noch dynamischer und athletischer als ohnehin schon und griff gleichsam wuchtig und weitgehend fehlerlos auch dann an, wenn es eng wurde.

Holzer überzeugt

Neben Mirjam Fessler verdiente sich auch die junge Mittelblockerin Julia Holzer ein Sonderlob ihrer Trainer. «Sie hat grosse Fortschritte gemacht», sagte An­dreas Maurer, «und viel Verantwortung übernommen.» Vasi Koutsogiannakis hob das Klub-Eigengewächs noch aus einem anderen Grund hervor: «Sie ist auch nach einem Fehler immer locker geblieben.» Ihre Mitspielerinnen zeigten da schon deutlich mehr Emotionen. Von den aufsässigen und gross gewachsenen Kreuzlingerinnen, die nie aufgaben und einen starken Block stellten, kontinuierlich herausgefordert, durchlebten die Gastgeberinnen ein Spiel mit Höhen und Tiefen im Stil einer Achterbahnfahrt.

Julia Holzer beim Mittelangriff auf den Pass von Ladina Breuss

Beim 30:32 im ersten Satz vergaben sie nicht weniger als vier Satzbälle, fingen sich im zweiten (25:21) und gerieten beim 25:8 im dritten Satz schon fast in einen Spielrausch. Doch im vierten Durchgang (20:25) häuften sich die Fehler und Unsicherheiten urplötzlich wieder. «Wir müssen weiter hart arbeiten, das ist ganz klar», sagte Vasi Koutsogiannakis. Trainerkollege Andreas Maurer wünschte sich neben einer besseren Abstimmung und mehr Variation im Angriffspiel vor allem eins: «Ich bin ja mal gespannt, ob wir einmal ein Spiel erleben, in dem sie immer locker bleiben.»

Bericht von Peter Weiss, Zürcher Unterländer/Neues Bülacher Tagblatt; Fotos: Dominic Staub (VBCZU)

VBC Raiffeisen züri unterland - Pallavolo Kreuzlingen 3:2 (30:32, 25:21, 25:8, 20:25, 15:13). Ruebisbach, Kloten. – 50 Zuschauer. – SR: Schreyer, Galle. Züri Unterland: Ladina Breuss; Fessler, Ghaliya, Giger, Holzer, Laura Breuss. – Libera: Deprati. – Einwechslungen: Hammer, Giessmann, Künzle, Hake. Pallavolo Kreuzlingen: Hollenstein; Reiser, Schräder, Bollmann, A. Hösch, D. Hösch. – Libera: Iselin. – Einwechslungen: Bollinger, Vetterli. Bemerkung: Züri Unterland ohne Brunner (Ferien).

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