Dienstag, 23. Oktober 2012, 09.05 Uhr

Keine Punkte, aber viel Hoffnung

Züri-Unterland-Captain Thomas Schatzmann (Mitte) und seine Mitspieler lassen sich auch als NLA-Letzte nicht unterkriegen. Bild: dst

Fünf Spiele, 0 Punkte, 2:15 Sätze, 9. und letzter Platz die Startbilanz wirkt wenig ermutigend für Züri Unterlands NLA-Volleyballer. Das sportliche Aushängeschild des mitgliederstärksten Zürcher Volleyballvereins scheint derzeit eine alte Sportweisheit am eigenen Leib zu erfahren, wonach die zweite Saison nach einem Aufstieg oft die schwerste ist. Zudem plagen das Team des neuen Trainers Karim Takouk personelle Sorgen: Zu den Abgängen von gleich drei Spielern auf der wichtigen Mitteposition gesellten sich in den vergangenen Wochen Ausfälle durch Krankheiten und Verletzungen. So reisten die Unterländer unlängst zur Partie in Schönenwerd bloss zu siebt an. Anzeichen eines schleichenden Zerfalls?

Wer sich mit derart sorgenvollen Gedanken am Samstag in die Klotener Ruebisbachhalle begab, um das erste Heimspiel der Saison zu verfolgen, sah sich indes schnell eines Besseren belehrt. Gegen das Spitzenteam Lausanne wendeten die Gastgeber im ersten Satz einen Rückstand schnell in einen Vorsprung um und hielten diesen lange. Auch und gerade im so zentralen Bereich der Aufschläge und Annahmen zeigten sich die Unterländer stark verbessert. Die Gäste donnerten ihnen zwar wie schon im Spiel vor einem Jahr reihenweise wahre Geschosse von Aufschlägen um die Ohren. Doch während sie damals damit noch häufig entweder direkt punkteten oder die Unterland-Annahmen direkt auf die Lausanner Netzseite zurückflogen, zeigten sich die Unterländer nun deutlich stabiler.

Neue Schlagtechnik

Meist entschärften Züri-Unterland-Libero Damien Flück, der solide Neuzuzug aus Amriswil, und seine Nebenmänner die Lausanner Aufschläge so gut, dass sie Passeur Fabio Lunardi mustergültig anspielen konnten und diesem alle Möglichkeiten für den Spielaufbau blieben. Da Lunardi dies nutzte, um entweder schnell über die Mitte zu spielen oder die Aussenpositionen zu bedienen, kamen David Lehner, Thomas Schatzmann und Manuel Gahr oft in guter Lage zum Abschluss. So sahen sich die Unterland-Angreifer wiederholt gar keinem Blockspieler gegenüber, und wenn doch, dann fanden sie Mittel und Wege, um ihre Bälle an den bis zu 2,10 Meter grossen gegnerischen Hünen vorbeizuschmuggeln.

Captain Thomas Schatzmann erkennt darin bereits den Einfluss des neuen Trainers Karim Takouk: «Er hat uns gelehrt, dass wir, die wir im Durchschnitt kleiner sind als die meisten Gegenspieler, im Angriff nicht einfach frontal auf den Boden, sondern mehr nach hinten zielen oder versuchen sollen, den Block zu touchieren.» Da ihnen dies gut gelang und sie Lausanne noch dazu mit dem eigenen Aufschlag wiederholt in Bedrängnis brachten, blieben die Unterländer bis zum Stand von 23:22 vorne. Durch unnötige Fehler brachten sie sich dann aber selbst um den verdienten Lohn und verloren 23:25. Im zweiten Satz konnten die Gastgeber dann nicht mehr an die gute Leistung anknüpfen und unterlagen 19:25. Dafür gaben sie vor den Augen ihrer 180 begeisterten Fans im dritten Satz noch einmal alles, führten bis zum 19:18 und wehrten später nicht weniger als sechs Matchbälle ab, ehe sie sich am Ende 27:29 geschlagen geben mussten.

Lob vom Gegner

«Das war sehr schade, dass es nicht zu mehr gereicht hat», sagte Trainer Karim Takouk bedauernd, «ich bin aber stolz auf die Jungs: Sie haben gekämpft und sich mehr zugetraut als in den ersten beiden Spielen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie keine Angst haben sollen, Fehler zu machen und das setzen sie jetzt um.» Tatsächlich griffen Takouks Spieler entschlossen und mit einer tiefen Eigenfehlerquote an. Zudem wirken die Unterländer auf dem Feld ruhiger als im Vorjahr. Thomas Schatzmann erklärt: «Wir freuen uns noch immer über Punkte, versuchen aber, Fehler gleich wegzustecken, ruhig zu bleiben und das Spiel besser zu lesen.» Dafür ernteten sie auch von aussen Anerkennung. So klinkte sich Lausannes Trainer Martin Olafsen in das Gespräch mit dem Unterland-Captain nach der Partie ein und sagte: «Im ersten Satz haben wir dank unserer Erfahrung gewonnen, im dritten nur mit Glück. Züri Unterland hat sehr schlau gespielt und ist eine Einheit mit einem guten Geist.»

David Sturzenegger – vorläufig auf der Center-Position – hat freie Schussbahn!

Für diesen guten Geist spricht auch, dass die Unterländer nach dem unglücklichen Ende vom Samstag keineswegs geknickt zum zweiten Spiel des Wochenendes fuhren und beim 1:3 bei Lutry-Lavaux ihrem ersten Punktgewinn sehr nahe kamen. «Das war sicher unser bisher stärkstes Spiel», kommentierte der etatmässige Diagonalangreifer David Sturzenegger, der am Wochenende beide Male in der Mitte aushalf. Zur Stimmung im Team erklärte er: «Bei uns ist wegen der Tabellensituation niemand nervös. Lutry und Laufenburg können wir am Ende der Saison sicher wieder schlagen.» Dazu soll auch das erhöhte Trainingspensum beitragen: Vierstatt wie zuvor dreimal pro Woche trainieren die Unterländer nun. Punkto Einsatz haben sie alles andere als nachgelassen.

Bericht von Peter Weiss aus dem Zürcher Unterländer vom 22. Oktober 2012.

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