Donnerstag, 28. Februar 2013, 08.00 Uhr

Karim Takouk muss leider weichen

«Karim ist ein guter Trainer und hat hier gute Arbeit geleistet, die Spieler haben technisch grosse Fortschritte gemacht.» Dennoch war die Trennung unumgänglich.

Bericht von Peter Weiss aus dem Zürcher Unterländer

Nach der sang- und klanglosen 0:3-Heimniederlage im wichtigen NLA-Playout- Runde-Spiel von Züri Unterlands Männer-Fanionteam gegen Lutry-Lavaux am vergangenen Sonntag standen Präsident Vasi Koutsogiannakis und seine Vor- standskollegen noch lange mit Ex-Präsident und Männer-Trainer Ernst Rüdisüli sowie dem Frauen- und Beach-Trainer Kurt Brunner hoch oben auf den Rängen in der Klotener Ruebisbachhalle zusammen. Die Darbietung des sportlichen Aushängeschilds ihres Vereins sorgte sichtlich für einiges Kopfzerbrechen bei den Verantwortlichen. Nun geben sie bekannt, dass sie sich per sofort vom Männer-Fanionteam-Trainer Karim Takouk trennen. Der algerische Olympiateilnehmer von 1992 hatte die Equipe erst vor der Saison übernommen. Als Schnellschuss will die Unterländer Klubführung ihren Entscheid aber keinesfalls verstanden wissen. «Wir haben uns das sehr lange und gut überlegt, schliesslich haben wir ja noch nie einen Trainer entlassen», sagt Präsident Vasi Koutsogiannakis. «Aber man hat nicht erst am Sonntag gesehen, dass die Mannschaft für diese entscheidenden Spiele der Saison nicht optimal vorbereitet war», führt er aus.

Pläne für die Zukunft

Tatsächlich wirkten die jungen Unterländer Spieler gegen Lutry-Lavaux erstaunlich müde und abgekämpft. Wie eine Mannschaft, die sich mit aller Macht gegen eine Niederlage wehrt, sah das nicht aus. Dass ihnen nach der Partie vom Vortag über die volle Distanz von fünf Sätzen verständlicherweise die nötige Frische fehlte, scheint indes nur ein Teil der Wahrheit. «Natürlich hat das 3:2 gegen Laufenburg-Kaisten sehr viel Kraft gekostet», sagt Präsident Vasi Koutsogiannakis, «nur hätte es gar nie so weit kommen dürfen. Laufenburg ist ja nicht in Bestbesetzung angetreten, mit einer normalen Leistung hätten wir klarer gewinnen müssen.»

Den Zeitpunkt der Entlassung erklärt Sportmanager Bruno Miotti einerseits damit, dass «wir auch die beiden Auswärtsspiele noch lange nicht verloren haben, mit zwei Siegen können wir den Ligaerhalt in der Playout-Runde durchaus noch erreichen.» Zum anderen gelte es aber auch für den Fall gewappnet zu sein, dass das Team als Playout-Letzter doch noch die Liga-Qualifikation gegen die drei bestplatzierten der NLB-Aufstiegsrunde bestreiten müsse. Miotti: «Es wird zwar immer wieder spekuliert, dass die NLB-Klubs auf diese Runde verzichten, weil sie am Ende gar nicht aufsteigen wollen, aber darauf können wir uns nicht verlassen.» Mit den beiden erfahrenen Trainern Ernst Rüdisüli und Kurt Brunner wolle man nun Gegensteuer geben.

Dies umso mehr, als für die kommende Saison schon eine namhafte Verstärkung zugesagt hat: Der Argentinier Cao Herrera, derzeit Passeur des NLA-Tabellenzweiten Amriswil, wolle bei Züri Unterland als Spielertrainer einsteigen, verrät Koutsogiannakis. Unschwer auszurechnen, dass der Top-Spieler nicht in die NLB wechseln würde. Um das Projekt nicht zu gefährden, muss Takouk weichen, obwohl auch Koutsogiannakis ihm bescheinigt: «Er ist ein guter Trainer und hat hier sehr gute Arbeit geleistet, die Spieler haben im technischen Bereich grosse Fortschritte gemacht.»

Überraschte Spieler

Der entlassene Trainer Karim Takouk selbst zeigt sich enttäuscht. «Ich habe schon von Anfang an Hilfe verlangt. Man hat mir aber gesagt, dass kein Geld für neue Spieler vorhanden sei und ich einfach meinen Job machen solle», sagt Takouk. «Ausserdem wollte ich einen Assistenztrainer haben. Nachdem aber zwei Kandidaten abgesagt hatten, hat man nicht weiter gesucht, das hätte ich wohl selbst machen sollen.» Schliesslich stösst bei ihm auch der Zeitpunkt der Entlassung auf Unverständnis. «Wenn es nicht läuft, ist schnell mal der Trainer schuld, das ist normal im Sport», sagt Takouk, «aber dann kann man sich ja früher trennen. Zwei Spiele vor Schluss bringt das doch auch nichts mehr.» Freilich wünscht er sich, dass er sich hierin irrt. «Ich würde mich sehr für die Spieler freuen, wenn es am Ende zum Ligaerhalt reicht, ich habe gerne mit ihnen zusammengearbeitet und hatte bis zuletzt eine gute Beziehung zu ihnen.»

Dies bestätigt auch Captain Thomas Schatzmann. «Wir haben unter ihm gut trainiert, viele Fortschritte erzielt und eine gute Zeit mit ihm verbracht.» Takouks Entlassung hätte ihn und seine Mitspieler überrascht, «zumal das in unserem Verein ja noch nie vorgekommen ist». Aber im Spitzensport gebe es eben solche Wechsel. «Es ist eine Entscheidung des Vorstands, der sich durch die Veränderung einen Aufschwung in dieser sportlich schwierigen Lage erhofft», sagt Schatzmann. «Es tut uns leid für Karim, der die ganze Saison über mit grossem Einsatz mit uns gearbeitet hat, aber wir müssen jetzt alles abhaken und uns auf die nächsten beiden Spiele konzentrieren.» Dass er und seine Mitspieler bereits vor zwei Wochen über die Pläne für die sportliche Führung der kommenden Saison informiert wurden, möchte Schatzmann nicht als Ausrede gelten lassen: «In erster Linie sind wir Spieler doch selbst für unsere Leistung verantwortlich.»

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