Dienstag, 14. Mai 2013, 10.21 Uhr

Unterland-Beacher greifen an

Thomas Schatzmann (links) und sein Mitspieler Christian Busin von ZuZu-Beach wollen sich in der neuen Beachvolleyball-Saison so oft wie möglich mit den Nationalspielern messen und die Profis häufiger als in der Vergangenheit besiegen. Bild: Sibylle Meier

Nach den Olympischen Spielen von London 2012 ist im Schweizer Beachvolleyball-Lager kein Sandkorn auf dem anderen geblieben. Mit Sascha Heyer, Jefferson Bellaguarda, Patrick Heuscher und Martin Laciga beendeten gleich vier Weltklassespieler ihre langjährige Karriere. Im Nationalkader bildeten sich neue Duos mit jüngeren Spielern, die zum Grossteil nun ihre erste gemeinsame Saison bestreiten.

Die drei Männer-Topduos von ZuZu-Beach, der Beachvolleyball-Abteilung des VBC Züri Unterland, könnten von den Umstellungen profitieren. Männer-Trainer Vasi Koutsogiannakis erklärt: «Die neuen Duos des Nationalkaders sind nicht so gut eingespielt und nach dem Rücktritt der Weltklassespieler auch noch nicht so stark wie in der Vergangenheit. Für uns liegen darum dieses Jahr sicher mehr Siege gegen sie drin.» Das gilt zum einen für die beiden bisherigen ZuZu-Beach-Topduos Christian Busin / Thomas Schatzmann und Raffael Bühler / Andreas Catschegn, die seit Jahren zusammenspielen und sich in der Schweizer Rangliste unmittelbar hinter den Nationalspielern etabliert haben. «Bühler/Catschegn sind eher das konstantere Duo, das seine Leistung stets abruft, während für Busin/Schatzmann an einem guten Tag eher ein Exploit drinliegt», beschreibt Koutsogiannakis. Zusätzlich zu diesen beiden Teams schickt der Männer-Trainer und Beach-Abteilungsleiter seit Neustem eine dritte, vielversprechende Formation in den Sand.

ZuZu-Teams im HB-Hauptfeld

Fabio Berta, der einst auch in Züri Unterlands Hallen-Fanionteam für Furore sorgte, spielt neu mit dem Brasilianer Rhooney Ferramenta für ZuZu-Beach. Letzterer ist ehemaliger Nationalspieler seines Landes und beendete die WM 2011 mit seinem damaligen Mitspieler Pedro auf dem 5. Platz. In die Schweiz kam er wegen Differenzen mit dem brasilianischen Verband und dank seiner Verbindung mit ZuZu-Beacherin Marlen Brunner. «Weil er noch keine Punkte in der Schweiz gesammelt hat, müssen die beiden sich jetzt erst mit Top-Platzierungen an A2- und A3-Turnieren an die höchste Kategorie herankämpfen», sagt Trainer Vasi Koutsogiannakis. Im Zürcher Hauptbahnhof, dem ersten Turnier der höchsten einheimischen Stufe A1, tritt Vorjahressieger Ferramenta jedoch mit Jefferson Bellaguarda an.

Im Gegensatz zu ihnen mussten die beiden ZuZu-Beach-Duos gestern Donnerstag die Qualifikation bestreiten. Der Brüttiseller Andreas Catschegn und der Dübendorfer Raffael Bühler setzten sich dabei gegen Rafael Bissig / Bernhard Beyeler 21:15, 21:17 durch. «Der erste Satz war gut, im zweiten haben wir auch viel von ihren Fehlern profitiert», schildert Catschegn, der sich sehr über den Einzug ins Hauptfeld freut: «Das Turnier im HB ist das Grösste in der Schweiz, die Stimmung mit den vielen Zuschauern in der Bahnhofhalle ist einmalig.» Auch Thomas Schatzmann und Christian Busin überstanden bei ihrem Zürich-Debüt die Qualifikation. Im Duell mit Roman und Andreas Sutter machten sie es aber spannender. Nach der 12:21-Niederlage im ersten Satz standen die beiden ZuZu-Beacher mit dem Rücken zur Wand. «Dann haben wir uns vor allem in der Verteidigung gesteigert und das Spiel noch gekehrt», berichtet Busin.

Auch an den anderen Coop-Beachtour-A1-Turnieren jeweils die Qualifikation zu überstehen, ist Ziel aller drei ZuZu-Beach-Männerduos. Dies umso mehr, als ab nächstem Turnier in Locarno ein neuer Modus in Kraft tritt: Im Hauptfeld gibt es neu zwei 4er-Gruppen mit Partien jeder gegen jeden. «Das ist interessant für uns. Wenn wir weiterkommen, haben wir so mindestens zwei Partien gegen die Top-Teams auf sicher«, erklärt Christian Busin. Er und sein Mitspieler Thomas Schatzmann haben ein weiteres grosses Saisonziel: eine Medaille an den Studenten-EM Ende Juli in Porto. «Letztes Jahr in Cordoba sind wir Vierter geworden. Das wollen wir jetzt natürlich steigern», kündigt Busin an.

Gegnerin wird Beach-Partnerin

Für die kommenden Turnierwochen haben sich die ZuZu-Beacherinnen und -Beacher gemeinsam in einem einwöchigen Trainingslager in der Südtürkei vorbereitet. Im heissen Sand von Side stand auch Brunners Tochter Marlen, allerdings noch ohne ihre neue Beach-Partnerin. Die 24-jährige Klotenerin spannt nun mit Valeriya Fedosova zusammen. Brunner lernte die Russin an den Aufstiegsspielen zur Frauen-NLB kennen: Die ehemalige Spielerin der deutschen Hallenvolleyball-Bundesliga führte Züri Unterlands Gegner Kanti Baden zu zwei klaren Siegen. «Vom Temperament her passen sie sehr gut zusammen, allerdings ist auch Fedosova mit ihren 1,75 m Grösse keine Block-Spezialistin», erklärt Kurt Brunner. Als Handicap kommt hinzu, dass die Russin in der Schweiz noch keine Ranking-Punkte vorzuweisen hat, sodass sich das neue Top-Duo via Spitzenplatzierungen an Turnieren der tieferen Kategorien an die nationale Spitzenklasse A1 herankämpfen müssen.

Das Nachwuchs-Duo Nicole Eiholzer/Nina Betschart ist dagegen schon ab der ersten Station in Zürich voll dabei. Ein Ziel der beiden 17-Jährigen sei es, auf der Coop-Beachtour immer wieder einmal eines der arrivierten Teams zu besiegen, sagt Brunner. «Die eigentlichen Saisonhöhepunkte sind für sie die grossen internationalen Turniere. Dieses Jahr spielen sie die U19-WM, U20-EM und U21-WM allesamt zusammen und können überall eine Medaille holen.»

Bericht von Peter Weiss (Zürcher Unterländer)

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