Dienstag, 19. November 2013, 00.30 Uhr

Unterländer unterliegen Ex-Mitspielern

Volles Rohr abgezogen: Adrian Heidrich (hinten) avanciert gegen Amriswil zu Züri Unterlands Hauptangreifer. Hier schlägt er am Block des Thurgau-Brasilianers Dante Elias Trevisan vorbei. Bild: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 19. November 2013.

Nachdem der letzte Punkt und Satz verloren waren, brauchte Züri Unterlands Spielertrainer und Passeur Gilman Angel Cao Herrera zuerst einen Moment für sich. Dann tröstete er Adrian Heidrich, seinen an diesem Abend auffälligsten Mitspieler, und fand Worte für die Analyse. «Das grösste Problem war, dass unsere Mannschaft derzeit einem Lazarett gleicht», sagte Herrera, «David Lehner ist noch immer am Fuss verletzt, hier humpelt gerade Florian Heidrich vorbei, der seit Wochen Probleme am Knie hat, und heute Morgen im Abschlusstraining hat sich auch noch Miroslav Tomasik am Rücken verletzt.» Während Florian Heidrich mit Schmerzen spielte, fiel Tomasik - einer von fünf Unterländern mit Amriswiler Vergangenheit - ganz aus. Ein Ausfall, der für die Gastgeber schwer wog.

Erstens, weil mit dem Slowaken, der bis dato von allen NLA-Spielern am zweitmeisten direkte Punkte gesammelt hatte, ein sicherer Wert fehlte. Zweitens, weil Herrera als Passeur noch häufiger Adrian Heidrich bediente, wodurch das Unterland-Angriffsspiel für den starken Amriswiler Block leichter auszurechnen war. Und drittens, weil Herrera als Trainer sein Team umstellen musste. Mittelblocker Jonas Bolli rückte so kurzerhand in den Aussenangriff. Der talentierte Neuzuzug vom Erstligisten Klettgau machte seine Sache zwar gut, doch in ungewohnter Formation unterliefen den Unterländern insgesamt zu viele Missverständnisse im Spielaufbau, um den starken Widersacher mehr als nur einen Satz abzunehmen.

Unterländer mit Auf und Ab

Mit einer geschlossenen, kämpferischen Teamleistung verdiente sich Züri Unterland den 25:23-Gewinn des zweiten Satzes. Dabei deutete das Heimteam an, was in dieser Saison möglich ist, wenn alle Spieler ihr Top-Niveau erreichen. Nach dem guten Auftakt im dritten Satz (5:5) liessen die Unterländer die Gäste aber mit einer Serie von sechs Punkten vorentscheidend davonziehen.

Nicolas Keller (Libero) macht Stimmung und hält das Team zusammen – und das war zwischendurch bitter nötig... (Bild: Dominic Staub)

Im vierten Durchgang punkteten die Thurgauer gar achtmal in Folge. «So etwas darf nicht passieren», kritisierte der Mittelblocker und neue Captain Florian Heidrich. Nach einem Jahr als Profi in Amriswil kehrte der mit 23 Jahren Älteste der drei Klotener Heidrich-Geschwister - Beachvolleyball-Profi Joana Heidrich unterstützte ihre Brüder wie an jedem Heimspiel von der Tribüne aus - auf die laufende Saison zu seinem Stammklub zurück. «Hier kann ich die Ausbildung und den Spitzensport besser unter einen Hut bringen», erklärte der gebürtige Unterländer.

Sein Bruder Adrian kehrte Amriswil nach drei Jahren den Rücken, weil er auch im Beachvolleyball Ambitionen hegt, die Thurgauer aber eine Konzentration auf das Hallen-Volleyball von ihm verlangt hatten. «Ausserdem kann ich hier viel mehr Spielerfahrung sammeln», führte der 19-Jährige aus. Seinem ehemaligen Trainer Dario Bettello habe er durchaus zeigen wollen, was er jetzt könne, gab er zu. «Auf dem Feld aber war die Stimmung heute freundschaftlich», schilderte Florian Heidrich, «wir hatten mit fast allen Amriswiler Spielern immer ein gutes Verhältnis.»

Jubel nach dem Satzgewinn im Cup-Spiel gegen VB Therwil (Bild: Dominic Staub)

Züri Unterlands Frauen beissen sich die Zähne aus

Am vergangenen Samstag spielten die Frauen des VBC Züri Unterland bei Tabellenführer Aadorf und verloren 0:3. Aadorf, das in die NLA aufsteigen will, trat zum ersten Mal in dieser Saison wieder mit ihrer Star-Passeuse Mariia Tabunsic an. Sie spielte den Unterländer Block schwindlig und blockte meist die Zürcher Angreiferinnen. Trotzdem waren die Unterländerinnen nicht so chancenlos, wie man dies in den ersten beiden Sätzen (20:25 und 14:25) hätte denken können.

Im dritten Umgang gelang es den Gästen immer besser, auch dank gutem Coaching von Trainer Vasi Koutsogiannakis, den gegnerischen Angriff abzuwehren und den eigenen mit Cleverness ins Feld zu bringen. Trotz dem Aufschwung (erneut 20:25) musste sich Züri Unterland im Thurgau mit 0:3 geschlagen geben.

Am Sonntag ging es für Züri Unterland vor Heimpublikum in Kloten gegen den NLB-Leader der Westgruppe, Therwil, mit einem Cupspiel weiter. Im ersten Satz zeigte das Heimteam wohl fast schon sein bestes Volleyball. Passeuse Ladina Breuss verteilte die Pässe hervorragend, und so konnte man den ersten Satz mit 25:20 ins Trockene bringen. Ob man sich auf diesem Satzgewinn ausruhen wollte oder ob die Kräfte nachliessen, ist unklar, jedoch konnte man in den kommenden drei Sätzen nicht an die Glanzleistung vom ersten anknüpfen. So kam es zum Endresultat von 1:3 Sätzen gegen die Baslerinnen. Das Heimteam konnte das Ausscheiden aus dem Cup-Wettbewerb trotz der ersten Enttäuschung auch mit etwas Humor aufnehmen. Denn alle waren froh, dass es vorerst keine Doppelwochenenden mehr gibt. (al)

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