Dienstag, 14. Januar 2014, 15.15 Uhr

Am Ende fehlte nur wenig

Topskorer Miroslav Tomasik holt in der Luft aus. Nicht zuletzt dank ihm und dem erstaunlichen Jonas Bolli (rechts) holt Züri Unterland gegen Lausanne beinahe einen Punkt. Bild: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss aus dem Zürcher Unterländer vom 14. Januar 2014.

16:13 führten Züri Unterlands Männer im dritten Satz ihres ersten Heimspiels im Jahr 2014. Die markante Steigerung nach dem verhaltenen Startsatz (20:25), die geschlossen starke Leistung der Gastgeber, dank der sie mit dem 25:19 den Satzausgleich geschafft hatten, die Fehlerhaftigkeit der Gäste aus der Waadt - all dies liess bei den 150 Fans in der Klotener Ruebisbach-Halle die Hoffnung keimen. Der Satzgewinn, der den Gastgebern jenen Punkt einbrächte, der im Rennen um den erstmaligen Einzug in die NLA-Finalrunde so wichtig wäre, schien möglich. Oder gar die Sensation der erste Vollerfolg gegen einen der grossen sechs, ergo gegen eines jener sechs Teams, welche der Konkurrenz im Schweizer Männervolleyball schon seit Jahren so weit entrückt sind?

Doch es geschah wie so oft unter solchen Vorzeichen. Im Spiel des Aussenseiters Züri Unterland häuften sich auf einmal die kleinen Unzulänglichkeiten, Missverständnisse in der Annahme und Eigenfehler im Angriff- oder Aufschlagspiel etwa. Dagegen unterlief dem Favoriten Lausanne der sechste Servicefehler in diesem Satz eben nicht mehr, nahmen die Gäste die Unterland-Aufschläge nun konzentrierter an und lief ihr herausragender Spieler, der Topskorer Romain Vadeleux, zur Glanzform auf. So schmolz der Unterländer Vorsprung Punkt für Punkt, und nachdem die Gastgeber zwei Satzbälle abgewehrt hatten, waren sie beim dritten machtlos. 25:27 und 1:2 nach Sätzen stand es nun.

Gahrs fatales Fussballspiel

«Der dritte Satz war der Schlüssel», schilderte Züri Unterlands Spielertrainer und Passeur Gilman Angel Cao Herrera, «da hatten wir den Vorteil auf unserer Seite und hätten mehr daraus machen müssen.» Tatsächlich erreichten die Unterländer nach dem erneuten Satzrückstand nicht mehr das hohe Niveau von zuvor. So wehrten sie sich zwar, verloren aber den vierten Satz gegen nun deutlich souveränere Lausanner am Ende klar 18:25. Züri-Unterland-Captain Florian Heidrich bedauerte daher zu Recht, dass er und seine Mitspieler einmal mehr einem Spitzenteam der Liga auf Augenhöhe begegnet seien, am Ende aber erneut mit leeren Händen dastünden. Cao Herrera analysierte, dass er viel Gutes im Spiel seiner Mannschaft gesehen habe. «Aber wenn wir eines der Spitzenteams schlagen wollen, müssen wir unser Potenzial 100-prozentig abrufen», erklärte er, «und das haben wir nicht ganz geschafft.»

Namentlich in Aufschlag/Annahme ortete der Spielertrainer noch Steigerungspotenzial. Nicht zuletzt in diesem Bereich wog der Ausfall des Aussenangreifers Manuel Gahr schwer. Der 21-jährige Liechtensteiner hatte sich bereits eine Woche zuvor im Training (beim Fussballspielen) den rechten Fuss verstaucht, dürfte aber in der laufenden Woche wieder mit dem Training beginnen.

Topskorer mit Bodenhaftung

«Mit Manuel wären wir im Angriff auch noch besser gewesen, so ist aber doch sehr viel über Adrian Heidrich und mich gelaufen», sagte Unterland-Topskorer Miroslav Tomasik mit Bedauern, «er hätte uns entlastet, und er hätte unser Angriffsspiel noch schwerer ausrechenbar gemacht.» In der Tat zog der Neuzuzug im zweiten und dritten Satz die Bälle von Passeur Gilman Angel Cao Herrera häufig an. Mit seinen wuchtigen und gleichsam klug platzierten Angriffsschlägen brachte er Block und Abwehr der Lausanner mehrfach ins Wanken. «Dank meiner Erfahrung kann ich den jungen Mitspielern sicher helfen, darum ist es klar, dass ich Verantwortung übernehme», meinte er bescheiden.

Dabei ist das Palmarès des 29-jährigen Slowaken beeindruckend. In seinem Heimatland spielte er in den Junioren-Auswahlen verschiedener Altersstufen mit und gehörte zum Kader der A-Nationalmannschaft, ehe erfolgreiche Profijahre in Tschechien, der Schweiz, Belgien und Frankreich folgten. Zuletzt war er gemeinsam mit Herrera und den Heidrich-Brüdern Adrian und Florian in Amriswil engagiert. Da zum einen die Verantwortlichen des dortigen NLA-Spitzenklubs nun vermehrt auf einheimische Kräfte setzen und zum andern Cao Herrera ihn anfragte, lag der Wechsel zu Züri Unterland nahe. Obwohl er wegen seines 80-Prozent-Arbeitspensums und eines Weiterbildungsstudiums nur einmal pro Woche mit dem Team trainieren kann, ist der Zwei-Meter-Mann hier schnell zum Schlüsselspieler avanciert. Ob der Angriffsmotor seine neuen Mitspieler zum ersten Finalrunden-Einzug in ihrer Klubgeschichte ziehen kann?

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