Dienstag, 28. Januar 2014, 09.10 Uhr

Die erste grosse Chance vergeben

Bericht von Michel Sutter im Zürcher Unterländer vom 28.01.2014

Am Ende des dritten Satzes in der Partie zwischen Züri Unterland und Schönenwerd keimte wieder die Hoffnung in der Klotener Ruebisbachhalle an diesem Samstagabend. Die Unterländer gewannen den Durchgang 25:23, nachdem sie die ersten beiden Sätze hatten abgeben müssen. Damit waren sie zurück in der Partie. Zumindest schien es so. Doch im vierten Satz leistete sich das Heimteam zu viele Unkonzentriertheiten, darunter einen Aufstellungsfehler. So hatte Schönenwerd leichtes Spiel, gewann den Satz souverän 25:12 und entschied damit auch die Partie für sich. Der Tabellenfünfte aus dem Solothurnischen sicherte sich so endgültig seinen Platz in der Finalrunde der besten sechs NLA-Teams. Züri Unterland muss weiter bangen.

Zwar nehmen die Unterländer noch immer den angestrebten 6. Platz ein und weisen zwei Runden vor Ende der Qualifikation noch immer einen Vorsprung von vier Punkten auf den sechsfachen Schweizer Meister Chênois Genf auf. Doch tritt Züri Unterland in der letzten Runde beim Meister und haushoch überlegenen Leader Lugano an, während die Genfer beim Tabellenletzten Einsiedeln gastieren. Wenn alles nach Papierform verläuft, fällt die Entscheidung in der vorletzten Runde, wenn Züri Unterland in Genf antreten muss.

«Ein seltsamer Tag»

Mit einem Sieg am kommenden Samstag in Genf stünde Züri Unterland erstmals in seiner Klubgeschichte in der Finalrunde, unabhängig davon, ob die Partie mit 3:0, 3:1 oder 3:2 zu ihren Gunsten endete. Bei einer Niederlage ginge das grosse Rechnen – und Zittern – los.

Dabei hätte alles ganz anders kommen können. Denn beim Stand von 25:24 im ersten Durchgang hatten die Unterländer einen Satzball, konnten ihn aber nicht verwerten. Und das sollte sich rächen. Denn Schönenwerd drehte den Spiess um und verwandelte seinerseits den dritten Satzball zum 29:27. Der Grundstein für den Erfolg der Gäste war damit gelegt.

«Das war ein seltsamer Tag heute», befand Züri Unterlands Spielertrainer und Passeur Gilman Angel Cao Herrera. «Wir haben alles versucht.» Warum es dennoch nicht reichte? «Wir hatten nach dem Sieg gegen Amriswil wohl zu hohe Erwartungen», schätzte Florian Heidrich. Die Niederlage war für den Teamcaptain und seine Mitspieler umso ärgerlicher, als der direkte Konkurrent Chênois beim Leader Investments Lugano wie erwartet unterlag. «Wir hätten heute für die Vorentscheidung sorgen können», seufzte Heidrich. «Aber wir müssen diese Niederlage wegstecken und kühlen Kopf bewahren.»

Viele Veränderungen für Bolli

Kühlen Kopf bewahren möchte auch Jonas Bolli, der auf diese Saison hin vom Erstligisten Klettgau in die NLA zu Züri Unterland gestossen ist. Doch damit nicht genug der Umstellung: Bolli ist bei den Unterländern vom Aussenangreifer zum Mittelblocker umfunktioniert worden. «Ich muss noch Erfahrung sammeln», meinte er dazu. «Ich bin auf dieser Position wohl der unerfahrenste Spieler der ganzen Liga.» Druck verspürt er deswegen aber keinen: «Ich gebe einfach mein Bestes», sagte er, «dann sehen wir, was dabei herauskommt.» Auch den Sprung von der 1.Liga in die NLA empfand Bolli nicht eben als einfach. «In der 1.Liga war ich ein Leistungsträger und habe eine grosse Verantwortung getragen», erklärte er. «Das ist jetzt etwas anders.» Seiner früheren Rolle trauert er aber nicht nach, im Gegenteil: «Es macht es für mich einfacher, weniger Verantwortung zu tragen.»

Auch mit Blick auf das vorentscheidende Direktduell um den Finalrunden-Einzug am kommenden Samstag um 18 Uhr im Centre-Sportif Sous-Moulin in der Genfer Vorortsgemeinde Thônex strahlt Bolli Gelassenheit aus: «Wir haben schon so viel erreicht. Darum lassen wir uns jetzt nicht nervös machen.»

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