Dienstag, 25. März 2014, 14.20 Uhr

Abstieg mit extrem bitterer Note

Der volle Einsatz der Unterländerinnen (am Ball Fujan Fahmi) wurde am Ende nicht belohnt - Abstieg trotz souveränem 3:0-Sieg lautet das harte Verdikt. Bild: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 25. März 2014

Vor dem ersten Ballwechsel um 16 Uhr hatten Steinhausen und Neuchâtel UC II bereits vom 3:0-Heimsieg Züri Unterlands über das schon als Absteiger feststehende Schönenwerd erfahren. Somit wussten beide Teams, dass sie noch mindestens einen Punkt benötigten. Ein 3:2-Sieg, egal für welche Equipe, brächte beiden die vorläufige Rettung, sprich: die Qualifikation für die anschliessende Auf-/Abstiegsrunde gegen die besten Erstligisten. Eine 0:3-oder 1:3-Niederlage dagegen liesse den Verlierer der Partie direkt in die 1. Liga absteigen. Eine äusserst heikle Lage - die zu einem nicht minder fragwürdigen Ausgang führte. Denn Steinhausen gewann die ersten beiden Sätze, sodass die Gastgeberinnen den einen Punkt, den sie noch brauchten, auf sicher hatten. Danach wechselte der Trainer der Zentralschweizerinnen einige Stammspielerinnen aus und schickte Ersatzkräfte aufs Feld. Prompt verlor das Heimteam die beiden folgenden Sätze, womit auch Neuchâtel seinen Punkt - und Züri Unterland das Nachsehen - hatte. «Leider gehört so etwas zum Sport, aber es ärgert mich schon, dass wir so unverdient aus dem Wettbewerb geworfen worden sind», kommentierte Züri-Unterland-Trainer und Präsident Vasi Koutsogiannakis.

In der Tat hätten sich die Spielerinnen von ihm und Trainer-Kompagnon Andreas Maurer eine Fortsetzung der Saison verdient gehabt. Denn die Unterländerinnen gingen im Heimspiel gegen Schönenwerd zum Abschluss der NLB-Abstiegsrunde äusserst sportlich mit der diffizilen Situation um. Gegen das bereits als Absteiger feststehende Schlusslicht Schönenwerd agierten sie, abgesehen von kürzeren Einbrüchen, konzentriert, spielfreudig und solidarisch.

Starke Abschiedsvorstellung

In der letzten Partie der Saison zeigten sich die Unterland-Frauen in allen Belangen überlegen. Mit ihren starken Aufschlägen punkteten sie mehrmals direkt oder machten den Gästen den Spielaufbau schwer. Die eigene Aufschlagannahme funktionierte so gut, dass Passeurin Ladina Breuss alle Möglichkeiten blieben. Marlen Brunner und mit zunehmender Spieldauer auch Mirjam Fessler nutzten die Zuspiele zu starken Angriffen. Im Block und in der Abwehr zeigten sich die Unterländerinnen auf dem Posten. Lief es ihnen vorübergehend einmal nicht mehr rund, munterten sie sich gegenseitig auf oder sorgten die Eingewechselten, allen voran die ehemalige Beachvolleyball-Profispielerin Romana Kayser, für neuen Schwung. Kurz: Eine Leistung aus einem Guss, die mit einem verdienten 3:0-Sieg belohnt wurde.

«Wir wollten einfach unseren Teil dazu beitragen, um unsere Chancen zu wahren», erklärte Captain Mirjam Fessler, «und falls es doch nicht reicht, wollten wir zumindest einen guten Saisonabschluss hinbekommen.» Zu dem Zeitpunkt hoffte die Angreiferin noch auf eine Fortsetzung der Saison: «Zuletzt haben wir uns ganz schön gesteigert und dreimal hintereinander gewonnen. So müsste es weitergehen.»

Auf Ursachensuche

Angesichts der gelungenen Darbietung stellte sich indes die Frage, wie die Unterländerinnen überhaupt in ihre missliche Lage geraten waren. «Das frage ich mich auch schon die ganze Saison», sagte Fessler dazu, «und komme zu keiner guten Antwort.» Die langwierigen Verletzungen von Angreiferin Marlen Brunner und Libera Thays Deprati und der verletzungsbedingte Ausfall von Neuzuzug Judith Kleeb hätten zu Beginn der Saison Lücken ins Team gerissen, meinte Fessler. «Dann haben wir die ersten Niederlagen kassiert und sind in eine Negativspirale geraten, aus der wir erst spät herausgefunden haben.» Es fehle an einer Leaderfigur, die ihre Mitspielerinnen in einer solchen Situation mitreisse, fügte Fessler an. Trainer Andreas Maurer analysierte dagegen: «Als es nicht so gut gelaufen ist, hat jede für sich versucht, das Spiel zu reissen. Der Zusammenhalt war nicht mehr so gut wie im letzten Jahr.» Eine teaminterne Aussprache Ende Februar habe Besserung gebracht. Zu spät, wie sich nun zeigte. Mit nur einem Punkt mehr auf dem Konto wären die Unterländerinnen in der letzten Runde gar nicht erst auf fremde Hilfe angewiesen gewesen.

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