Donnerstag, 15. Mai 2014, 09.16 Uhr

Suche nach der perfekten Mischung

Züri Unterlands Volleyballerinnen werden in Zukunft vom neu gebildeten Trainer-Duo Kurt Brunner (links) und Milco Bacchini in der Halle und auf Sand gefördert und gefordert. Bild: Madeleine Schoder

Nach nur einer Saison in der NLB stieg Züri Unterlands Frauen-Fanionteam Ende März wieder in die 1. Liga ab. Trainer Vasi Koutsogiannakis deutete damals an, dass er und Trainerkollege Andreas Maurer Rücktrittsgedanken hegen. Nun ist es offiziell: Koutsogiannakis tritt nach zwei Saisons, Maurer nach etwas über vier Jahren ab. Doch nicht etwa das Verpassen des Saisonziels ist der Grund für den Doppelrücktritt. Maurer wollte nach vielen Jahren auf der Trainerbank einmal kürzertreten. Und Koutsogiannakis sagt: «Ich hätte an sich gerne noch eine Saison drangehängt, aber als Präsident muss ich langfristig denken. Und da nun so ein gutes Gesamtpaket für die Frauen entstanden ist, kann ich das Team sehr guten Gewissens übergeben.»

Besagte Gesamtlösung besteht darin, dass die Züri-Unterland-Frauen ihren Sport inskünftig das ganze Jahr in ihrem Klub ausüben können unter der Leitung zweier Trainer, die eng zusammenarbeiten. Auf dem sommerlichen Sand trägt wie bis anhin Beachvolleyball-Frauen-Chefcoach Kurt Brunner die Hauptverantwortung, in der Halle wird neu Milco Bacchini federführend sein. Letzterer ist im Volleyball-Unterland kein Unbekannter: In der Saison 2002/03 trainierte er den damaligen Männer-Erstligisten VC Kloten, von 2004 bis 2008 gemeinsam mit Fabio Creti die U21-Juniorinnen und das Frauenteam des damals neu fusionierten VBC Züri Unterland.

Gemeinsame Planung

An die Erfolge seiner ersten Züri-Unterland-Zeit mit dem Aufstieg in die NLB 2007 und dem Gewinn der Bronzemedaille an den Schweizer Meisterschaften der U21-Juniorinnen im Jahr darauf möchte Milco Bacchini freilich anknüpfen. Doch den sofortigen Wiederaufstieg in die NLB gibt er bewusst nicht als prioritäre Zielsetzung für die kommende Saison an. «Ein Aufstieg ist schwierig zu planen, es gibt zu vieles, was nicht in der eigenen Hand liegt», erklärt Bacchini. Ohnehin hat ihn mehr als nur der blosse, resultatmässige Erfolg zurück an die neue, alte Wirkungsstätte gelockt. «Dass der Vorstand mir und Kurt Brunner die Möglichkeit gibt, ein Modell umzusetzen, nach dem wir unsere Spielerinnen in der Halle und auf Sand gemeinsam zu kompletten Volleyballerinnen ausbilden, gefällt mir sehr», sagt Bacchini, «dazu kommt, dass ich es immer sehr geschätzt habe, mit einem Trainerkollegen zu arbeiten und gemeinsam etwas zu entwickeln. Das kommt letztlich auch den Spielerinnen zugute.» Diese bekämen mit dem neuen Modell alles aus einer Hand, aber von zwei Personen. Konkret wird Bacchini selbst im Sommer ein Beachvolleyball-Training pro Woche leiten, während der warmen Jahreszeit aber auch zu einem neu eingeführten Hallentraining laden. Kurt Brunner wiederum wird Bacchini allwöchentlich in mindestens einem Hallentraining unterstützen und ein Beachtraining im Herbst und Winter anbieten. Gemeinsam erstellen die beiden Coaches Trainingspläne, die auf die individuelle Situation jeder Spielerin abgestimmt sind.

«Gerade die richtige Dosierung des Krafttrainings und ganz allgemein der Trainingsintensität auf einen Saisonhöhepunkt hin oder die nötigen Ruhepausen an den heiklen Übergängen von der Halle in den Sand und zurück lassen sich so ideal planen», erläutert Kurt Brunner. Der Zusammenarbeit mit Bacchini blickt der Klotener freudig entgegen: «Wir ergänzen uns gut: Wir haben zwar unterschiedliche Prioritäten, legen aber beide den Fokus auf eine gute technische Ausbildung und: Wir vertreten dieselbe Volleyball-Philosophie.» Letztere beinhaltet vor allem die Abkehr von der im Hallenvolleyball üblichen Spezialisierung. «Jede Spielerin soll angreifen und abwehren können, über eine gute Annahme verfügen und einen Pass spielen können», erklärt Bacchini. Was hierzulande noch exotisch klingt, praktizieren auf internationaler Bühne führende Frauen-Teams wie etwa Brasilien und Kuba. Und in Italiens höchster Juniorinnen-Liga sind frühe Spezialisierungen gar verboten.

Ein flexibles Modell

An einer Informationsveranstaltung für die Spielerinnen zu Beginn der Woche stiessen die neuen Ideen auf Interesse, lösten aber auch kritische Fragen aus. Vor allem gestandene Hallen-Volleyballerinnen, die Beachvolleyball bisher nicht auf höchstem Niveau betrieben haben, äusserten Bedenken. Doch Bacchini beruhigt: «Es gibt keine starren Regeln: Wenn eine Spielerin offen ist für das Neue, wird sie sicher nicht aus dem Hallen-Fanionteam geworfen, nur weil sie im Beachvolleyball nicht zur nationalen Spitze gehört.» Zudem sollen weiterhin individuelle Lösungen möglich sein. So wird Brunner weiterhin keinen Druck auf das U20-Europameisterinnen-Beachduo Nicole Eiholzer / Nina Betschart ausüben, im Winter doch für Züri Unterland in der Halle zu spielen.

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 15. Mai 2014

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