Samstag, 18. Oktober 2014, 13.20 Uhr

Start in die neue Meisterschaftssaison

Interview von Peter Weiss mit Fabian Bigger im Zürcher Unterländer vom 16.10.2014

Volleyball Züri Unterlands Männer starten übermorgen Samstag bei Lutry-Lavaux in ihre bereits vierte NLA-Saison. Mittelangreifer Fabian Bigger gehört dem Fanionteam seit acht Jahren an und nimmt neuerdings auch als Sportmanager des Vereins eine zentrale Rolle ein.


Fabian Bigger, vor kurzem haben Sie die Mitglieder des VBC Züri Unterland zu einer ausserordentlichen Versammlung zum Thema Zukunft des NLA-Männerteams eingeladen. Ist diese denn in Gefahr, oder was hat den Anlass zur Veranstaltung gegeben?

Fabian Bigger: Bei der Versammlung ist es um die mittel- und langfristige Perspektive gegangen. Wir stehen ja jetzt vor unserer vierten NLA-Saison. Der Vorstand leistet sehr viel. Und wir Spieler nehmen Jahr für Jahr einen grossen zeitlichen Aufwand für Training und Spiele auf uns. Nun, nach drei Jahren Kampf gegen den Abstieg, stellt sich die Frage nach der Motivation. Darum sollten wir den nächsten Schritt nach vorne wagen. Das wäre aber mit einem grossen finanziellen Aufwand verbunden.

Sie bräuchten Geld für ausländische Profis.
Das ist nur ein möglicher Grund. Primär geht es aber darum, dass der Vorstand Entlastung erhält, etwa durch eine Art professionelle Geschäftsstelle oder ein neues Gremium, das sich ausschliesslich um NLA-Belange kümmert. Gerade seit wir für die NLA-Equipe auf mehr ausländische Spieler angewiesen sind, ist der administrative Aufwand stark gewachsen. Nun geht es zunächst darum, Ideen zu sammeln, wie wir zusätzliche Mittel durch Sponsoren und Gönner generieren können.

Sie selbst haben in den acht Jahren im Klub einiges mitgemacht, sind aus der NLB ab und direkt wieder in diese aufgestiegen, zwei Jahre darauf in die NLA. Wohin soll der Weg für Züri Unterland denn noch führen?
Vom Meistertitel zu sprechen, wäre vermessen. Aber langfristig um die Plätze 3 bis 6 zu spielen, liegt für einen Verein mit unseren Werten und unseren Möglichkeiten drin. Schönenwerd, das zwei Jahre vor uns in die NLA aufgestiegen ist, vieles sehr richtig gemacht, eine ähnliche Klubphilosophie wie wir hat und letzte Saison im Playoff-Final gestanden ist, dient da als gutes Vorbild. Für uns muss in der neuen Saison die erstmalige Playoff-Qualifikation der nächste Schritt sein, nachdem wir in der vergangenen Spielzeit so knapp daran gescheitert waren.

Wie hat sich aus Ihrer Sicht denn der Charakter des Teams verändert?
Am Anfang habe ich hier als Junior in einem Team mit Gleichaltrigen gespielt, die in der vielen gemeinsamen Zeit in der Halle und daneben zu besten Kollegen geworden sind. Diese Geschlossenheit hat uns enorm weit gebracht; bös gesagt vielleicht sogar weiter, als das Potenzial der einzelnen Spieler es eigentlich hergegeben hätte. Mit der Zeit sind studien- oder berufsbedingt immer wieder Spieler gegangen und mussten ersetzt werden. Jetzt sind wir wahrscheinlich mehr eine professionelle Sport-Mannschaft als früher mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.

Und Ihre eigene Rolle?
Auf dem Feld bin ich zwar schon lange Stammspieler aber wenn ich ehrlich bin, liegt das vor allem daran, dass wir auf meiner Position selten Alternativen hatten (schmunzelt). Darüber hinaus bin ich für das Team sicher weniger als Punktegarant wichtig denn als Bindeglied. Ich kann die einzelnen Mitspieler gut einschätzen und ihnen Tipps geben oder aufmunternde Worte zu ihnen sagen, wenn es während des Spiels einmal nicht so läuft.

Auch abseits der Halle übernehmen Sie seit neustem Verantwortung: Jetzt sind Sie der Sportmanager des Vereins...
Eigentlich habe ich immer gesagt, dass ich erst nach dem Ende meiner Aktivzeit dem Verein und meinem Sport etwas zurückgeben möchte, indem ich solch ein Amt übernehme. Aber nachdem Bruno Miotto, der ursprünglich vom Basketball her gekommen ist, im Januar seinen Rücktritt angekündigt hatte und kein anderer Nachfolger in Sicht war, wollte ich den Verein nicht im Stich lassen. An der GV habe ich mich dann in Abwesenheit wählen lassen, weil ich zu dem Zeitpunkt noch in Schweden war.


Welches waren denn Ihre bisherigen Handlungen im neuen Amt?
Zu 90 Prozent hat die Arbeit bis jetzt darin bestanden, das NLA-Team für die neue Saison zusammenzustellen. Anfang Juni waren nur sechs Spieler fix im Kader. Für Georgij Nasibullin und für Spielertrainer Gilman Angel Cao Herrera mussten wir noch die nötigen Aufenthaltsbewilligungen verlängern. Dann ist unser Vorjahres-Topskorer Miroslav Tomasik nach Amriswil zurückgekehrt und Adrian Heidrich ausgefallen, weil er eine Schulterverletzung nun mit viel Physiotherapie und einer Pause endlich richtig in den Griff bekommen möchte. Da musste Ersatz her.

Haben Sie den mittlerweile gefunden?
Ja, genau heute (zückt lächelnd sein Smartphone hervor) haben wir alle nötigen Papiere und Bewilligungen für unseren spektakulärsten Transfer zusammen bekommen: den Kubaner Yusnaikel Argilagos. Er hat zur kubanischen Beach-Nationalmannschaft gehört und trainiert jetzt schon seit drei Wochen mit uns. Er ist gross, athletisch und sehr sprunggewaltig. An ihm als Aussenangreifer werden wir sicherlich viel Freude haben. Ausserdem wechselt der lettische, langjährige Volleyball-Profi Maksims Rostovcevs von Einsiedeln zu uns. Mit seiner Erfahrung als Diagonal- oder Aussenangreifer ist er eine grosse Verstärkung für uns.

Dann dürfte das Kader trotz der Abgänge in etwa gleich stark einzustufen sein wie in der vergangenen Saison?
Ich würde sagen, sogar noch besser. Zumal wir dieses Jahr bis jetzt von kurzfristigen Ausfällen verschont geblieben sind und niemand mit langwierigen Verletzungen in die Saison geht. Eine Prognose möchte ich trotzdem nicht wagen.

Warum?
Weil auch die Konkurrenz mächtig aufgerüstet hat. Einsiedeln etwa tritt neu mit drei Ausländern an, und Jona arbeitet als Aufsteiger auch sehr professionell und ambitioniert. Wir werden darum zu keinen einfachen Siegen mehr kommen. Die besten drei der Tabelle liegen normalerweise ausser Reichweite, aber hinter ihnen sind alle zusammengerückt. Von Platz 4 bis 10 ist darum alles möglich.
 

Das erste Heimspiel dieser Saison findet am 25. Oktober 2014 um 15:30 Uhr in der Sporthalle Ruebisbach statt. Alle Vereinsmitglieder sind herzlich eingeladen davor am Saisoneröffnungsapéro um 15:00 Uhr mit uns auf die neue Saison anzustossen. Lasst Euch das packende Spiel gegen den VBC Einsiedeln nicht entgehen. Wir freuen uns auf Euch! 

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