Freitag, 19. Dezember 2014, 15.10 Uhr

Unverhofft häufige Freudentänze

Sie können ihr Glück selbst kaum fassen: Züri Unterlands 1.-Liga-Volleyballerinnen Eva Krieger (von links), Alina Chicherio, Mirjam Fessler, Chabeli Hasler, Julia Holzer und Ladina Breuss nach dem 3:0-Heimsieg über Aadorf II. Die Unterländerinnen liegen nach zehn Saisonspielen auf dem 2. Platz. Foto: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss aus dem Zürcher Unterländer vom 18. Dezember 2014

Zehn Spiele, neun Siege, 24 Punkte und damit nur einen Zähler weniger als Leader Dynamo SeeWy, den sie zum Abschluss der Vorrunde in dessen eigener Halle 3:2 besiegt hatten die Zwischenbilanz der Frauen von Züri Unterland in der 1. Liga, Gruppe D, kann sich sehen lassen. Zumal zu Beginn der Saison noch herzlich wenig auf ein derart erfolgreiches Abschneiden hingedeutet hatte.

Im Zuge des Abstiegs nach nur einer Saison in der NLB hatten Leistungsträgerinnen, wie etwa Libera Thays Deprati und Aussenangreiferin Laura Breuss den Klub verlassen. Anja Licka und Marlen Brunner standen wegen Auslandaufenthalten für eine ganze respektive eine halbe Saison nicht mehr zur Verfügung. Und weil mit Nicole Hammer, Sarah Ghaliya, Sarah Künzle und Isabelle Stalder schliesslich gleich vier Spielerinnen sportlich kürzertreten und nur noch in der zweiten Mannschaft in der 2. Liga spielen wollten, standen die neuen Trainer Milco Bacchini und Kurt Brunner plötzlich nur noch mit acht 1.-Liga-erprobten Spielerinnen da.

«Eine gewisse Lockerheit»

Die ursprünglich beabsichtigte Einführung eines neuen Spielsystems ohne die im Hallen-Volleyball übliche fixe Rollenverteilung mussten die neuen Trainer daher mangels Spielerinnen notgedrungen noch verschieben zumal unmittelbar vor dem dritten Saisonspiel in Einsiedeln Elena Hake, die als zweite Zuspielerin vorgesehen war, einen Bänderriss erlitt und für unbestimmte Zeit ausfiel. Captain Mirjam Fessler, ihres Zeichens langjährige Diagonalangreiferin, übernahm kurzerhand die alleinige Verantwortung für das Passspiel und machte ihre Sache gut. «Am liebsten greife ich natürlich an», sagt die 28-Jährige dazu, «aber als Passeurin zu spielen, ist auch einmal sehr interessant, das habe ich davor ja noch nie gemacht.» Fessler, die in ihren sechs Jahren im Klub schon manche Höhen und Tiefen erlebt hat, zeigt sich vom Erfolg ihres Teams angesichts der schwierigen Umstände selbst überrascht. Und versucht, ihn zu erklären: «Wenn wir nur zu siebt (mit sechs Spielerinnen plus Libera, die Red.) antreten, weiss jede Einzelne, dass sie von Anfang an ihre beste Leistung abrufen muss», sagt sie. «Andererseits gibt uns das aber auch eine gewisse Lockerheit. Gerade, weil wir wissen, wie schwierig es eigentlich zu siebt ist, können wir eigentlich nur gewinnen.»

Als weiteres Stück im derzeitigen Erfolgs-Puzzle ihres Teams fügt Fessler eine vergleichsweise einfache Sport-Erklärung hinzu: «Wir haben die ersten Spiele gewonnen und sind dadurch in eine Positivspirale geraten.» Ob diese das Team gar direkt zurück in die NLB befördern wird? «Mit einem Kader von sechseinhalb Spielerinnen wäre das doch vermessen», sagt der Captain des aktuellen Tabellenzweiten.

Dennoch: Wenn die Unterländerinnen diesen Platz auch am Saisonende noch einnehmen, stehen sie unvermittelt in den Playoffs um den Aufstieg. Frauen-Hallen-Cheftrainer Milco Bacchini will indes von einer sofortigen Rückkehr in die zweithöchste Liga noch nichts wissen. «Wir brauchen noch einiges an Stabilität, um wirklich ein NLB-Team zu werden», meint er. Und fügt an: «Man darf das Bisherige nicht überbewerten, zum Teil haben die Gegnerinnen ihr Potenzial nicht voll abgerufen.» Dass es «mit solch einem kleinen Team, mit neuen Spielerinnen und ungelernten Passeurinnen so gut läuft, freut mich aber sehr», räumt er ein. Zumal die neuen Ideen mit dem flexiblen Spielsystem und den Allroundtrainings zu Beginn auch Ängste ausgelöst hätten.

Starke Aushilfen

Von seinen und Kurt Brunners Vorstellungen zeigt sich Trainer Milco Bacchini nach wie vor überzeugt, auch wenn ihr Team vorderhand mit einem nahezu klassischen System agiert. Und Captain Mirjam Fessler erwähnt, dass sich einige Spielerinnen dank der Allroundtrainings technisch verbessert hätten, dass beispielsweise die Mittelblockerinnen nun präzisere Pässe spielten. Aus ihrer Sicht trägt ausserdem die teaminterne Geschlossenheit wesentlich zum Erfolg bei: «Durch die schwierige Situation sind wir als Team gewachsen.»

Auch wenn Aushilfs-Spielerinnen wie etwa Leonie Güttinger, Romana Kayser oder gar Daniela Beck-Schlanke aus Züri Unterlands zweitem Frauen-Team zum zum Teil einmaligen Einsatz kämen, funktioniere die Equipe, sagt Fessler. Das zeigte sich auch und gerade im Spitzenspiel beim Leader Dynamo SeeWy, als plötzlich die langjährige Passeurin Ladina Breuss zu ihrem ersten (von insgesamt drei) Einsätzen auflief, und die Equipe nicht zuletzt dank ihrer Zuspiele 3:2 obsiegte. Die starken Ersatzspielerinnen, welche das Team im Bedarfsfall komplettieren, bilden denn auch einen weiteren Erfolgsfaktor.

Im Gegensatz zu Breuss, die Anfang 2015 auf Reisen gehen wird, ist der langjährige Trainer Andreas Maurer dauerhaft zum Unterland-Team zurückgekehrt. «Das ist für mich ein wichtiger Grund für den Erfolg», sagt Bacchini, «dass wir mittlerweile drei Trainer sind, von denen die Spielerinnen profitieren können.» Maurer und Kurt Brunner wechseln einander als zweiter Coach neben Bacchini während der Partien ab und unterstützen oder vertreten den Hallen-Chefcoach in den Trainings.

Noch bleibt viel zu tun

All das soll die Unterland-Spielerinnen längerfristig auf NLB-Niveau führen. Namentlich die Stabilität in der Annahme, die Konstanz und Entschlossenheit im Angriff sowie die Abstimmung in der Verteidigung gelte es zu verbessern, mahnt Milco Bacchini. Als Ziel für die aktuelle Saison gibt der Trainer daher allen Erfolgen zum Trotzeinen Platz unter den ersten vier an.

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