Dienstag, 23. Dezember 2014, 11.10 Uhr

Auf emotionaler Achterbahnfahrt

Züri Unterlands Neu-Libero Thomas Schatzmann entschärft einen der wuchtigen Aufschläge von Lutry-Lavaux. Captain Manuel Gahr beobachtet die Annahme aufmerksam im Hintergrund. Foto: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 23. Dezember 2014.

In der Männer-NLA muss Züri Unterland das Saisonziel, den Einzug in die Finalrunde der besten sechs, wohl aufgeben. Immerhin feierte das Schlusslicht nach dem 2:3 gegen Lutry-Lavaux mit dem 3:2 in Einsiedeln endlich den zweiten Saisonsieg.

Acht Punkte beträgt Züri Unter­lands Rückstand auf den 6. Rang. Jenen letzten Platz in der begehr­ten Finalrunde nimmt über­ raschenderweise der Aufsteiger Jona ein. Bei noch sieben ausste­hen Qualifikationsrunden scheint der Rückstand rechnerisch zwar aufholbar, doch da die Unterlän­der nur noch zweimal auf Teams aus der hinteren Tabellenhälfte treffen und die Kluft zu den Pro­fi-­Equipen der Top 5 doch be­trächtlich scheint, dürfte es auch in ihrer vierten NLA-­Saison nichts werden mit dem erstmali­gen Finalrunden­-Einzug. Nur das Maximum von sechs Punkten aus den beiden vorweihnachtlichen Duellen mit den direkten Kon­kurrenten Lutry-­Lavaux und Ein siedeln hätte die Finalrunden­-Hoffnungen der Unterländer wie­der genährt. Doch statt zwei 3:0­- oder 3:1­-Siegen kassierten sie eine 2:3-­Niederlage gegen Lutry­-Lavaux und holten einen 3:2­-Erfolg in Einsiedeln. Damit holten sie drei Punkte statt deren sechs – zu wenig auch, um die rote Later ne des Tabellenletzten an Einsie­den zu übergeben.

Dennoch: Den Sieg in der In­nerschweiz feierten sie, «als ob sie soeben Meister geworden wä­ren», wie Captain Manuel Gahr sagte. «Nach den vielen knappen Niederlagen war die Erleichte­rung riesengross.» Zu Recht: Denn, wer am Abend zuvor in der Klotener Ruebisbachhalle mit­erlebt hatte, wie die Gastgeber einmal mehr einen durchaus möglichen Sieg aus der Hand ga­ben, der musste sich allen Ernstes fragen, ob das Team noch über das nötige Nervenkostüm verfügt, um in der höchsten Schweizer Volley­ballliga der Männer noch eine Partie gewinnen zu können.

Höhen und Tiefen im Spiel

Denn, wie schon eine Woche zu­vor im Heimspiel gegen den Neuling Jona, als Züri Unterland gar eine 2:0-­Satzführung nicht zum Sieg reichte, liessen die Unterlän­der auch gegen Lutry­-Lavaux eine gute Gelegenheit zu einem Drei­punktesieg aus. Dabei zeigten sich die Gäste im ersten Satz vor allem in Sachen Aufschlag­/Annahme noch überaus indisponiert. Doch statt alles daran zu setzen, die Schwäche der Romands gleich im zweiten Satz weiter auszunutzen, liessen sich die Unterländer durch die nun grössere Gegen­wehr Lutrys völlig aus dem Kon­zept bringen und verloren sang­ und klanglos 12:25. Im dritten Satz zeigten die Gastgeber dafür seinen kubanischen Landsmann Yusnaikel Argilagos – oder setzte die Aussenangreifer in Szene.

Unter ihnen sorgte der Ukrai­ner Georgiy Nasibullin, der zu­ dem sehr druckvoll servierte, für die spektakulären Punkte, wäh­rend Captain Manuel Gahr mit grosser Sicherheit und Präzision genau dann punktete, wenn es am frühen Samstagabend ihr Sonntagsgesicht. Die gegneri­ schen Aufschläge nahmen sie, an­geführt vom starken Neu­-Libero Thomas Schatzmann, so solide ab, dass Spielertrainer Gilman Angel Cao Herrera als Passeur alle Re­gister ziehen konnte. So spielte er einmal den angriffsstarken Mit­telblocker David Schlatter an, mal eng wurde. Kurzum: Die Unter­länder agierten wie aus einem Guss, gewannen den dritten Satz 25:19 und führten nun 2:1. Doch im vierten Satz schien all das ver­gessen. Einmal in Rückstand, agierte das Heimteam kollektiv fehlerhaft. Die Unterländer lies­ sen schnell abreissen und verlo­ ren 14:25. Im entscheidenden fünften Satz schliesslich lagen beide Teams lange gleichauf, Züri Unterland führte 9:8 – holte da­ nach aber nur noch zwei Punkte.

Der zufriedene Rückkehrer

«Wenn wir vorne liegen, ist alles gut, kaum geraten wir aber in Rückstand, werden alle wieder unsicher», schilderte der Routi­nier und Libero Thomas Schatz­mann. Erklären könne er das auch nicht. «Aus irgendeinem Grund mangelt es uns an der nötigen Entschlossenheit, am Glauben, dass wir solch enge Spiele gewin­nen können – und an der Clever­ness in den entscheidenden Mo­menten.» Oft fehle nur wenig zum Erfolg. «Ich bin mir sicher, dass wir es einfach einmal erleben müssen, wie wir unser Spiel durchziehen – und es von da an klappt.» Das allgemeine Niveau in der NLA sei zwar höher als noch vor zwei Jahren, «aber wir sind si­cher mit den unteren fünf Teams auf Augenhöhe, nur konnten wir unser Spiel so oft nicht abschlies­sen», bedauerte Schatzmann.

Nach einer längeren Reise und einer Saison mit dem Erstligisten Smash Winterthur kehrte der 27­-Jährige auf die aktuelle Spiel­zeit an den Ruebisbach zurück, wo er seit 2004 drei Aufstiege und einen Abstieg erlebt hatte. Die Aussicht, erneut derlei Höhen und Tiefen durchlaufen zu kön­nen, zog ihn neben der Verbun­denheit mit Klub und Mitspielern wieder ins Unterland. «Die Saison in Winterthur hat Spass gemacht, auch dank des tollen Teams. Aber in der NLA bin ich viel stärker ge­fordert, an die Grenzen zu gehen, da ist jedes Spiel eine emotionale Achterbahnfahrt.» Zudem habe ihn der Wechsel auf die Libero­ Position sportlich gereizt. Selbst anzugreifen, vermisse er nicht.

In der letzten Partie des Jahres kam Schatzmann erneut in den Genuss einer rasanten Berg­- und­ Tal­fahrt. Und noch besser: Dies­ mal hatten er und seine Mitspie­ ler das bessere Ende für sich. In Einsiedeln lagen sie 0:2 nach Sät­zen hinten, ehe sie ihre Taktik an­passten und nach zweieinhalb Stunden endlich wieder als Sieger vom Feld gingen.

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