Donnerstag, 15. Januar 2015, 12.05 Uhr

Züri Unterland tritt ab

Thomas Schatzmann, Georgiy Nasibullin, Manuel Gahr, Gilman Angel Cao Herrera, Fabian Bigger verlassen Ende Saison geschlossen die höchste Schweizer Volleyball-Bühne. Bild: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 15. Januar 2015.

Mit sechs Punkten aus 13 Partien nimmt Züri Unterlands Männer-Fanionteam derzeit den 10. und letzten Platz der NLA-Tabelle ein. Die Chancen, in der anschliessenden Abstiegsrunde oder in der Auf-/Abstiegsrunde gegen die NLB-Erstplatzierten den Ligaerhalt zu schaffen, scheinen angesichts der spielerischen Klasse durchaus intakt. Doch ob die Männer um Spielertrainer Gilman Angel Cao Herrera in der laufenden Saison, die sie ordentlich zu Ende spielen werden, die sportlichen Anforderungen erfüllen oder nicht – in der kommenden Spielzeit werden sie sich nicht mehr mit den Besten im Lande messen.

«Wir werden in den nächsten Tagen dem Verband Swiss Volley mitteilen, dass wir für die kommende Saison keine NLA-Lizenz mehr beantragen», verrät Züri Unterlands Klubpräsident Vasi Koutsogiannakis, «unsere Mitglieder haben wir darüber auch schon informiert.» Schliesslich waren sie, die rund 450 Mitglieder des grössten Volleyballvereins des Kantons Zürich, massgeblich an der Entscheidfindung beteiligt. «Vor allem aufgrund der sehr hohen finanziellen Belastung, aber auch, weil der organisatorische Aufwand für einen NLA-Betrieb aufgrund von Vorgaben des Verbandes ständig steigt, ist für uns ein Verbleib in der NLA kaum mehr zu bewältigen», führt Koutsogiannakis aus. Vor der Saison luden er und seine Vorstandskolleginnen und -kollegen die Mitglieder daher zu einer Informationsveranstaltung, in der es auch darum ging, für die NLA-Belange ein eigenes Gremium zu bilden. «Damals sind nur eine Handvoll Leute gekommen», berichtet Koutsogiannakis.

Daraufhin initiierten die Klub-Verantwortlichen eine Mitgliederbefragung – mit einigem Rücklauf und eindeutigen Antworten. «Der Tenor hat klar gelautet, dass die meisten es zwar toll fänden, Spitzen-Volleyball anzuschauen – aber ein grösserer Aufwand in Form von regelmässiger Arbeit in einem NLA-Gremium oder von höheren Klubbeiträgen sei kaum vorstellbar, auch wenn das in der Konsequenz den Abstieg nach sich zöge.» Diese Rückmeldungen hätten, eines klar signalisiert, meint Koutsogiannakis: «Das Interesse an der NLA ist bei unseren Mitgliedern nicht gross genug, um sich zusätzlich zu engagieren – und da wir dazu da sind, ihre Interessen zu vertreten, haben wir uns entschlossen, nächstes Jahr nicht mehr in der NLA zu spielen.»

Höhere Kosten

Ein Grund für das begrenzte Engagement von Züri Unterlands Klubmitgliedern dürfte in der veränderten Zusammensetzung des NLA-Teams liegen. Einige der Spieler, die Vasi Koutsogiannakis einst als Trainer gemeinsam mit Ernst Rüdisüli von der 1. Liga bis in die NLA geführt hatten, haben aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen den Verein verlassen. So sahen sich der Präsident und seine Vorstandskollegen gezwungen, auch ausländische Spieler zu verpflichten. Ohne sie hätten die Unterländer schon für die laufende Saison kein Team von NLA-Format zusammenstellen können. «Doch wenn im Fanionteam zu viele Auswärtige stehen, schwindet die Identifikation unserer Mitglieder», erklärt der Klotener, «gleichzeitig steigen die Kosten. Und wenn ein erheblicher Teil des Klubbudgets für das NLA-Team verwendet wird oder wir, wie in dieser Saison, ein Minus budgetieren müssen, kann das auf Dauer nicht gut gehen.» Der auf die kommende Generalversammlung hin scheidende Präsident stellt klar, dass der budgetierte – aber noch nicht realisierte – Fehlbetrag problemlos mit den Rücklagen in der Kasse gedeckt werde. «Aber wir ziehen jetzt die Bremse, weit bevor wir Schulden machen.»

Koutsogiannakis nennt einen weiteren Grund: «Das Konzept, via unsere Beachvolleyball-Abteilung Top-Spieler für das NLA-Hallenteam zu gewinnen, geht so nicht mehr ganz auf.» Beispiel Adrian Heidrich: Der Klotener, der in der vergangenen Saison als Diagonalangreifer für spektakuläre Punkte gesorgt hatte, bekam als Mitglied des Beachvolleyball-Junioren-Nationalkaders von den Verbands-Verantwortlichen signalisiert, im Hallen-Volleyball kürzerzutreten. Dies, um seine Schulterbeschwerden auszukurieren und seine Beachvolleyball-Karriere nicht zu gefährden. «Wegen der hohen körperlichen Belastung ist es schwierig, beides auf Top-Niveau auszuüben», sagt Koutsogiannakis.

Arbeit am Neuaufbau

Als ehemaligen Trainer des sportlichen Aushängeschilds des Vereins erfülle ihn der Rückzug mit Wehmut, räumt Vasi Koutsogiannakis ein. «Aber es ist ein Vernunftsentscheid.» Auch die Betroffenen selbst, die Spieler, äussern Verständnis. «Als Leistungssportler stimmt es mich natürlich traurig», sagt etwa der langjährige Mittelblocker Fabian Bigger, «aber wenn ich mich in die Situation eines einfachen Klubmitglieds versetze, begreife ich jeden, der sich aus beruflichen oder familiären Gründen nicht noch mehr engagieren kann.» Auf die sportliche Leistung oder die Stimmung im Team habe sich die Unsicherheit über die Zukunft kaum ausgewirkt. «Einige von uns waren an der Infoveranstaltung dabei, darum hat es uns auch nicht schockiert, als der Vorstand den Rückzugs-Entscheid mitgeteilt hat.» Der Kreis der langjährigen Spieler sei mittlerweile klein. Und die Neuen, die vor der Saison gekommen waren, hätten ohnehin nicht mit einem längerfristigen Engagement rechnen können.

Dass nun mitten in der Saison der Abstieg am grünen Tisch feststeht, begrüsst Bigger. «Jetzt wissen alle, woran wir sind, und können ohne Druck aufspielen. Wir wollen die Abstiegsrunde auf dem 2. Platz beenden, sodass wir auf sportlichem Weg den Ligaerhalt schaffen würden.» Auch neben dem Feld ist Bigger gefordert: In seiner neuen Funktion als Sportmanager geht es für ihn nun darum, ein Team zusammenzustellen, das in der kommenden Saison in der NLB spielt.

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