Mittwoch, 11. März 2015, 09.45 Uhr

Spektakuläre Derniere

Enorme Flughöhe: Züri Unterlands Topskorer Yusnaikel Argilagos kommt einige Zentimeter über den Joner Blockspielern Zandbergen (links) und Jonas Stadelmann zum Angriffsschlag. Fabian Bigger (Nummer 14) und Passeur Michael Suter sind bereit für den Soutien. Bild: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 12. März 2015

Mit der 1:3-Heimniederlage gegen den starken Aufsteiger Jona ging vorgestern Dienstagabend nach fast zwei Stunden Spielzeit am Klotener Ruebisbach eine vierjährige Glanzzeit zu Ende. Rund 100 Zuschauerinnen und Zuschauer wollten darum noch einmal sehen, wie pfeilschnelle Sprungaufschläge übers Netz fliegen und Versuche, sie anzunehmen, bisweilen in den Höhen der Hallendecke enden. Wie Angreifer beider Teams mit voller Wucht auf die Bälle dreschen oder mit feinen Finten versuchen, den gegnerischen Block zu überwinden. Und wie Verteidiger mit letztem Einsatz hechtend durch die Luft fliegen, um den Ball im Spiel zu halten. All das bekamen die treuen Fans in dieser Qualität zum vorläufig letzten Mal zu sehen nach vier NLA-Jahren wird die Ruebisbachhalle in der kommenden Saison nicht mehr als Bühne für Volleyball-Spektakel auf höchster nationaler Ebene dienen.

Ehemalige fiebern mit

«Auf die im Reglement vorgesehene Auf-/Abstiegsrunde gegen die besten und aufstiegswilligen NLB-Mannschaften verzichtet Züri Unterland, da der Klub keinen Antrag auf eine NLA-Lizenz für die kommende Saison eingereicht hat (Ausgabe vom 15. Januar). Daher kam es rund um das letzte Heimspiel der NLA-Playout-Runde schon zum grossen Abschiednehmen. Mittelblocker und Teammanager Fabian Bigger hielt vor Spielbeginn eine kurze Ansprache. Und nach der Partie ergriff ein sichtlich bewegt wirkender Klubpräsident Vasi Koutsogiannakis das Mikrofon, bedankte sich bei Spielern und Stab und bat ehemalige Klubgrössen, die einst zu den Aufstiegen in die NLB und NLA beigetragen hatten, aufs Feld.

Davor hatten die ehemaligen Unterland-Spieler miterlebt, wie ihre Nachfolger wie so oft in dieser Saison phasenweise aus einem Guss spielten, um jeden Ball kämpften und Rückstände wettmachten am Ende aber auch hohe Vorsprünge nur einmal zum Satzgewinn nutzen konnten. «Wer heute zum ersten Mal in der Halle war, hat eine gute Zusammenfassung der gesamten Saison bekommen», kommentierte Manuel Gahr lakonisch.

Der Captain wird in der kommenden Spielzeit wegen eines Auslandsemesters in Singapur nicht für Züri Unterland angreifen. Danach könne er sich aber eine Rückkehr gut vorstellen, fügte der 22-jährige Liechtensteiner an.

Immerhin dürften die Unterländer auch in der kommenden Saison der Nationalliga angehören. «Wir haben einen Antrag auf eine NLB-Lizenz eingereicht», verriet Teammanager Fabian Bigger. Der Mittelblocker selbst werde wie sein Nebenmann David Schlatter und Libero Thomas Schatzmann auch 2015/16 dem Team treu bleiben, kündigte er an. Zu diesen dreien könnten sich jene ambitionierten, vereinseigenen Junioren gesellen, die sich schon in dieser Saison ans Fanionteam herangetastet haben und zuletzt auch zum Einsatz kamen.

Planungen für die NLB

Dazu werden «am Ruebisbach bereits bekannte Gesichter» ins Volleyball-Unterland zurückkehren, deutete Bigger vielsagend an. Der Verbleib der meisten aktuellen Spieler sei derzeit noch offen.

Dafür sind sich die Klubverantwortlichen und Trainer Gilman Angel Cao Herrera einig geworden, ihre Zusammenarbeit fortzusetzen. Vorausgesetzt, seine Aufenthaltsgenehmigung wird verlängert, wird der kubanisch-argentinische Doppelbürger auch in der NLB Züri Unterland trainieren. «Es ist zwar nicht das gleiche Niveau, aber ich fühle mich weiterhin wohl in diesem familiären Klub», führte der 42-Jährige aus, «die Spieler sind gute Typen und haben in dieser schwierigen Saison grossen Charakter gezeigt. Sie haben immer alles gegeben, obwohl am Ende das sportliche Ziel gefehlt hat.»

Definitiv nicht mehr zu Züri Unterlands Kader gehören wird neben Passeur Michael Suter indes Cao Herreras kubanischer Landsmann Yusnaikel Argilagos. Der 2,01 Meter gross gewachsene Angreifer demonstrierte gegen Jona sein Können.

Schlusslicht mit Liga-Topskorer

Mehrmals punktete der ehemalige Beachvolleyball-Nationalspieler seines Landes direkt mit den Aufschlägen und zeigte sich auch im Block sowie in der Feldabwehr hellwach. Zudem trug er mit seinen harten Angriffsschlägen seinen Teil dazu bei, dass Züri Unterland Jona alles abverlangte. Der 30-Jährige bedauerte, dass es einmal mehr nicht zum möglichen Sieg reichte, weil «wir in den entscheidenden Phasen nicht unser bestes Volleyball spielen und unerklärliche technische Fehler begehen».

Er fuhr fort: «Ich bin überhaupt traurig darüber, dass wir in dieser Runde unsere Leistung nicht zu 100 Prozent erreicht haben.» Der Profi betonte, sich im Team wohl zu fühlen und ohne den NLA-Rückzug auch gerne bei Züri Unterland geblieben wäre. Immerhin stimmt seine individuelle sportliche Bilanz: Nach gewissen Anlaufschwierigkeiten führt Argilagos mittlerweile zwei Runden vor Saisonschluss die Wertung zum NLA-Topskorer mit grossem Vorsprung an. Sie zu gewinnen, bleibt sein letztes Ziel mit dem Tabellenletzten Züri Unterland.

Auch ein paar ehemalige Herren 1-Spieler fieberten auf der Tribüne mit
Präsident Vassilios Koutsogiannakis bedankt sich bei unserem Herren 1 Trainer Gilman Angel Cao Herrera – er hat mit dem Team in den letzten zwei Jahren grossartige Arbeit geleistet.
Ein grosses Dankeschön gebührt auch Stefanie Stalder (Assistenztrainerin, rechts), Nina Hake (Physio, links) und Luca Wachter (Statistik, nicht auf dem Bild) für ihren unermüdlichen Einsatz für unser Herren 1!
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