Donnerstag, 15. Oktober 2015, 17.15 Uhr

Habe als erster zugesagt

Interview von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 15. Oktober 2015

Erst in den letzten Tagen vor dem Auftakt zur NLB-Saison am Samstag um 14.30 Uhr in der Klotener Ruebisbachhalle gegen Laufenburg hat Fabian Bigger Züri Unterlands Männer-Fanionteam endgültig beisammen. Entspannt lächelnd antwortet der 27-jährige Masters-Student in Wirtschaftsrecht auf die Frage, ob ihm die Besetzung einer Position noch Sorgen bereite: «Seit heute nicht mehr.» Der polnische Neuzuzug Krzystof Blaçhut soll den Diagonalangriff übernehmen. Im Interview gibt Bigger Weiteres preis.

Fabian Bigger, was war die grössere Aufgabe für Sie im bewegten ersten Jahr als Sportmanager: den freiwilligen Rückzug in die NLB mit zu beschliessen oder neue Spieler für die tiefere Liga zu finden?

Fabian Bigger: Emotional gesehen ist uns Verantwortlichen des Vereins der Rückzug aus der NLA natürlich nicht ganz einfach gefallen. Trotzdem war es aus Sicht des Verstands unter den gegebenen Umständen ziemlich die logische Entscheidung. Auch als Spieler hätte ich wahrscheinlich nicht noch eine Saison in der NLA mitgemacht. Immer nur gegen den Abstieg zu spielen, ist auf Dauer keine sportliche Herausforderung. Das neue Kader zusammenzustellen, war daher definitiv die schwierigere Aufgabe.

Warum?

Wenn man auf einen Stamm von acht, neun Spielern bauen kann, fällt es relativ leicht, drei vier Positionen neu zu besetzen. Bei uns war es aber genau anders herum: Ich hatte, mich eingerechnet, nur drei definitive Zusagen. Das hat die Gespräche mit möglichen Spielern nicht eben einfacher gemacht. Lange Zeit hat es wirklich nicht gut ausgesehen.

Haben Sie denn auch einen kritischen Punkt erlebt, an dem die Zukunft des Teams am seidenen Faden gehangen ist?

Ja, vor dem Probetraining im Mai war es wirklich eng. Damals haben wir uns gesagt, dass wir das Team zurückziehen, wenn sich an diesem Anlass nichts ergeben würde. Zum Glück haben dann aber vier Spieler zugesagt.

Warum hat es am Ende doch geklappt? 

Es war wichtig, dass wir den Vertrag mit unserem Spielertrainer Gilman Angel Cao Herrera frühzeitig verlängern konnten. Ohne Trainer hätten wir kaum Spieler gefunden. Und er hat auch neue Leute angelockt.

Etwa den neuen, NLA-erfahrenen Passeur Fabian Perler?

Ja, genau. Er hat früher mit Cao Herrera gemeinsam in Amriswil gespielt und nach seinem Umzug in die Region darum mit uns Kontakt aufgenommen.

Wie wichtig waren die Zusagen von David Schlatter und Raphael Licka, die ja erst vor einem Jahr zu Züri Unterland gestossen waren?

Enorm wichtig. Mit ihnen haben wir einige Spieler mit Erfahrung auf höherem Niveau im Team.

Was trauen Sie der neu formierten Equipe in der NLB zu?

Das ist sehr schwierig zu sagen. Vom Potenzial her können wir an einem guten Tag alle Gegner in dieser Liga schlagen. Wenn es nicht läuft, sind aber auch klare Niederlagen denkbar. Ich schätze, dass es ein ausgeprägtes Auf und Ab geben wird. Auch weil wir jetzt sehr viele junge Spieler haben und selten mehr als zwei Leute auf dem Feld stehen, die schon einmal zusammen gespielt haben.

Sie selbst sind nun mit Abstand der dienstälteste Spieler im Unterland-Team, haben Auf- und Abstiege miterlebt. Woher nehmen Sie die Motivation zum Weitermachen?

Ich habe als Erster für die neue Saison zugesagt in der Hoffnung, danach langjährige Mitspieler zum Bleiben und Ehemalige zur Rückkehr bewegen zu können. Auch wenn nichts daraus geworden ist, noch einmal mit den alten Kollegen zusammen zu spielen, freue ich mich nun auf die neue Herausforderung. Mitzuhelfen, die jungen Mitspieler, von denen viele noch nie auf dieser Stufe gespielt haben, an das NLB-Niveau heranzuführen, ist auch reizvoll. Mit dem Thema Rücktritt beschäftige ich mich aber nur schon wegen meines Alters und meiner Position.

Der Mittelblock gilt nicht eben als beliebt.

Andererseits habe ich es deswegen erst zum NLA-Stammspieler gebracht: Die Konkurrenz ist nicht so gross. Auf Dauer sind auf dieser Position die Belastungen für Knie und Hüfte wegen des ständigen Seitwärtsverschiebens und Springens heikel. Ich bin aber bis jetzt zum Glück von schlimmeren Verletzungen verschont geblieben. Dank meiner fehlenden Sprungkraft komme ich weniger hoch als andere und kann so die Belastung unter Kontrolle halten. (lacht)

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