Mittwoch, 21. Oktober 2015, 10.35 Uhr

Moral stimmt, Abstimmung fehlt noch

Raphael Licka übernimmt als Captain und im Aussenangriff Verantwortung!

«Die Mannschaft hat ein grosses Potenzial und heute kein schlechtes Spiel gezeigt», sagte Züri Unterlands Trainer Gilman Angel Cao Herrera, «aber wir müssen noch hart arbeiten, arbeiten, arbeiten.» Wie um die Wichtigkeit seiner Worte zu unterstreichen, wechselte der kubanisch- argentinische Doppelbürger ins Deutsche: «Es braucht Geduld und Arbeit.» Auf die Nachfrage, wo genau in den kommenden Trainingswochen der Hebel anzusetzen sei, antwortet der stämmige 1,98-Mann mit einem sanften Lächeln: «An allem.»

Dabei hatte sich seine Mannschaft durchaus achtbar geschlagen. Gegen den Vorjahreszweiten der NLB-Aufstiegsrunde, der ein Jahr vor den Unterländern aus der obersten Schweizer Volleyball-Etage wieder in die zweite abgestiegen war, begannen die Gastgeber zwar übernervös. Mit der Aufschlagannahme hatten sie zu Beginn der Partie arge Probleme, die sie bis zum Ende nie gänzlich lösen sollten. So waren dem neuen Unterland-Passeur Fabian Perler, der ein durchwegs überzeugendes Debüt gab, im Spielaufbau oft die Hände gebunden. Dazu kamen zunächst auffallend viele unerzwungene Fehler sowie Angriffsbälle, die auch dann im gegnerischen Block landeten, wenn Perler zu mustergültigen Pässen gekommen war.

Blaçhut deutet Potenzial an

So verkrampft und verunsichert wirkten die Gastgeber zu Beginn, so bruchstückhaft blieb ihr Zusammenspiel, dass vieles auf einen Durchmarsch der keineswegs überragenden, jedoch deutlich stabileren Fricktaler hindeutete. Doch mit der Einwechslung des Neuzuzugs Stefan Sommers und einer Serviceserie des Aussenangreifers fanden die Unterländer den Anschluss. Sie wachten auf und stemmten sich von nun an mit Macht gegen die Niederlage. Zum Gewinn des ersten Satzes reichte es trotzdem nicht mehr (20:25).

Nach dem Seitenwechsel waren die Gastgeber aber von Anfang an da. Zwar fehlte es auch jetzt in manchen Situationen noch an der nötigen Abstimmung in Abwehr- und Angriffsspiel und kam es zu Missverständnissen. Doch mit beherztem Einsatz um jeden Ball – und dank starker Individualisten – liessen sich die Mängel so erfolgreich wettmachen, dass mit dem 25:22-Satzgewinn der Ausgleich gelang. Allen voran der polnische Last-Minute-Neuzugang Krzystof Blaçhut drehte im Diagonalangriff auf, punktete mit wuchtigen Smashes und setzte die Gäste mit seinen Aufschlägen unter Druck. Neben ihm sowie dem ehemaligen Amriswiler NLA-Passeur Fabian Perler erwiesen sich die einzigen drei aus dem Vorjahresteam verbliebenen Akteure als Aktivposten: die beiden Mittelblocker Fabian Bigger und David Schlatter sowie Aussenangreifer Raphael Licka. Licka, zum Captain gewählt und aufgrund der NLA-Erfahrung zum Leader bestimmt, bekam im Angriff auffallend mehr Bälle zugestellt als bis anhin. «Ich bekomme gerne viele Bälle zugespielt – wenn es läuft, am liebsten jeden.» Die veränderte Rolle behage ihm. «Wir erfahrenen Kräfte müssen mithelfen, die vielen Neuen, die zum Teil noch sehr jung sind und noch nie auf dieser Stufe gespielt haben, ans NLB-Niveau heranzuführen», sagte Licka, «das ist eine schöne Aufgabe. Auf dem Feld aber spüre ich deswegen nicht mehr Druck als vorher. Ich will immer mein Bestes geben und etwas reissen – ob ich neben fünf ausländischen

Eine Verantwortung, die der 22-Jährige freudig übernahm: Profis spiele oder neben fünf Anfängern.» Erst vor einem Jahr aus Jona zu den Unterländern gewechselt, blieb Licka dem Team auch nach dem Abstieg in die NLB treu. Das erklärte er damit, dass er sich in Team und Verein wohlfühle und dass sich der verringerte Aufwand für Training und Reisen zu den Auswärtsspielen ohnehin besser mit der schulischen Ausbildung vereinbaren lasse. Seine eigene Leistung bewertete der neue Captain kritisch: «Da gibt es noch viel Luft nach oben. Dass ich drei Bälle hintereinander in den gegnerischen Block schlage oder drei Servicefehler in Serie produziere, darf eigentlich nicht passieren.» Freilich gab Licka einen guten Grund für derlei Schwankungen an: Erst zwei Tage vor dem Auftaktmatch war er aus den dreiwöchigen Ferien in Brasilien zurückgekehrt und habe seit dem erst einmal mit dem Team trainiert.

Zu viele Fehler im Spiel

Da Raphael Licka nicht als Einziger Teile der Saisonvorbereitung verpasst hat, erscheinen die Mängel in der Abstimmung und die Eigenfehler im Unterländer Spiel nicht weiter verwunderlich. In der Summe führte all dies zum 20:25-Verlust des dritten Satzes, zum 22:25 im vierten Durchgang und somit zum 1:3 in der Gesamt- abrechnung. Doch die Art und Weise, wie sich die Equipe bis zum Schluss wehrte, wie bisherige und neue Spieler einander aufmunterten, gibt aus Züri-Unterland-Sicht Hoffnung. Mittels konzentrierter Arbeit an Abstimmung und Zusammenspiel könnte sich das Team noch zu einem schwer zu besiegenden Gegner in der NLB entwickeln.

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