Donnerstag, 10. Dezember 2015, 20.25 Uhr

Zum ersten Mal auf der anderen Netzseite

Fabian Perler (6) nimmt eine Schlüsselrolle ein im neu geformten NLB-Team der Unterländer.

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom Donnerstag, 10. Dezember 2015.

Fabian Perler hat im NLA-Spitzenklub Amriswil seinen Sport erlernt, Titel gewonnen und im Europacup gespielt. Am Sonntag wird der Ex-Nationalspieler um 15.30 Uhr in der Klotener Ruebisbachhalle im Cup-Achtelfinal als neuer Passeur Züri Unterlands Regie führen – gegen Amriswil.

«Als wir von der Auslosung erfahren haben, habe ich mich schon gefreut», verrät Fabian Perler, «gegen Amriswil sind wir sicher besonders motiviert, noch mehr als gegen einen anderen NLA-Klub.» Beim Interviewtermin in einem Zürcher Café etwas über eine Woche vor dem Aufeinandertreffen seines neuen Teams Züri Unterland mit Amriswil, jenem Klub, in dem er als Zwölfjähriger das Volleyballspielen erlernt und dem er 16 Jahre lang treu geblieben ist, klingen Perlers Worte ruhig und wohl bedacht. Von feurigen Emotionen eines Herausforderers, der einem Cupduell mit einem übermächtigen Gegner, einem der Top- teams im Land entgegenfiebert, ist wenig zu spüren. «Bis jetzt ist der Match bei uns noch kein Thema gewesen», erklärt er, «weil uns der Trainer immer nur von Spiel zu Spiel vorbereitet. Ausserdem sind wir noch genügend mit uns selbst beschäftigt und hat der Cup für uns nicht Top-Priorität.»

Etwaige Sprüche von ehemaligen Amriswiler Mitspielern hat Perler bis anhin noch keine vernommen, und es laufen auch keine gegenseitigen Wetten. Der Grund liegt auf der Hand: Mit den meisten der heutigen Spieler des aktuellen NLA-Tabellenvierten hat der 29-Jährige gar nicht zusammengespielt. Denn im Kader der Oberthurgauer kam es im Sommer 2014 zum grossen Umbruch, als Teamstützen und Urgesteine wie Perler selbst oder Adrian Schläpfer und Roman Brühwiler berufsbedingt zurücktraten. «Dem Sport zuliebe hatte ich mein Studium schon etwas in die Länge gezogen», verrät Fabian Perler, «darum wollte ich nicht länger warten, um nach dem Abschluss, der damals schon in Sicht war, nahtlos in den Beruf einsteigen zu können. Und weil meine besten Kollegen damals auch aufgehört haben, war das für mich der richtige Zeitpunkt.» Vom heutigen Amriswiler Team steht er noch mit den einstigen Junioren und Ergänzungsspielern Claudio Kriech, Elias Wetzel und Thomas Brändli in losem Kontakt und kennt er den Mittelblocker Aleksander Ljubicic, einen langjährigen Mitspieler.

Aus Konkurrent wird Trainer

Einem anderen einstigen Amriswiler Teamgefährten ist es zu verdanken, dass Fabian Perler am Sonntag auf der anderen Netzseite seine Pässe spielen wird: Züri Unterlands Spielertrainer Gilman Angel Cao Herrera. Dabei war der kubanisch-argentinische Doppelbürger in der Saison 2012/13 sein Konkurrent auf der Zuspielerposition des NLA-Spitzenteams. «Wir hatten trotzdem ein sehr gutes Verhältnis, er hat sich immer für mich gefreut, wenn ich zum Zug gekommen bin, und im Training hat er mir schon damals wertvolle Tipps gegeben», sagt Perler über Cao Herrera, der seit 2013 Züri Unterland trainiert. Nach seinem Umzug nach Dietikon, wo er nach dem Praktikum Anfang 2015 in derselben Firma eine Stelle als geografischer Informatiker angetreten hat, nahm Perler darum Kontakt mit Cao Herrera auf. Als klar war, dass der 43-Jährige sich noch stärker auf seine Trainerrolle konzentrieren wollte und er selbst als NLA-erfahrener Passeur daher wie gerufen kam, sei ihm die Entscheidung für Züri Unterland leichtgefallen. Perler: «Ich wollte regelmässig spielen und habe mir gedacht: Wenn mich einer weiterbringen kann, dann Cao.» Gerade weil der Trainer als Spieler dieselbe Position einnahm, gebe er ihm nun sehr wertvolle Tipps.

In Cao Herrera macht Perler auch den Hauptgrund aus, warum das nach dem Rückzug in die NLB völlig neu formierte Züri-Unterland-Team in der Ostgruppe bislang eine «überraschend gute» Rolle spielt. «Seinen Trainings merkt man die enorme Erfahrung als Profispieler an, und er spürt genau, welcher Spieler wie viel braucht», schwärmt Perler, «so profitieren die Jungen von Extraübungen, und wir Erfahrenen, die im Match mehr zum Einsatz kommen, können die Belastung für den Körper richtig dosieren.» Mit der Entwicklung seines neuen Teams zeigt er sich sehr zufrieden: «Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir nach zehn Runden auf dem 2. Platz liegen, hätte ich das sofort unterschrieben.» Am Anfang habe es eine gewisse Anlaufzeit gebraucht, bis sich die Abläufe automatisierten. «Ich als Zuspieler war neu, und mehrere Spieler haben noch nie auf diesem Niveau gespielt, sodass sie sich zuerst an das höhere Tempo gewöhnen mussten», erklärt der ehemalige Internationale, «daher ist es erstaunlich, dass wir einander doch so schnell gefunden haben.» Letzteres gelte auch neben der Sporthalle, da die Unterländer in der Freizeit häufig etwas gemeinsam unternähmen. «Wir haben eine gute Mischung: mit Fabian Bigger, David Schlatter, Raphael Licka und mir ein paar NLA-erfahrene, ältere Spieler, und daneben viele Junge, für welche die NLB Neuland ist und die entsprechend hungrig und motiviert sind. So können alle voneinander profitieren.» Die Erfahrung, als Aussenseiter im Cup eines der Topteams im Schweizer Volleyball herauszufordern, kann Fabian Perler seinen neuen Mitspielern allerdings nicht vermitteln: «Bis jetzt habe ich solche Cuppartien nur auf der anderen Netzseite erlebt.»

Neue Freude am Sport

In seinen fünf Spielzeiten mit Amriswils Fanionteam zählten Cupduelle gegen Unterklassige zu den eher ungeliebten Pflichtaufgaben. Dafür hat Fabian Perler den Cup auch schon einmal jubelnd in die Höhe gestemmt: 2009, als Amriswil das Double aus Meisterschaft und Pokal gewann. Es war ein Höhepunkt in seiner Laufbahn. Kam er damals als zweiter Passeur noch vor allem gegen schwächere Gegner zum Einsatz, so stand er 2013 im Europacup gegen das polnische Spitzenteam Belchatow als Zuspieler und Captain voll in der Verantwortung. Perler: «Wir haben zwar zweimal 0:3 verloren, aber es war ein einmaliges Erlebnis, gegen solche Topspieler anzutreten.»

Das Halbprofileben mit den jährlichen Europacup-Reisen und dem regelmässigen Kampf um nationale Titelehren vermisst der 29-Jährige jedoch nicht: «Ich habe Amriswil alles zu verdanken, unter anderem, dass ich mich neben dem Studium voll auf den Sport konzentrieren konnte. Aber die Profizeit ist für mich abgeschlossen.» Jetzt stehe der Beruf im Vordergrund. «Daneben keine vertraglichen Verpflichtungen mehr zu haben, ist auch einmal schön. Jetzt ist der Sport etwas, was ich für mich mache, ganz freiwillig – und fast lieber als vorher.» Auf der Netzseite des Herausforderers Züri Unterland könnte für Fabian Perler so auch ein Cup-Achtelfinal zu einem Saisonhöhepunkt avancieren. Wenn es gegen den Klub geht, in dem er praktisch sein ganzes Volleyball-Leben verbracht hat, umso mehr.

Zufriedener Sportmanager
Fabian Bigger, in Züri Unterlands NLB-Fanionteam als Mittelblocker unverzichtbar und als Sportmanager des Vereins auch für Fabian Perlers Engagement verantwortlich, ist voll des Lobes: «Fabian ist einer der besten, wenn nicht der beste Passeur der Liga», sagt Bigger über Perler, «mit seiner enormen Erfahrung bringt er viel Ruhe und Sicherheit in die Mannschaft.» Bei aller Ruhe peitsche Perler aber auch seine Mitspieler an, wie er selbst alles zu geben. «Und mit seinem guten Auge und seiner überragenden Technik versteht er es, auch aus schwierigen Situationen die beste Lösung zu finden.

Sponsoren