Dienstag, 15. Dezember 2015, 20.15 Uhr

Höhenflug in neuer Formation

Mit viel Druck setzt sich Aussenangreiferin Diana Steffen erfolgreich gegen den Churer Doppelblock durch.

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 15. Dezember 2015!

Züri Unterlands Frauen haben mit einem 3:0-Heimsieg gegen Rätia Chur ihren 2. Tabellenplatz in der 1. Liga, Gruppe D, verteidigt. Zu Beginn der zweiten Hälfte der Qualifikationsrunde liegen sie auf Kurs Richtung Aufstiegsplayoffs.

«Ihr müsst jetzt reagieren, die Annahme muss besser werden, sonst ist der Satz weg», sagt Milco Bacchini zu Beginn des zweiten Satzes gegen Rätia Chur. Züri Unterlands Trainer hat seine Spielerinnen beim Stand von 5:10 zum Time-out auf der gegenüberliegenden Seite des Spielfelds zusammengerufen, seine Worte sind auch auf der weit entfernten Tribüne klar zu verstehen. Und die ungewohnt lautstarke Intervention des ansonsten so gelassen wirkenden Bacchini, der das Team gemeinsam mit dem langjährigen Coach Andreas Maurer und dem Klotener Kurt Brunner führt, scheint dringend nötig. Denn nachdem die Unterländerinnen den ersten Satz problemlos mit 25:10 für sich entschieden hatten, schlichen sich nach dem Seitenwechsel mehr und mehr Fehler in ihr Spiel ein. Eigene Aufschläge landeten im Netz oder Aus, Annahmen versprangen so, dass Captain Mirjam Fessler nicht einmal zum Passen kam, und, wenn doch, dann misslangen die Angriffe oder landeten im Churer Block.

Doch Bacchinis Time-out führte zur Wende zum aus Unterländer Sicht Besseren. Seine Spielerinnen fingen sich und stabilisierten vor allem die Aufschlagannahme. So konnte Fessler, die langjährige Angreiferin, die in der zweiten Saison in ihrer neuen Rolle als Zuspielerin immer besser zur Entfaltung kommt, mit ihren Pässen nach Belieben schalten und walten.

Gesunder Konkurrenzkampf

Meist spielte Mirjam Fessler Neuzuzug Diana Steffen an, die mit ihrer enormen Sprungkraft und der Präzision im Abschluss glänzte, oder die athletische Chabeli Hasler, die auch in kritischen Si­tua­tio­nen mit wuchtigen Angriffen oder gefühlvollen Lobs zu punkten vermochte. So holten die Unterländerinnen Punkt für Punkt auf, gingen gegen Ende des Satzes nicht zuletzt dank Aufschlag-Assen von Fessler und Hasler in Führung – und bauten sie bis zum 25:21-Gewinn aus. Im dritten Durchgang schliesslich genügte eine solide Leistung der gesamten Equipe, um sich mit 25:16 den Vollerfolg und drei wichtige Punkte zu sichern.

«Wegen der Niederlage in der Vorrunde haben wir sicher mehr von Chur erwartet», schilderte Chabeli Hasler, «nachdem aber im ersten Satz alles so einfach war, haben wir es am Anfang des zweiten wohl unbewusst zu leicht genommen. Gut, dass uns Milco dann wachgerüttelt hat.» Die Aussenangreiferin fügte freilich an, dass die stärkste Churer Angreiferin im Gegensatz zum Hinspiel gefehlt habe. «Im Vergleich zum Saisonstart haben aber auch wir uns verbessert, vor allem in der Annahme», erklärte sie. Hasler, die seit der vergangenen Saison für Züri Unterland spielt, sieht im heuer deutlich breiteren Kader einen grossen Vorteil. «Natürlich ist der Konkurrenzkampf grösser, aber ich finde das gut. Das gibt einem eine zusätzliche Motivation», sagt die 20-Jährige, «ausserdem können die Trainer das Training ganz anders und viel besser gestalten als letztes Jahr, als wir oft nur zu sechst trainiert haben.» Schliesslich gefällt es ihr auch im erweiterten Team: «Wir haben es gut zusammen, ich fühle mich noch wohler, weil wir jetzt mehr Leute sind. Letztes Jahr war es mir fast ein bisschen zu ruhig.»

Ein ganz neues Problem

Auch Züri Unterlands Trainer zeigen sich mit der Entwicklung zufrieden. «Wir haben jetzt eine sehr gute Mischung und Stimmung im Team», führt Andreas Maurer aus, «jede Position ist doppelt besetzt, sodass auch eine Verletzung nicht mehr allzu sehr ins Gewicht fällt.» Milco Bacchini ergänzt: «Diana Steffen ist mit ihrer Athletik eine deutliche Verstärkung im Angriff, und die beiden Deutschen Laura Mählmann und Katja Köder bringen eine Routine mit, die uns guttut.» Ihre Equipe sehen die Trainer punkto Playoff-Einzug auf Kurs, obwohl ihr Team auf dem 2. Tabellenplatz (den sie am Ende der Qualifikation benötigen) gerade mal drei Zähler Vorsprung auf das nun sechstplatzierte Chur aufweist. Nur eines bereitet den Unterland-Trainern neuerdings Kopfzerbrechen: «Wir haben jetzt so viele Coaching-Optionen, dass wir uns schon vor dem Match Szenarien für die Wechsel ausdenken müssen», erzählt Bacchini. «Aber das ist eigentlich ein schönes Problem.» Eines, das manch anderer Trainer gerne hätte. 

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