Dienstag, 01. März 2016, 06.55 Uhr

Die unbändigen Unterländerinnen

Züri Unterlands Diana Steffen (hinten) begegnet den grösser gewachsenen Giubiasco-Blockspielerinnen weit über dem Netz auf Augenhöhe. Bild: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 1. März 2016

Keine 20 Minuten dauerte es, bis sich die favorisierten Gastgeberinnen in der Klotener Ruebisbachhalle in Rücklage befanden. Kaum hatten die letzten Zuschauerinnen und Zuschauer Platz genommen, da hatten die Erstplatzierten in der Endtabelle der 1. Liga, Gruppe D, bereits den ersten Satz gegen den Zweiten der Gruppe C mit 16:25 verloren. Nach dem ersten Seitenwechsel steigerten sich Züri Unterlands Frauen zwar, wandelten einen 4:5-Rückstand in einen 8:5-Vorsprung um und führten zur Satzmitte 15:12.

Doch die Tessinerinnen, die einander lautstark pushten und zusätzlich von ihrem temperamentvollen Trainer Massimo Sabaddin wort- und gestenreich angetrieben wurden, blieben stets dran. Ihre starke Mittelblockerin Veronica Zanoli vereitelte zahlreiche Unterland-Angriffe. Ausserdem verstanden es die Gäste, mit ihren Aufschlägen den Spielaufbau des Heimteams empfindlich zu erschweren. Und da Züri Unterlands Frauen, aus deren Gesichtern und Bewegungen eine gewisse Verunsicherung sprach, im Angriff und Aufschlag wieder fehlerhafter agierten, hatten sie am Ende erneut mit 21:25 das Nachsehen.

Fehlstart trotz Extraprogramm

«Vielleicht waren die Spielerinnen wegen des frühen Rückstands verkrampft und haben dann zu hektisch gespielt», vermutete Züri Unterlands Trainer Andreas Maurer noch nach dem Spielende. «An der Matchvorbereitung hat es sicher nicht gelegen», führte Trainerkollege Milcone Bacchini fort, «wir haben uns noch früher getroffen als sonst, Kurt Brunner hat sogar noch ein Spezialaufwärmprogramm geleitet.» Für die wichtige Partie waren die Unterländerinnen daher trotz des frühen Spielbeginns um 13.30 Uhr zweifelsohne bereit. Aber «die Giubiasco-Spielerinnen haben uns sicherlich ein bisschen überrascht», verriet Unterland-Aussenangreiferin Diana Steffen, «nachdem wir sie in einem Vorbereitungsturnier locker besiegt hatten, wollten wir heute im Heimspiel schon alles klarmachen.»

Doch worin auch immer die Ursachen des misslungenen Starts zu suchen waren – mit dem Rücken zur Wand löste sich bei den Unterländerinnen die Verkrampfung und stemmten sie sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage. Zuerst war es Chabeli Hasler, die auch nach dem Wechsel auf die Aussenposition in schöner Regelmässigkeit punktete – und ihre Mitspielerinnen förmlich mitriss. Diana Steffen etwa, die zunächst nicht ihr gewohntes Niveau erreicht hatte, kam je länger, desto besser zur Geltung. Ein ums andere Mal fand die mit 1,67 Meter vergleichsweise kleingewachsene, aber umso sprunggewaltigere Angreiferin einen Weg am gegnerischen Block vorbei zum Punkterfolg. «Am Anfang ist es uns allen nicht so gut gelaufen, dann haben wir aber eine sehr gute Stimmung im Team entwickelt und enorm gekämpft», schilderte die 19-Jährige, «ich bin froh, dass ich auch noch ein paar Bälle ins Feld smashen konnte.»

Zudem funktionierte die Annahme der gegnerischen Aufschläge nun so gut, dass Passeurin und Captain Mirjam Fessler mehr Option bekam. Variantenreich und für den gegnerischen Block schwerer auszurechnen, zog sie gekonnt das Spiel auf. So griffen die Gastgeberinnen auch häufiger schnell über die Netzmitte an, wo sich Janick Schaltegger mehrmals durchzusetzen vermochte.

Serienmeisterin bringt Wende

Da aber auch die Gäste kaum nachliessen, entwickelte sich eine packende Volleyball-Partie mit allem, was diese Sportart so faszinierend macht: zahlreichen langen Ballwechseln, spektakulären Angriffen und beherzten Rettungsaktionen in der Verteidigung, wuchtigen Services, überraschenden Finten, schnellen Duellen am Netz und wechselnden Spielständen. Kurzum: ein veritabler Volleyball-Krimi, der zur Nachmittagsstunde am Klotener Ruebisbach keinen kalt liess. Ein Krimi auch, in dem die Gastgeberinnen das bessere Ende für sich behielten: Nach dem 25:21-Gewinn des dritten Satzes und des 25:18 zum Satzausgleich sahen sie bei 9:4 im finalen fünften Durchgang schon wie die Siegerinnen aus, liessen Giubiasco aber wieder herankommen, ausgleichen und an sich vorbeiziehen. Zwei Matchbälle hatten die Unterländerinnen gar gegen sich, wehrten beide ab – bevor die eingewechselte Sarah Bolter ihre überzeugende Leistung mit einem As zum vielumjubelten 17:15 für das Heimteam krönte.

Als einen Schlüssel zur Wende im Spiel machte Züri Unterlands Trainer Andreas Maurer neben Chabeli Haslers imposanter Punkteserie auch die Hereinnahme von Sibylle Keller im dritten Satz aus. «Sie hat sehr viel Ruhe und Ordnung ins Spiel gebracht und die anderen Angreiferinnen in der Annahme entlastet», lobte er die 43-jährige Bülacherin, die einst mit Volero Zürich Meistertitel in Serie sammelte und sich auf diese Saison hin dem Erst­ligisten angeschlossen hatte.

Kellers Einwechslung steht aber auch für eine weitere Qualität, die in dieser umkämpften Halbfinal-Serie den Ausschlag zugunsten der Unterländerinnen geben könnte. «Auch heute hat sich die enorme Kompaktheit und Ausgeglichenheit unserer Mannschaft gezeigt», meinte Unterland-Trainer Milcone Bacchini, «wenn es einer Spielerin einmal nicht so läuft, übernimmt eine andere mehr Verantwortung oder kommt eine neue aufs Feld – und dreht auf.»

Sponsoren