Mittwoch, 18. Januar 2017, 09.40 Uhr

Eine Niederlage, die kaum schmerzt

David Schlatter kommt etwas zu spät zu diesem Block gegen den Angreifer von Voléro. Bild: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom Dienstag, 17. Januar 2017

Gegen Ende kam trotz des bescheidenen Rahmens der in lediglich einem Drittel der Sporthalle Im Birch in Zürich-Oerlikon ausgetragenen Partie doch noch ein wenig Derbystimmung auf. Im vierten Satz wehrten Züri Unterlands Männer zuerst zwei Matchbälle ab, vergaben dann mit dem letzten ihrer zahlreichen Fehlaufschläge an diesem Nachmittag die Chance zum Satzgewinn und -ausgleich, ehe schliesslich Manuel Gahrs Angriffsschlag zur Beute eines Doppelblocks der Stadtzürcher geriet. Obwohl sie sich bis zuletzt gegen die drohende Niederlage gewehrt hatten, verloren die Gäste den vierten Satz mit 26:28 und die Partie mit 1:3. Danach blickten die Unterländer enttäuscht ins Leere oder vergruben den Kopf im Handtuch.

Durch die Niederlage im Direktduell schmolz Züri Unterlands Vorsprung auf den ersten Verfolger Voléro von fünf auf nunmehr zwei Punkte zusammen. Die Chancen auf den Qualifikationssieg stehen freilich noch immer sehr gut, empfangen die Unterländer als Leader in der NLB-Ostgruppe doch in der letzten Runde das Schlusslicht Olten in der heimischen Klotener Ruebisbachhalle. Gilman Angel Cao Herrera mochte denn auch nach der Niederlage nicht allzu hart mit seinen Spielern ins Gericht gehen. «In den ersten beiden Sätzen hat Voléro sehr gut gespielt, und wir haben nicht unsere beste Leistung, dafür viele Fehler gezeigt», kommentierte Züri Unterlands Trainer, «dann aber hat die Mannschaft sehr gut reagiert und sich ins Spiel zurückgekämpft. Am Ende haben nur kleine Details gefehlt.»

Dass er seine Spieler im Training unter der Woche weniger auf das Derby, als vielmehr bereits auf die nahende Finalrunde der besten acht NLB-Teams vorbereitet und sie darum vermehrt zu Kraftübungen angeleitet hatte, wollte der Unterland-Coach nicht als Entschuldigung gelten lassen: «Wir wollen jedes Spiel gewinnen, und es gibt keine Ausrede: Voléro war heute einfach besser als wir.» Dennoch: Dank des veränderten Finalrunden- modus (siehe Kasten) könnte die Niederlage ohne Folgen bleiben.

Cao Herreras vier Ziele

Gilman Angel Cao Herrera setzt in seiner vierten Saison im Verein klare Prioritäten: «Wir verfolgen vier Ziele. Erstens: gut zu spielen. Zweitens: die Finalrunde zu erreichen. Drittens: den 1. Platz in der Gruppe bis zum Schluss zu halten. Viertens: den NLB-Meistertitel aus dem Vorjahr zu verteidigen.» Dass die ersten beiden Vorgaben erfüllt und das Erreichen der dritten in Griffweite liege, führt Züri Unterlands Spielertrainer auf den «grossartigen Charakter und Siegeswillen» seiner Mannschaft zurück. Dieser erscheint umso bemerkenswerter, als sie auf das vierte das sportlich durchaus erreichbare fünfte Ziel von sich aus verzichtet. «Die meisten unserer Teamstützen haben schon einmal in der NLA gespielt und könnten in ihrer aktuellen Lebensphase den Mehraufwand, den es bräuchte, um dort mitzuhalten, gar nicht leisten», erklärt Mittelblocker David Schlatter. «Der Aufstieg ist für uns darum gar kein Thema.»

Der 26-Jährige, der vor der Abstiegssaison 2014/15 von Luzern zu Züri Unterland wechselte, spricht damit nicht zuletzt auch für sich selbst. Nach dem Abschluss seines Bau- ingenieurstudiums hat David Schlatter im vergangenen Herbst in einem Planungsbüro in Vollzeit zu arbeiten begonnen. «Jetzt geht es mir ein bisschen wie früher mit dem Studium neben den Trainings und Spielen in der NLA: Die Regenerationszeit ist ein bisschen kurz. Darum ist es auch für mich völlig okay, in der NLB zu spielen.» Letzteres möchte Schlatter noch möglichst lange. Im Team, das auch neben der Halle vieles zusammen unternehme, fühle er sich sehr wohl.

Was das Sportliche angeht, so hält der Mittelblocker seine Mannschaft für stärker als in der vergangenen Saison, an deren Ende sie den NLB-Meistertitel holte. «Dank des grösseren Kaders haben wir mehr Varianten fürs Spiel und mehr Leute im Training, sodass wir dort viele Matchsituationen üben können.» Gelingt es, bis zum Finalrunden- start auch wieder die nötige Spannung aufzubauen, dürfte für Schlatter und Co. auch heuer einiges möglich sein.

Sponsoren