Donnerstag, 01. Juni 2017, 11.52 Uhr

Aufstiege lösen Wechselspiele aus

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 1. Juni 2017

Als Züri Unterlands Verantwortliche Anfang April erfuhren, dass ihr Frauen-Fanionteam kampflos in die NLB aufsteigen kann (Ausgabe vom 4. April), löste das klubintern eine Art Leiterlispiel aus. Die zweite, dritte und die vierte Frauen-Equipe, die ihre Meisterschaftssaison in der 2., 3. und 4. Liga allesamt als Gruppensiegerinnen beendet hatten, durften die Früchte ihres Erfolgs ernten. Sprich: Alle konnten nun die auf sportlichem Weg erreichte Promotion tatsächlich realisieren.

Um jedoch nach einer Saison auf höherer Stufe nicht gleich wieder abzusteigen, gilt es gemeinhin für ratsam, sich zumindest punktuell zu verstärken. Dass diese Faustregel auch und gerade im Frauen-Volleyball für den Sprung von der 1. Liga in die NLB gilt, wissen die Unterländer aus eigener Erfahrung. Denn sowohl 2008 als auch 2014 stiegen sie jeweils nach nur einer Saison in der zweithöchsten Frauen-Liga der Schweiz postwendend wieder ab. «Wir wollten uns verstärken, und dank der Aufstiege der nächsten Teams können wir auch den bisherigen Ergänzungsspielerinnen, die den Neuzuzügen weichen, eine gute Alternative innerhalb unseres Vereins bieten», erklärt Vasi Koutsogiannakis, der gemeinsam mit Thomas Schmidli und Philipp Häring einer der drei Trainer des NLB-Neulings bleibt. «So bekommen sie natürlich auch die Chance, sich dank mehr Spielpraxis weiterzuentwickeln.»

Diesen Weg gehen gleich vier bisherige Fanionteam-Spielerinnen: Passeuse Isabelle Stalder, Diagonalangreiferin Elena Hake, Libera Camila Addiechi und Mittelblockerin Joana Aebi verstärken in der kommenden Saison Züri Unterlands zweites FrauenTeam und können dort weiterhin auf 1.-Liga-Niveau spielen.

Drei Top-Beacherinnen

Die Promotion der zweiten Frauen-Equipe machte einen Trainerwechsel nötig: Gilman Angel Cao Herrera, bislang in Personalunion Männer-Fanionteam- und Frauen-2.-Liga-Trainer, musste seine Aufsteigerinnen abgeben. Dies, da sie in der 1. Liga am Wochenende antreten werden – oft zeitgleich wie Cao Herreras ­Männer in der NLB. Bei seinem Nachfolger handelt es sich um eine profilierte Volleyball-Persönlichkeit: Markus Graber, der einst die Männer von Laufenburg-Kaisten innert vier Jahren von der 2. Liga in die NLA führte und hauptberuflich als Nachwuchschef des Frauen-Serienmeisters Volero Zürich tätig ist. Auch drei der fünf Spielerinnen, die als Neuzuzüge für das NLB-Team feststehen, wechseln aus dem Aargau zu Züri Unterland.

Passend zum zweiten Schwerpunkt des Klubs haben alle drei auch in der sommerlichen Sand-variante ihres Sports Qualitäten: In der aktuellen Nachwuchs-Rangliste der Schweizer Beachvolleyballerinnen nehmen sie die Positionen 5 bis 7 ein. Die 18-jährige Aussenangreiferin Jill Frangi (7.) und die gleichaltrige Libera Rebekka Merkofer (6.) kommen beide vom Erstligisten Fricktal und stellen gemäss ihrem neuen Trainer Vasi Koutsogiannakis auf ihren Positionen Alternativen zu den bisherigen Stammkräften dar. Bis vor zwei Jahren bildeten die beiden Kaisterinnen ein erfolgreiches Beachvolleyball-Duo, das 2012 bei den unter 15-Jährigen (U15) und zwei Jahre später bei den U17 den Schweizer-Meister-Titel gewann.

Mittlerweile spannt Merkofer im Sand mit Paula Widmer zusammen. Das Duo holte im Vorjahr den nationalen U19-Titel und hat sich heuer auch schon Züri Unterlands Beachvolleyball-Sektion ZuZu-Beach angeschlossen. In der Halle war Widmer zuletzt für den NLA-Spitzenklub Sm’ Aesch Pfeffingen aktiv. Die gross gewachsene 18-Jährige «hat eine sehr gute Abschlags­höhe und bringt viel Kraft in ihre Angriffsschläge», sagt Koutsogiannakis. Sie ist für die Position im Diagonalangriff vorgesehen und soll dort Chabeli Hasler ersetzen, die in der nächsten Saison ihre Volleyballschuhe an den Nagel hängen wird. Abgesehen von ihr bleiben jedoch sämtliche Leistungsträgerinnen der Aufstiegssaison dem Team treu.

Neben den drei jungen Beacherinnen stossen auch zwei gestandene Hallen-Volleyballerinnen von ehemaligen Gegnern aus der 1. Liga an den Klotener Ruebisbach: Sophie Besson aus Wetzikon und Bettina Schmid von ­Kanti Limmattal. «Mit Sophie gewinnen wir eine routinierte Spielerin für die Mitte» erklärt Vasi Koutsogiannakis, «Bettina bringt als Passeuse viel Erfahrung und Spielwitz mit. Mit ihr und Eliane Häring haben wir zwei gleichwertige, aber von ihren Qualitäten her unterschiedliche Spielerinnen für diese Position.»

Zuversichtlicher Ausblick

Ein weiterer Zuzug ist noch denkbar: Mit der Lettin Ekaterina Stepanova, die in der Schweiz bereits für Sm’ Aesch Pfeffingen und den NLB-Spitzenklub Galina Schaan gespielt hat, laufen noch Gespräche. «Mit ihr im Diagonalangriff könnten wir in der NLB wahrscheinlich vorne mitspielen», schätzt Koutsogiannakis, «wir haben viele technisch sehr gute Spielerinnen, die gut annehmen, verteidigen und das Spiel aufbauen können – sie könnte mit ihren wuchtigen Angriffen für den Unterschied sorgen.»

Doch auch mit dem bisher feststehenden Kader sollte der sichere Ligaerhalt zu schaffen sein, schätzt der Trainer. «Ich habe ein besseres Gefühl als vor vier Jahren», meint der 32-Jährige, der schon damals mit Züri Unterland in die NLB aufgestiegen war, «das heutige Team ist homogener besetzt. Ich denke darum, dass es selbst im Falle einer Niederlagenserie nicht auseinanderbrechen würde.» Wobei er nicht davon ausgehe, dass es zu einer solchen kommen werde.

Einige Fragezeichen

Bei Züri Unterlands Männern ist die Kaderplanung für die nächste Saison in der NLB noch in vollem Gange, wie Sportmanager Fabian Bigger verrät. Er selbst, seine Mittelblock-Kollegen David Schlatter und Jérôme Haldemann, Libero Marco Back und Diagonalan­greifer Ernesto Navarro Alderete möchten bleiben – vorausgesetzt, dass die Passeur-Position adäquat besetzt wird. Passeur Fabian Perler indes mache sein Bleiben von der Zusammen­stellung des Kaders abhängig. Hinter dem Verbleib der übrigen Bisherigen stünden noch diverse Fragezeichen, ebenso wie hinter möglichen Neuzuzügen, mit denen Bigger im Kontakt steht. «Sicher fest steht bis jetzt nur, dass Manuel Gahr wegen eines Studienaufenthalts in Kopen­hagen fehlen wird ­– und dass Gilman Angel Cao Herrera unser Coach bleibt», sagt der Sport­manager. (Zürcher Unterländer)

Züri Unterlands Sarah Bolter (v. l.), Mirjam Fessler, Fujan Fahmi und Eliane Häring gehören auch in der nächsten Saison in der NLB ihrem Team an. Um sie herum gibt es einige Wechsel. Bild: Sibylle Meier
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