Donnerstag, 20. Juli 2017, 17.25 Uhr

Zwei, die noch viel vorhaben

Der Humor und vielleicht bald gemeinsame Erfolge verbindet Céline Baumann (links) und Mara Betschart von ZuZu-Beach, der Beachvolleyball-Abteilung des VBC Züri Unterland. Bild: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 18.07.2017.

«Ich freu mich einfach wahn­sinnig darauf und habe ein sehr gutes Gefühl», sagt Céline Baumann. Die Augen der 16-jährigen Nachwuchshoffnung von ZuZu-Beach, der Beachvolleyball-Abteilung des VBC Züri Unterland, funkeln. Baumanns gleichaltrige Beach-Partnerin wirkt (nicht nur) an dieser Stelle gelassener. «Ich glaube, wenn wir erst einmal dort sind, werde ich sicher auch nervös», meint Mara Betschart.

In den Vorrunden-Partien der Gruppe E des Youth Beachvolleyball-Continental-Cups geht es für sie in der slowenischen Haupt­stadt Ljubljana ­darum, Platz 1 oder 2 zu erreichen. Damit würden sie sich für das europäische Finalturnier qualifizieren, an dem es wiederum 2018 um fünf europäische Startplätze an den Olympischen Sommerspielen der Jugend im selben Jahr in Argentinien geht.

Wie in Ljubljana ihre Chancen im Vergleich mit den Teams des Gastgebers Slowenien sowie aus Lettland, der Slowakei und Molda­wien stehen, können sie schlecht einschätzen. «Unschlagbar werden sie nicht sein», vermutet Betschart. Sie immerhin kann auf etwas internationale Erfahrung bauen: Im vergangenen Jahr bestritt sie an der Seite von Esmée Böbner die U18-EM im tschechischen Brno und lan­dete dort auf Rang 9. Von einzelnen Turnieren abgesehen, spannte Betschart im Verlauf ihrer Beachvolleyball-Karriere ansonsten aber stets mit Céline Baumann zusammen. Seit fünf Jahren bilden die beiden Steinhauserinnen ein Beachvolleyball-Duo.

Volleyball statt Musical

«Ich war schon vor Mara im Volleyballclub», erzählt Céline Baumann. «Als wir für eine Schweizer Meisterschaft zu wenig Spielerinnen hatten, hat die Trainerin Mara angefragt, ob sie aushelfen will.» Acht Jahre jung seien sie damals gewesen. Auch Mara Betschart erinnert sich ­daran: «Ich habe davor schon gewusst, dass ich irgendwann selbst mit Volleyball anfangen würde.» Mit der Schwester und den Eltern, die einst beide selbst Aktive dieses Sports waren, habe sie zu Hause oft Volleyball gespielt. Trotzdem betont die 16-Jäh­rige: «Ich hätte mich auch für etwas anderes entscheiden können, früher habe ich auch Tennis gespielt und eine Musicalschule besucht.»

Beides liegt heutzutage freilich nicht mehr drin. Denn neben dem Hallen-Volleyball, das beide auf NLB-Niveau betreiben (Betschart in Steinhausen, Baumann seit der vergangenen Saison in Luzern), gewann die sommer­liche Variante ihres Sports für Mara Betschart und Céline Baumann zusehends an Bedeutung. Dreimal pro Woche reisen sie eigens zum Sandtraining ins Unterland in die Klotener Beach­town, Betschart sogar freitags für die Krafteinheiten in der Ruebisbachhalle. Beides steht unter der Leitung des Klotener Erfolgscoaches Kurt Brunner.

Fast zwangsläufig kommen so Vergleiche auf: mit Mara Betscharts älterer Schwester ­Nina, die jahrelang mit Nicole Eiholzer aus Steinhausen zum Beachvolleyball-Training bei Brunner reiste. Der Klotener führte das Duo nicht nur zu sieben natio­nalen Meistertiteln in Serie in allen­ Nachwuchskategorien, son­dern auch zu zwei U20-, einer U22-EM-Goldmedaille und zu ihrem grössten Erfolg: dem Titelgewinn an den ersten European Games in Baku 2015. Nina Betschart gewann dar­über hin­aus mit anderen Partnerinnen zweimal U21-WM-Gold und einen weiteren U22-EM-Titel. Damit verglichen, muten die beiden Bronzemedaillen, die Betschart/Baumann an Schweizer Nachwuchs-Meisterschaften gemeinsam gewannen, und der erste Schweizer-Meister-Titel, den sie im Vorjahr in der U17-Altersstufe holten, geradezu bescheiden an.

Grosse Schwester als Vorbild

Doch Mara Betschart geht souverän mit der Situation um. «Mich nervt es nicht, auf Nina ange­sprochen zu werden. Es ist ja normal, dass man dar­auf kommt, nach ihr zu fragen», sagt sie. «Schlimm wäre es nur, wenn ich selbst mich mit ihr vergleichen würde, wenn ich das Gefühl ­hätte, ich müsste jetzt schon so gut und erfolgreich sein wie Nina im selben Alter. Das wäre ein viel zu hoher Anspruch, an dem ich ja nur scheitern könnte. Denn Nina war und ist ja wirklich sehr, sehr gut.» Anstatt sich an ihr zu messen, sieht Mara Betschart die grosse Schwester vielmehr als Vorbild und Ratgeberin. «Wir ­haben ein sehr gutes Verhältnis und reden auch oft über Volleyball, sie ist eine grosse Unter­stützung für mich.»

Trainer Kurt Brunner sieht es ähnlich: «Ich vergleiche die Schwes­tern nicht. Mara hat auf jeden Fall gute Möglichkeiten. Aber sie und Céline Baumann stehen noch ganz am Anfang.» Wie viel beide in ihren Sport zu investieren bereit seien, müsse sich erst über längere Zeit weisen. Das heisse unter anderem: auch konsequent an den athle­tischen Grundlagen zu arbeiten. «Nur so können sie sich im ­Angriff besser durchsetzen, härter angreifen und höher abschlagen», erklärt Brunner. «Der Schritt vom Mädchen- zum Frauen-Beach­volleyball ist die nächste Hürde, die die beiden meistern müssen.» Immerhin können die beiden ZuZu-Beacherinnen dank schulischer Angebote, die in der jün­geren Vergangenheit entstanden sind, um Talente wie sie auf dem Weg zum Spitzensport zu unterstützen, Training und Ausbildung derzeit gut verbinden. Mara Betschart besucht das Sportgymnasium an der Kanti Luzern, ­Céline Baumann das Sport-KV Vinto in Zug. Läuft alles nach Plan, schliessen beide in drei Jahren ab. Ein perfektes Timing – um danach gemeinsam auf der World Tour durchzustarten und eine Profikarriere zu lancieren? «Das wäre ein Traum, aber davor müssen wir erst einmal international erfolgreich sein», sagt Baumann. Eine Voraussetzung für gemeinsame Triumphe bringen sie zumindest mit. «Weil wir schon so lange zusammen spielen, wissen wir genau, wie die andere tickt, wie sie reagiert, auf dem Feld und daneben», führt Betschart aus. «Wir gehen zusammen durch dick und dünn, durch Regen und Schlamm», ergänzt Baumann, in Anspielung an ein Turnier im Dauerregen und matschartigen Sand.

Beide lachen – wie mehrmals während des Gesprächs vor ihrem Training in der Klotener Beach­town. Auch der Humor verbinde sie, erklären sie unisono. In Trainings und Wettkämpfen ­blieben sie aber stets ernst, ver­sichern sie. Wie weit die beiden 16-Jährigen, die sich selbst als Freundinnen bezeichnen, mit dieser Mischung auch auf internationalem Turniersand kommen werden – die nächsten Tage in Ljubljana könnten einen ersten Anhaltspunkt liefern. 

Sponsoren