Dienstag, 24. Oktober 2017, 06.10 Uhr

Fast vergebens gestreckt

Züri Unterlands Ersatzcaptain Diana Steffen rettet einmal mehr einen Ball in der Verteidigung. Libera Alina Chicherio beobachtet die Aktion. Bild: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 24. Oktober 2017

Als der Saisoneröffnungsapéro des VBC Züri Unterland in der Bar der Klotener Ruebisbach­halle mit einer halben Stunde Verspätung endlich begann, war den Spielerinnen seines Frauen-Fanionteams noch lange nicht nach heiterem Zuprosten zumute. Nach beinahe zwei Stunden Spielzeit – der Grund für den verspäteten Beginn des geselligen Teils – hatten sie soeben den entscheidenden fünften Satz gegen Giubiasco 7:15 verloren. Mit leeren Blicken und hängenden Köpfen kauerten einige Unterländerinnen hernach auf dem Hallenboden, andere sassen auf der Bank am Spielfeldrand. Kein Zweifel: Der eine Punkt, den sie geholt hatten, weil sie nach dem 1:2-Satzrückstand noch den Ausgleich geschafft und die Tessinerinnen in den Entscheidungssatz gezwungen hatten, erschien ihnen am Ende der Partie mit vielen spektakulären, packenden Ballwechseln, in denen sie um jeden Punkt beherzt gekämpft hatten, als gar schlechter Lohn.

«Wenn man den ersten Satz so klar gewinnt, dann aber den Gegner wieder ins Spiel kommen lässt, die nächsten zwei Sätze verliert, sich davon erholt, ausgleicht – und am Ende trotzdem mit leeren Händen dasteht, dann ist klar, dass ein Sieg heute machbar gewesen wäre und wir uns die Schuld für die Niederlage zu einem Grossteil selbst geben müssen», kommentierte Diana Steffen Spielverlauf und Gefühlslage.

Kollektiver Leistungssprung

Die dynamische und sprungkräftige Aussenangreiferin, die in dieser Partie wie schon eine Woche zuvor anstelle der ferienhalber abwesenden Mirjam Fessler die Captainbinde trug, fügte selbstkritisch an: «Als Giubiasco einen Gang hochgeschaltet hat, haben wir uns schlecht daran angepasst, und über das ganze Spiel gesehen haben wir nicht konstant genug gespielt.» Dabei legte die 20-Jährige selbst durchaus eine hohe Beständigkeit an den Tag: Als einzige Unterländerin stand sie ohne Unterbruch auf dem Feld, glänzte mit sicheren Annahmen, agilen Rettungsaktionen in der Abwehr und noch wuchtigeren Angriffen sowie Sprungaufschlägen als noch im Frühjahr in der 1. Liga.

Wie der Ersatzcaptain, so zeigten sich auch jene von Diana Steffens Kolleginnen, die in der vergangenen Saison mit ihr gemeinsam den Aufstieg in die NLB geschafft hatten, durch die Bank verbessert – teilweise markant. Allen voran verblüffte Sarah Bolter mit präzisen Angriffen, druckvollen Aufschlägen und neuer Beweglichkeit. Damit zeigte sie, dass sie im Diagonalangriff keinesfalls freiwillig ihren Platz dem Neuzuzug Paula Widmer zu überlassen gedenkt. Die letztgenannte 19-Jährige beeindruckte ihrerseits mit ihrer Präsenz am Block sowie kompromisslosen Angriffsschlägen in einer Härte, wie man sie am Ruebisbach zuvor noch selten von einer Frau zu sehen bekommen hat.

Fehler in entscheidenden Momenten

Das Beispiel steht für eine neue Qualität des Unterland-Kaders: seine enorme Ausgeglichenheit. Wen auch immer Vasi Koutsogiannakis, der gemeinsam mit seinem Trainerkollegen Philipp Häring das Team coachte, einwechselte – das Niveau im Spiel blieb mindestens gleich hoch. So demonstrierten etwa alle Angreiferinnen mit ihren konsequent durchgezogenen Angriffsschlägen , dass sie den Sprung in die NLB vollzogen haben. Zumindest über weite Strecken der Partie.

Dass es dennoch nicht zum ersten Saisonsieg reichte, ärgerte Koutsogiannakis. «In den Schlüsselmomenten waren die Spielerinnen doch wieder übernervös, haben plötzlich einfache Fehler gemacht oder nur mit 70 Prozent Risiko angegriffen», kritisierte er, «das reicht aber in der NLB nicht.» Diesen nächsten und entscheidenden Schritt zum Erfolg müssten sie möglichst bald schaffen, forderte er. 

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