Mittwoch, 15. November 2017, 07.10 Uhr

Tristesse am Ruebisbach

Trotz Steigerung im dritten und vierten Satz reichte es nicht gegen Schönenwerd einen Punkt zu holen.

Bericht von Peter Weiss vom 14. November 2017 im Zürcher Unterländer

«Wir haben derzeit mentale Probleme, im entscheidenden Moment fehlt uns das Selbstvertrauen», konstatierte Züri Unterlands routinierter Mittelblocker Fabian Bigger, nach einer längeren Denkpause in den Katakomben der Klotener Ruebisbachhalle noch immer nach Erklärungen suchend. «Die Verunsicherung ist gross, abgesehen von Kreuzlingen hätten wir eigentlich jeden Gegner besiegen können. Auch heute.»
In der Tat hätten die Unterländer gegen Schönenwerd II trotz ihrer verkorksten und verlorenen ersten beiden Sätze mindestens einen Punkt ergattern oder am Ende gar den Sieg davontragen können. Denn im vierten Durchgang führten sie bereits mit 16:9 – was normalerweise mit auch nur halbwegs solidem Spiel bei gegnerischem Aufschlag zum Satzgewinn reicht. Doch die wuchtigen Aufschläge von Schönenwerds Aussenangreifer Tim Köpfli brachten das noch labile Teamgefüge der Gastgeber ins Wanken. So misslangen ihnen Annahmen, leistete sich einer einen Aufstellungsfehler, berührte ein anderer einen Service, der ins Aus geflogen wäre – und plötzlich stand es 16:16. Danach kämpften sich die Unterländer erneut zurück, führten gar 21:19 – bevor sie abermals vier gegnerische Punkte in Folge hinnehmen mussten. Danach führten selbst ein Time-out von Unterland-Trainer Mahmoud Dorah und ein Aufschlagfehler des Gegners nicht mehr zur erneuten Wende.

Zu lange Löcher im Spiel

Ein postwendender Unterländer Fehlaufschlag und ein verunglückter Rettungsversuch am En- de eines langen Ballwechsels brachten schon beim ersten Matchball Schönenwerds die Entscheidung: Mit 22:25 ging der vierte Satz und mit 1:3 die Partie verloren. «Leider hat sich da wie- der einmal das Problem gezeigt,das wir bisher in jedem Spiel hatten», kommentierte David Schlatter hernach, «wir spielen zum Teil gutes Volleyball, mit schnellen, präzisen Pässen und Angriffen – kassieren aber in fast jedem Satz eine solche Serie mit vier, fünf gegnerischen Punkten. Es dauert einfach zu lange, bis wir aus diesen Löchern wieder herauskommen.» Dabei hatte sich der 26-jährige Mittelblocker selbst mit zunehmender Spiel- dauer zum Aktivposten des Teams entwickelt. Mit zupacken- den Blocks, aber auch mit auffal- lend häufigen – und erfolgreichen – Angriffsbällen hatte er we- sentlich dazu beigetragen, dass die Unterländer den dritten Satz 25:17 gewannen und so überhaupt wieder hoffen durften.

In den ersten beiden Sätzen hatten die Gastgeber nicht nur fehlerhaft agiert, sondern dabei auch phasenweise so leblos gewirkt, als würden sie sich widerstandslos in die nächste Niederlage schicken. Namentlich im mit 19:25 verlorenen zweiten Um- gang blieben sie merkwürdig ruhig, ob sie gerade einen Punkt erzielt hatten oder nicht. Vom im Volleyball sonst üblichen gegenseitigen Aufmuntern und Anspornen war über weite Strecken nichts zu sehen, vielmehr blickte jeder Spieler in den Pausen zwischen den Ballwechseln betreten zu Boden oder ins Leere. «Die Stimmung auf dem Feld war sehr tief – das ist etwas, was wir unbedingt verbessern müssen», meinte David Schlatter dazu.

Auch Trainer Mahmoud Dorah missfiel das. «Jeder ist nur mit sich selber beschäftigt, keiner muntert den anderen auf», kritisiert er, «nach einem Fehler geht es ganz schnell, bis die Spieler verzweifeln, über sich selbst und über die Mitspieler. Und während sie das tun, macht der Gegner auch gleich die nächsten zwei, drei Punkte.» Dabei überrasche ihn nicht nur die hohe Zahl an Eigenfehlern an sich, sondern auch, dass diese den erfahrenen Spielern im Team unterliefen. «Wahrscheinlich sind sie es nicht gewohnt, unter Druck zu spielen, nach den erfolgreichen letzten beiden Saisons ist es für sie neu, so oft zu verlieren.»

«Das Beste daraus machen»

Völlig überraschend kommt die Misere für den erfahrenen Coach indes nicht. «Das Grundproblem ist, dass sich die Mannschaft im Umbau befindet und es Zeit braucht, um die neue Mischung zu finden», erklärt Mahmoud Dorah, der Züri Unterlands Männer verhältnismässig kurzfristig im Juli übernommen hat. Noch dazu sei die Saisonvorbereitung alles andere als ideal verlaufen. So habe das Team das gemeinsame Training erst spät aufgenommen und nicht einmal ein Vorbereitungsspiel absolviert.

Dass einige seiner Spieler nun während der Saison lediglich zweimal wöchentlich trainieren, hilft da genauso wenig weiter wie diverse Absenzen, die Dorah stets von neuem zu Umstellungen zwingen. Angesichts bevorstehender Abwesenheiten von Leistungsträgern und nachdem Züri Unterland nun gegen fast alle Teams der Liga einmal gespielt hat, kommt er zum Schluss: «Wir müssen von jetzt an jeden Match nehmen wie ein Cupspiel und einfach das Beste daraus machen. Bis zur Abstiegsrunde müssen wir uns finden.»

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