Dienstag, 27. März 2018, 11.59 Uhr

Strahlend in die Zusatzschlaufe

Züri Unterlands Frauen bejubeln ihren Sieg über Ruswil. Dass er nicht zum direkten Verbleib in der NLB reichen sollte, erfuhren sie erst später. Bild: Foto: Leo Wyden.

Nicht einmal 75 Minuten sind in der Klotener Ruebisbachhalle gespielt, als Léonie Bisang sich den Ball zum Sprungaufschlag vorlegt, ihn so wuchtig und platziert auf die Ruswiler Netzseite spediert, dass der gegnerischen Annahme-Spielerin der Ball verspringt, flach und unrettbar Richtung Netz und dort an den Boden fliegt. Mit dem verwerteten ersten Matchball endet der dritte Satz 25:23 und die Partie 3:0 zugunsten der Gastgeberinnen – bei denen es kein Halten mehr gibt. Alle Ersatzspielerinnen, Trainer und Betreuer stürmen aufs Spielfeld und setzen zu den Klängen des Mitgröl-Hits «So seh’n Sieger aus» zum Freudentänzchen an.

Einen 3:0- oder 3:1-Sieg hatten sie gebraucht, um die Gegnerinnen aus Ruswil zu überholen und sich im Minimum einen Platz in der Auf-/Abstiegsrunde NLB/ 1. Liga zu sichern. Allerdings gewannen sowohl Steinhausen als auch Glaronia Glarus, die zuvor einen Punkt mehr auf dem Konto hatten, ihre letzten Partien ebenfalls je mit 3:0. So blieb Züri Unterland auf Platz 5. Damit muss das Team nun eine weitere Runde bestreiten mit Hin- und Rückspielen gegen Giubiasco, den Sechstplatzierten der NLB-Abstiegsrunde, sowie gegen Kerzers und Riehen, die Verlierer der 1.-Liga-Playoff-Finals. Die beiden Erstplatzierten dieser Runde, die am Wochenende nach Ostern beginnt, spielen in der kommenden Saison in der zweithöchsten Liga mit.

Aus einem Guss

«Die Nachricht, dass es doch nicht direkt zum Ligaerhalt reicht, hat unsere Stimmung nicht gross getrübt», berichtete Züri Unterlands Klubpräsident Vasi Koutsogiannakis, der das Team im Verbund mit Philipp Häring und Thomas Schmidli seit der vergangenen Saison coacht. «Die Spielerinnen wollen alle die Auf-/Abstiegsrunde spielen und es nun eben dort schaffen», meinte er, «und persönlich wäre ich fast schon frustriert gewesen, wenn die Saison jetzt schon zu Ende wäre.» Jetzt, da sein Team so stark aufspielte wie noch nie zuvor.

Denn leistungsmässig hatten die Unterländerinnen gegen Ruswil ihr Soll mehr als erfüllt. Vom ersten bis zum letzten Ballwechsel agierten sie wie aus einem Guss: Aus einer soliden, sicheren Annahme heraus zog Passeurin Bettina Schmid ein variables, schwer auszurechnendes Spiel auf. Im gut organisierten, stabilen Mittelblock konnte allen voran Victoria Hinneburg immer wieder auch mit ihren Angriffen punkten, während Diana Steffen im Aussen- sowie Paula Widmer im Diagonalangriff die Auffälligsten des starken Kollektivs waren. In der Abwehr gaben die Gastgeberinnen keinen Ball verloren, und mit ihren Aufschlägen setzten sie die Ruswilerinnen arg unter Druck. Und das Beste aus Unterländer Sicht: Im Gegensatz zu vielen Partien der Qualifikationsrunde, in denen sie ihr Potenzial aufgezeigt, am Satzende aber wie blockiert agiert und verloren hatten, gaben sie sich in der wichtigsten Partie der Saison vor gut gefüllten Rängen keine Blösse.

Unverwüstlicher Teamgeist

Einzig in der zweiten Hälfte des zweiten Satzes, als Ruswil von 12:18 auf 16:18 herangekommen war, schienen die Unterländerinnen für einen Moment zu wanken. Doch dann rettete die überaus agile Diana Steffen zweimal in der Abwehr – und drehte Paula Widmer mit fünf erfolgreichen Abschlüssen in Serie so richtig auf. «Am Anfang der Saison war ich in solchen Situationen immer extrem aufgeregt und habe mir selbst Druck gemacht, mich deswegen verkrampft und nicht mehr konsequent genug angegriffen», schilderte die 19-Jährige, «das Spiel gegen Obwalden war der Wendepunkt.

Seither haue ich auch voll drauf, wenn es knapp wird.» Ihre Mitspielerinnen, von denen keine nach einem Fehler die Augen verdrehe, und die Trainer, die ihr stets sagten, sie habe nichts zu verlieren, gäben ihr die nötige Sicherheit. «In meinen drei Jahren im Schweizer Nachwuchs-Auswahlteam war das anders, da musste ich nach drei Fehlern in Folge auf die Bank.» Zudem hat sich ihre eigene Einstellung geändert. «Lange Zeit wollte ich Profispielerin werden und habe vor allem auf meine eigene Leistung geachtet» sagt die Sportkantonsschülerin. «Seit ich hier bin, ist der Spass dazugekommen, wir machen im Team viele Sprüche oder gehen auch mal zusammen in den Ausgang.» Dafür nehme sie den langen Weg vom Wohnort Aarau zum Training nach Kloten gerne in Kauf.

Zumal der gute Teamgeist auch während der langen Niederlagenserie in der Qualifikationsrunde nie gelitten habe. «Der Zusammenhalt war immer da, wir hatten nie Reibereien und nie aufgehört, an den Ligaerhalt zu glauben», sagt die athletische Angreiferin. «Unser grosses Ziel ist, in der NLB zu bleiben, ob wir es jetzt erreichen oder erst im April, ist doch egal.» Gelingt es Widmer und ihren Mitspielerinnen, in der Auf-/Abstiegsrunde an ihre Leistung gegen Ruswil anzuknüpfen, muss ihnen vor der Zusatzschlaufe auch nicht bange sein.

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 27. März 2018.

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