Samstag, 13. Oktober 2018, 11.32 Uhr

Mit neuen Kräften und starken Nerven angreifen

Züri Unterlands Frauenteam und ihre Trainer wollen heuer nicht erst in der Abstiegsrunde zum Freudentänzchen ansetzen. Bild: Leo Wyden

Ihr Startspiel heute Samstag in Luzern könnte ein Gradmesserdafür sein, ob es heuer dafür reichen könnte. Mit je sechs Ab- und Zugängen ist es im Kader des Teams, das sich am Ende einer langen Saison mit Höhen und Tiefen im vergangenen April zum ersten Mal in der Geschichte des 2004 fusionierten Vereins den Verbleib in der NLB der Frauen gesichert hatte, zu ähnlich vielen Veränderungen gekommen wie vor der vergan­genen Spielzeit. Klubpräsident Vasi Koutsogiannakis, als Trainer gemein­sam mit Philipp ­Häring, Thomas Schmidli und neu auch mit der als Spielerin zurückgetretenen, langjährigen Capi­taine Mirjam Fessler für Züri Unterlands Frauen verantwortlich, ist von den Neuen überzeugt. «Sie haben sich alle schon sehr gut ins Team­ eingefunden; es har­moniert auch menschlich schon sehr gut», berichtet er, «und sie haben unser Niveau deutlich ange­hoben.» Die Abgänge seien so mehr als nur kompensiert worden. «Ich kann mich nicht ­daran erinnern, jemals ein so starkes Frauen-Team in der Ruebisbachhalle trainiert zu haben», schwärmt Koutsogiannakis.

Doch nicht nur das Potenzial der sechs Neuen nährt seine Zuver­sicht: «Alle, die geblieben sind, haben sich im ­Laufe der letzten Saison ans NLB-Niveau angepasst, und dass sie am ­Ende trotz der langen Niederlagen­serie während der Qualifika­tion den Ligaerhalt geschafft haben, hat sie auch mental stärker gemacht.» Zusätzliches Selbstvertrauen dürfte der U-23-Schweizer-Meister-Titel verleihen, den das Gros des Frauen-Fanion­teams am Finalturnier von ­Ende April in Duellen gegen die Nachwuchs-Equipen von NLA-Vereinen errungen hat. «Auch letztes Jahr hatte das Team ja ein grosses Potenzial – nach den knappen Niederlagen am Anfang hat es dann aber ein mentales Problem bekommen», führt Koutsogiannakis aus, «am Können hat es nicht gefehlt, wie man spätestens an der Schweizer Meisterschaft gesehen hat.» Neben dem erhöhten Selbstvertrauen und der grösseren Erfahrung der noch immer jungen bisherigen Unterland-Spielerinnen könnte die Routine der drei NLA-erfahrenen Neuen heuer verhindern, dass das ­Team erneut in eine Negativspirale ge­rät­. Mittespielerin Vera Ca­luori, Passeu­rin Ro­xana Wenger sowie Aus­sen­angreiferin und Ex-Na­tio­nalspielerin Léa Mon­tavon machen Züri Unterland auch mental stabiler, schätzt Koutsogiannakis.

Ausgeglichenes Kader

Neben den drei arrivierten Spielerinnen sind mit Passeurin ­Fabia Wüth­rich sowie Aussenangreiferin Lisa von Arx zwei klub­eigene Junio­rinnen in Züri Unterlands Fanion­team gekommen – und als letzter Neuzuzug die erst 14-jährige Sindi Mico aus der Nachwuchs-Abteilung des Serienmeisters Volero Zürich. Die amtierende U-15-Schweizer-Meisterin im Beachvolleyball «ist sehr talentiert, gross, sprungkräftig und hat ein gutes Spielverständnis», lobt Koutsogiannakis.

In den rund sechs Wochen inten­siver Vorbereitungszeit, die unter anderem auch zwei vier­tägige Trainingslager in Va­rese und Davos umfasste, haben der Klotener und seine Trainerkollegen viele gute Eindrücke und Zuversicht bekommen – aber noch keinen festen Plan einer Stamm-Sechs ent­wickelt. «Die wird es so auch nicht geben», verrät Koutsogiannakis, «erstens, weil wir die Aufstellung leicht an den jeweiligen Gegner anpassen werden, und zweitens, weil das Team­ so ausgeglichen besetzt ist wie nie zuvor.» Die Trainingspartien mit sechs gegen sechs Spielerinnen seien stets sehr ausgeglichen verlaufen, nie habe man vorhersehen können, wer gewinne. Da alle Unterland-Akteurinnen die Vorbereitung kom­plett absolviert und ohne Blessuren überstanden haben, haben Koutsogiannakis und Co. im Startspiel in Luzern somit die – durchaus gewollte – Qual der Wahl. Den Auf­takt­gegner stuft der 34-Jäh­rige nach Abgängen schwächer ein als im Vorjahr: «Luzern ist ein Gegner, den wir packen müssen, wenn wir in die Final­runde einziehen wollen. Und das muss dieses Jahr, mit dem starken Team, unser Ziel sein.»

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom 13.10.2018.

Sponsoren