Donnerstag, 18. Oktober 2018, 05.00 Uhr

«Wir werden erfahrener, nicht älter»

Manuel Gahr (Bildmitte) zählte schon zu NLA-Zeiten Züri Unterlands zu den Leistungsträgern des Teams. Ebenso wie Thomas Schatzmann (links neben ihm), der am Samstag mit Smash Winterthur als Gegner am Klotener Ruebisbach gastiert, und Mittelblocker Fabian Bigger (rechts neben Gahr). Bild: Dominic Staub

Bericht von Peter Weiss im Zürcher Unterländer vom Donnerstag, 18. Oktober 2018

Manuel Gahr, nachdem Sie die vergangene NLB-Saison wegen Ihres Studienaufenthalts in Kopenhagen komplett verpasst haben, sind Sie zu Züri Unterlands Fanionteam zurückgekommen. Und das nach einem Praxis­semester in Singapur während der Saison 2015/16 schon zum zweiten Mal. Sie scheinen sich wohlzufühlen in Kloten.
Manuel Gahr: Ja, es ist schön, wieder hier zu sein. Die Ruebisbach- ist für mich tatsächlich ei­ne der schönsten Hallen, in denen ich je gespielt habe. Die Decke ist zwar etwas tief, dafür hat sie bei unseren Spielen als Zweifach­halle schöne Dimensionen. Wenn das hintere Drittel mit dem Vorhang abgetrennt ist, hat man immer noch viel Platz, kommt sich aber nicht so verloren vor, wie das in manch anderen, grossen Hallen der Fall ist. Ausserdem verbinde ich viele schöne Erinnerungen mit dem Ort.

Hatten Sie, während Sie Ihre Masterarbeit in Mathematik an der Universität von Kopenhagen geschrieben haben, nebenher etwas Zeit, dänische Volleyball- Hallen kennen zu lernen?
Ja, ich habe mir in Kopenhagen einen Klub in der zweithöchsten Liga gesucht. Zum einen, weil ich gerne Volleyball spiele und der Sport ein idealer Ausgleich zum Studium ist. Zum anderen ist er für mich der beste Weg, um in einer fremden Stadt neue Leute kennen zu lernen. Das hat auch super geklappt: Ich hatte viele sehr motivierte Mitspieler, einen ambitionierten Trainer, der uns so richtig gepusht hat, und bin von allen von Anfang an sehr gut aufgenommen worden. Für den Verein, den Amager Volleyballklub, war ich kurz vor dem Saison­beginn eine unverhoffte, aber willkommene Verstärkung – um die sich die Verantwortlichen ja nicht einmal hatten bemühen müssen.

Konnten Sie Amager denn auch sportlich weiterhelfen?
Wir sind in die höchste Liga aufgestiegen, und ich bin oft auf dem Feld gestanden. Von daher denke ich schon, dass ich einen Teil dazu beigetragen habe.

Welchen Stellenwert hat Volleyball denn in Dänemark?
Es ist eine ziemliche Randsportart, noch mehr als hier. In Dänemark ist Fussball wichtig, Handball fast genau gleich – danach kommt lange nichts.

Und wie war Ihre Heimhalle?
Sie war sehr alt und hatte, wie die meisten anderen, die ich in Dänemark gesehen habe, einen harten Parkettboden, nicht gerade ideal für Volleyball. Aber etwas hatte sie der Ruebisbachhalle vor­aus: eine Sauna im Keller, in die wir nach dem Training gehen konnten, auch mit einem Bieraufguss. (lacht)

Nun sind Sie wieder hier, am saunafreien Ruebisbach. Von Ihrem Wohnort in Zürich-Oerlikon wäre es auch nicht weit zum Ligakonkurrenten Voléro Zürich. War es für Sie keine Option, dorthin zu wechseln – oder gar zu Smash Winterthur, wo mit Thomas Schatzmann einer Ihrer Beachvolleyball-Partner spielt?
Nein, die Frage hat sich mir nie gross gestellt. Abgesehen von mei­nen­ Auslandaufenthalten habe ich seit September 2011 immer für Züri Unterland gespielt und mich im Klub sehr wohl gefühlt. Der Ver­ein ist gut aufgebaut, hat ein schlaues Konzept und einen vernünftigen Vorstand. Das sage ich natürlich auch, weil ich da selbst dabei bin. (lacht) Und was Thomas angeht: Wir freuen uns, ihn zum Saisonstart am Samstag ab 16 Uhr mit unseren Aufschlägen so richtig unter Druck zu setzen. Als kleine Strafe dafür, dass er nicht zu uns zurückgekommen ist.

Sie sind nach dem Aufstieg in die NLA 2011 als junger Spieler zu Züri Unterland gekommen und dem Klub auch nach dem freiwilligen Rückzug aus der obersten Liga 2015 immer treu geblieben. Hat es Sie nie gereizt, wieder in der NLA zu spielen?
Die vier Jahre in der NLA waren eine coole Erfahrung. Aber gegen die Topteams haben wir auch oft genug hoch verloren. In einem Spitzenklub wie Amriswil oder Näfels zu spielen und international anzutreten, hätte mich schon interessiert. Aber ich weiss nicht, ob ich es dort in die Stammformation geschafft hätte. Womöglich hätte ich einen sehr hohen Aufwand betreiben müssen, um am Ende bestenfalls zu Teileinsätzen zu kommen. Da spiele ich lieber in der NLB vorne mit und stehe regelmässig auf dem Feld.

Haben Sie denn nie eine Anfrage von einem NLA-Klub bekommen?
Doch, sogar letztes Jahr noch, bevor ich nach Kopenhagen gegangen bin. Das ist damals aber nur schon deswegen nicht infrage gekom­men. Ausserdem habe ich irgendwann gemerkt, dass es mir sehr wichtig ist, mit coolen Leuten in einem Team zu sein, mit denen man Spass am Volleyball hat.

Und auch neben dem Spielfeld?
Ja, absolut. Das ist bei Züri Unterland der Fall, wir kommen nicht nur zum Training und zu den Spielen zusammen, sondern gehen am Wochenende auch oft gemein­sam feiern.

Was trauen Sie Ihrem Teamin der neuen Saison zu?
Ein offizielles Saisonziel haben wir nicht definiert, aber so wie ich das heraushöre, sind viele sehr motiviert, noch einmal den NLB-Meistertitel zu holen, wie schon 2015/16. Das wird aber schwierig, denn mit Voléro Zürich aus unserer und Papiermühle Ittigen aus der Westgruppe gibt es schon zwei sehr starke Gegner. Aber oben mitspielen und in die Finalrunde einziehen, das sollte auf jeden Fall für uns drinliegen.

Obwohl Ihre Teamkollegen ja nicht jünger werden?
Wir werden erfahrener, nicht älter­. (lacht) Im Ernst, wir haben sicher ein routiniertes Team und sind im Durchschnitt vielleicht nicht mehr ganz so fit wie noch vor zwei Jahren, als Gilman Angel Cao Herrera unser Trainer war und wir sehr, sehr viel Zeit im Kraft­raum verbracht haben. Dafür haben wir jetzt etwas mehr Erfahrung und Spielwitz, worauf im Training viel Wert gelegt wird.

Mit Ihrer Spielweise sind Sie selbst das beste Beispiel dafür. Ohne Ihnen zu nahe zu treten: Im Angriff wirken Sie selten spektakulär, haben aber selbst zu NLA-Zeiten zuverlässig gepunktet.
Ja, ich versuche tatsächlich, sehr effizient zu spielen, den gegnerischen Block genau anzuschlagen oder ganz platziert ins Feld anzugreifen. Ich habe nicht besonders viel Durchschlagskraft, dar­um musste ich andere Qualitäten entwickeln.

Ihr neuer Trainer Lucian Jachowicz hat Sie unlängst als Hoffnungsträger bezeichnet, der nun zurückkommt. Sehen Sie sich selbst auch so?
Ein Volleyball-Team steht und fällt nicht mit einer Person. Und wenn, dann am ehesten mit dem Passeur. Wenn er das Spiel gut aufbauen kann, hilft das seinen Mitspielern enorm. Mit Fabian Perler haben wir zum Glück einen super Zuspieler. Auch die Mittelblocker sind sehr wichtig: Fabian Bigger und David Schlatter machen diesen Job sehr gut. Hoffentlich bleiben sie fit und gesund­, denn diese Saison haben wir sonst keinen auf dieser Position. Bei mir ist das anders: Im Aus­sen- und im Diagonalangriff haben wir einen grossen Pool an Spielern und dadurch einen gesun­den Konkurrenzkampf. Wenn ich da auf dem Feld stehen und der Mannschaft helfen kann, freut mich das sehr.
 

Zur Person

Manuel Gahr kam am 24. Juli 1992 im liechtensteinischen Schaanwald zur Welt. Als 12-Jähriger begann er im VC Galina mit dem Volleyball. Seit seinem Wechsel zum damaligen NLA-Neuling Züri Unterland 2011 blieb er dem Verein mit Ausnahme der vergangenen Spielzeit bis heute treu. Lucian Jacowicz, sein neuer Trainer bei Züri Unterland, freut sich sehr, auf Gahr bauen zu können. «Einen Spieler wie ihn hätte jeder Trainer in dieser Liga gerne», sagt er, «er arbeitet sehr gut in der Annahme, spielt im Angriff clever und macht nur selten Fehler. Ausserdem übernimmt er auch neben dem Feld viel Verantwortung.»

Das gilt sogar über das Männer-Team hinaus. So ist Manuel Gahr seit 2016 in Züri Unterlands Vorstand als Leiter Administration und Finanzen tätig. Im Beachvolleyball feierte er als liechtensteinischer Nationalspieler internationale Erfolge: 2013 gewann er an der Seite Maximilian von Deichmanns die Goldmedaille an den Kleinstaatenspielen. Bei weiteren Teilnahmen daran holte das Duo zweimal Silber und einmal Bronze.

Was den Beruf angeht, hat Gahr nach seinem Masterabschluss in Mathematik an der ETH Zürich vor kurzem eine ­Stelle als Business Analyst einer grossen schweizerischen Rückversicherung angetreten. 

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