Montag, 22. Oktober 2018, 12.14 Uhr

2-stündiger Krimi in der Ruebisbach

Paula Widmer machte auf der ungewohnten Position der Aussenangreiferin auch in der Annahme und Verteidigung einen äusserst positiven Eindruck.

Als der Saisoneröffnungsapéro des VBC Züri Unterland in der Bar der Klotener Ruebisbach­halle mit einer halben Stunde Verspätung endlich begann, war den Spielerinnen seines Frauen-Fanionteams durchaus nach heiterem Zuprosten zumute. Nach beinahe zwei Stunden Spielzeit – der Grund für den verspäteten Beginn des geselligen Teils – hatten sie soeben den entscheidenden fünften Satz gegen den VBC Aadorf mit 15:11 für sich entscheiden können. Mit strahlenden Blicken und hoch erhobenen Köpfen mischten sich die Unterländerinnen denn auch munter unter die Menge und stossten mit Mitgliedern, Sponsoren, Eltern und Fans auf den eben errungenen Sieg an. Kein Zweifel: Die zwei Punkte, die sie geholt hatten, weil sie nach dem 0:2-Satzrückstand noch den Ausgleich geschafft und die Aadorferinnen in den Entscheidungssatz gezwungen hatten, wo sie dann mit vielen spektakulären, packenden Ballwechseln, um jeden Punkt beherzt gekämpft und schliesslich auch die Oberhand behalten hatten, war Balsam für die durch die zahlreichen Niederlagen der letzten Saison angeschlagene Seele der Spielerinnen und natürlich auch ihrer Trainer. «Wenn man den ersten und zweiten Satz so klar verliert, sich davon erholt, ausgleicht – und am Ende noch einen Sieg davonträgt, dann zeugt das von einer äusserst kompakten Teamleistung», kommentierte Vassilios Koutsogiannakis den Spielverlauf. Doch alles der Reihe nach:

Kollektiver Leistungssprung

Mit grosser Motivation starteten die Unterländerinnen in dieses erste Heimspiel der Saison. Allerdings erlaubte der angereiste Favorit aus Aadorf den Unterländerinnen kaum, diese Motivation auch in Taten umzusetzen und zwang dem verunsicherten Heimteam mit starken Services, einem makellosen Spielaufbau und präzisen Angriffen von Beginn weg sein Spiel auf. Trotz einiger Auszeiten, Spielerwechsel und ermahnender Worte von Headcoach Koutsogiannakis konnten die Spielerinnen ihre vielen Eigenfehler nicht reduzieren und mussten die ersten beiden Sätze klar und deutlich mit 10:25, respektive 16:25, abgeben. «Wir hatten zu Beginn des Spieles grosse Mühe gegen die stark aufspielenden Aadorferinnen, leisteten uns zu viele Eigenfehler und konnten so nie unser gesamtes Potential abrufen» kritisierte Koutsogiannakis, «doch im dritten Satz gelang uns dann endlich eine Leistungssteigerung.» Besagter dritter Satz sah einige Neurungen aufseiten der Unterländerinnen vor: So tauschten Diagonalspielerin Paula Widmer und Aussenangreiferin, Léa Montavon - wie schon im Spiel gegen Luzern - ihre Positionen und die dynamische und sprungkräftige Aussenangreiferin, Diana Steffen ersetzte Jill Frangi als zweite Aussenangreiferin. Die 21-Jährige legte sodann gleich eine hohe Beständigkeit an den Tag und glänzte mit sicheren Annahmen, agilen Rettungsaktionen in der Abwehr und und einem sicheren Angriffsspiel. Auch ihre Kolleginnen zeigten sich durch die Bank verbessert – teilweise markant. Allen voran verblüffte Lea Montavon mit präzisen Angriffen und einer stabilen Bloackarbeit. Diese neue gewonnene Stärke überraschte den VBC Aadorf, welcher nun einer ganz anderen Mannschaft gegenüberstand. Diesen Überasschungsmoment nutzen die Unterländerinnen sodann geschickt und konnten die Sätze 3, 4 und 5 mit 25:22, 25:17 und 15:11 für sich entscheiden. 

Fehlerhafter Beginn beseitigen

Das Beispiel steht für eine neue Qualität des Unterland-Kaders: einen enormen Zusammenhalt. Wen auch immer Koutsogiannakis, der gemeinsam mit seinen Trainerkollegen Philipp Häring, Thomas Schmidli und Mirjam Fessler das Team coachte, einwechselte – das Team spielte wie aus einem Guss weiter und keine der ausgewechselten Spielerinnen hegte einen Groll ob ihrer Auswechslung, sondern freute sich über das erfolgreiche Gelingen ihrer eingewechselten Mitspielerin. Zusätzliche demonstrierten alle Angreiferinnen mit ihren konsequent durchgezogenen Angriffsschlägen, dass sie in dieser Saison den Sprung in die tatsächlich NLB vollzogen haben. Zumindest über weite Strecken der Partie. Dass dies nicht schon in den ersten beiden Sätzen gelang, ärgerte Koutsogiannakis. «Zu Beginn des Spieles waren die Spielerinnen übernervös, haben sich kaum hinter den Ball bewegt, einfache Fehler gemacht und meistens nur mit 70 Prozent Risiko serviert bzw. angegriffen», kritisierte er, «das reicht aber gegen ein sehr gutes Team - wie es der VBC Aadorf eines ist - einfach nicht.» 

Telegramm
VBC Züri Unterland – VBC Aadorf 3:2 (10:25, 16:25, 25:22, 25:17, 15:11) Sporthalle Ruebisbach, 150 Zuschauer, – SR: Reumer, Weber. – VBC Züri Unterland: Wenger, Montavon, Mico, Widmer, Mattmann, Caluori – Liberos: Chicherio, Merkofer – Einwechslungen: Häring, Frangi, Steffen, von Arx.

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