Donnerstag, 25. Oktober 2018, 07.21 Uhr

Schon zum Start wie aus einem Guss

Züri Unterlands Männern ist der Auftakt in die NLB-Saison nach Wunsch gelungen. Im Derby gegen Smash Winterthur setzten sie sich 3:0 durch, obwohl ihnen der Gegner einiges abverlangte.

Der letzte Ballwechsel geriet zum Spiegelbild von Züri Unterlands Startpartie gegen Smash Winterthur. Nach David Schlatters Aufschlag wechselte der Ball mit spektakulären Angriffen, Block- und Verteidigungsaktionen mehrfach die Netzseite. Vier-, fünfmal ging es hin und her – bis am Ende Züri Unterlands stark aufspielender Passeur Fabian Perler den Neuzuzug Fabian Brander bediente, der Aussenangreifer am Block vorbei Thomas Schatzmann anschlug – und Züri Unterlands aktiver Leiter Beachvolleyball und ehemaliger Leistungsträger, der seit drei Jahren während der Hallensaison das Leibchen der Eulachstädter trägt, den wuchtigen Angriffsball nicht mehr parieren konnte. Mit 25:22 ging somit auch der dritte Satz an die Gastgeber, die sich mit dem 3:0 wichtige drei Punkte gegen einen Mitkonkurrenten im Rennen um die vier Plätze in der NLB-Finalrunde sicherten. Was für den am Ende erfolgreich verwerteten ersten Matchball galt, das hatte sich schon vom ersten Ballwechsel an gezeigt: Geschenkt bekamen die routinierten Unterländer von den aufsässigen Winterthurern nichts.


So gingen die Gäste im ersten Satz mit enormem Tempo und Druck ans Werk, lagen zur Satzmitte mit bis zu drei Punkten voraus (14:11). Doch die Unterländer blieben dran und glichen aus. Zur von Beginn an in jeder einzelnen Aktion förmlich greifbaren Spielfreude gesellten sich bei ihnen nun zusehends Ruhe und Sicherheit. «Am Anfang hat man gemerkt, dass die Winterthurer schon ein Meisterschaftsspiel hinter sich hatten», erklärte Züri Unterlands Trainer Lucian Jachowicz, «von ihnen ist sehr viel Energie und Intensität gekommen. Wir haben zehn Minuten gebraucht, um die Nervosität abzulegen und ins Spiel zu finden.»

Ein erfolgreicher Schachzug

Im ersten Time-out beim Stand von 7:9 habe er seinen Spielern zudem eine Anweisung gegeben, die sich als goldrichtig erweisen sollte. «Wir haben unsere Aufschlagtaktik geändert und von da an diagonal serviert», verriet Lucian Jachowicz, «das war der Schlüssel, denn dann wurden ihre Annahmen schwächer und konnten sie ihr Spiel nicht mehr so gut aufziehen.» Dies im Gegensatz zum eigenen Team. Denn in der Aufschlagannahme agierten die Unterländer so konstant und stabil, dass Fabian Perler meist alle Optionen hatte. Und weil der agile Passeur dies gekonnt nutzte, um das Spiel variabel über die Aussenpositionen oder auch einmal schnell über die Mitte zu gestalten, und da die Gastgeber auf allen Positionen zuverlässig zu punkten vermochten, spielten sie sich schliesslich in jedem Satz einen entscheidenden Vorsprung heraus. Die enorme Ausgeglichenheit des Kaders erwies sich auch punkto Kondition als Pluspunkt: Während bei den Winterthurern die Last auf weniger Schultern ruhte, konnten die Unterländer allesamt bis zum Schluss mit voller Power agieren.
So ragte auch der namhafteste Neuzuzug nicht etwa meilenweit aus Züri Unterlands Team heraus, sondern bereicherte das starke Kollektiv mit seinen Qua­litäten vielmehr gezielt: Aussenangreifer Fabian Brander. «Er war sehr solide in der Annahme und hat viele Punkte im Angriff gemacht», lobte Trainer Lucian Jachowicz seinen einstigen Mitspieler aus der gemeinsamen NLA-Zeit im Spitzenklub Schönenwerd. Brander, seines Zeichens zweifacher Schweizer Meister (mit Näfels und Lugano), bringt zudem Erfahrung aus acht Jahren im Schweizer Nationalteam mit. Zuletzt stand er, zu Beginn auch gemeinsam mit Jachowicz als Spieler-Trainer, drei Jahre für das NLB-Topteam Laufenburg-Kaisten auf dem Feld. Auch in dieser Saison wäre er als Dreh- und Angelpunkt im Angriff den Aargauern erhalten geblieben, wenn sich die Equipe nicht wegen Spielermangels zurückgezogen hätte.

Auch neben dem Feld helfen

Am Ruebisbach fühlt sich Fabian Brander dennoch bereits sehr wohl. Neben Lucian Jachowicz traf er mit seinem Bruder Michael Brander, der seit der vergangenen Saison dem Team angehört, hier auf einen weiteren ehemaligen Mitspieler. «Es freut mich sehr, wieder zusammen mit meinem Bruder zu spielen, und die anderen habe ich auch schon alle gekannt, zumindest als Gegner», sagte Brander, «sie haben mich sehr gut aufgenommen.» Auch fahrtechnisch lag der Wechsel nahe: Von seinem Wohnort in Suhr ist der Weg zum Training nach Kloten zwar etwas weiter als zuvor jener nach Laufenburg, Nicht aber vom Arbeitsort in Zürich aus, wo Fabian Brander vor kurzem eine Ausbildung zum Stadtpolizisten begonnen hat.

Seine Rolle im neuen Team sieht der 31-Jährige indes nicht nur als Punktegarant: «Wenn ich auf dem Feld stehe, bin ich motiviert und möchte immer gewinnen. Ich denke, ich habe meine besten Tage als Volleyballer zwar schon gesehen, dafür bringe ich aber eine gewisse Ruhe und Erfahrung ein, mit der ich das Team auf und neben dem Spielfeld unterstützen kann.» Den Konkurrenzkampf um die Positionen im Diagonal- und Aussenangriff findet er «super, die Besten sollen spielen, da kann auch mal die Tagesform entscheidend sein». Zweifelsohne: Auch mit seiner Einstellung scheint sich der hochkarätige Neuzuzug keinesfalls aus der Züri-Unterland-Equipe abzuheben. Nach dem gelungenen Start könnten heuer auch darum gemeinsame Höhenflüge möglich sein.
 

Telegramm:
Züri Unterland - Smash Winterthur 3:0 (25:20, 25:19, 25:22). Ruebisbach, Kloten. – 150 Zuschauer. – SR Krättli, Gena. – Züri Unterland: Perler; Bigger, Gahr, Schlatter, Navarro Alderete, F. Brander. – Libero: Back. – Einwechslungen: Häring, M. Brander. – Smash Winterthur: Ottet; Schatzmann, Mäder, Arndt, Bolli, Zingg. – Libero: Bänninger. – Einwechslung: Frehner

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