Mittwoch, 19. Dezember 2018, 15.09 Uhr

Unterland-Frauen kommen Finalrunde nahe

Vier Runden vor dem Ende der Qualifikation liegen Züri Unterlands Frauen nun klar auf Kurs Richtung Finalrunde. Stolze neun Punkte beträgt ihr Vorsprung bereits auf den 5. Rang. Somit stehen die Chancen sehr gut, dass das Team der Trainer Vasi Koutsogiannakis, Philipp Häring, Thomas Schmidli und Mirjam Fessler ab Februar gegen die besten vier Teams der NLB-Westgruppe antreten und um den Meistertitel der zweithöchsten Liga spielen wird.

Die Entwicklung der Equipe wirkt angesichts der Ergebnisse in der vergangenen Saison mehr als verblüffend. Schliesslich war Züri Unterland damals als Neuling in der NLB wochenlang ohne Sieg geblieben, hatte die Qualifikation als abgeschlagener Letzter beendet und am Ende der Saison erst in der letzten Partie der Auf-/Abstiegsrunde gegen Erstligisten den Ligaerhalt geschafft. Und obwohl den Unterland-Verantwortlichen auf die laufende Saison hin einige wertvolle Neuzuzüge gelangen, hatten sie den Erfolg zumindest in dem Ausmass nicht eben erwartet, wie Koutsogiannakis nach dem wichtigen 3:1 über Toggenburg verriet. «Dass wir die ersten drei Saisonspiele alle 3:2 gewonnen haben, war matchentscheidend, so ist die Mannschaft richtig in einen Lauf gekommen», befand er.

Stabiler und breiter besetzt

Als weitere Pluspunkte im Vergleich zum Vorjahr machte der Trainer und Klubpräsident erstens den Teamgeist aus: «Die Spielerinnen sind jetzt zu 100 Prozent füreinander da und un­ternehmen auch abseits der Halle öfter einmal etwas zusammen.» Zweitens, fuhr Koutsogiannakis fort, seien die Unterländerinnen heuer mental deutlich stärker. «Wenn es jetzt 24:24 steht, spielen sie einfach weiter und zeigen das, was sie können», führte er aus, «und sie brechen nicht mehr ein. Selbst wenn es im Spiel nicht rund läuft, bleiben sie am Gegner dran und versuchen, sich wieder heranzukämpfen.»

Als drittes und nicht zu unterschätzendes Plus nannte Koutsogiannakis das breitere und auch in der Spitze ausgeglichenere ­Kader. «Wir haben jetzt viel mehr Alternativen. Wenn einzelne Spielerinnen einen schlechten Tag erwischen, können wir reagieren ­– sogar wenn es sich um Leistungsträgerinnen handelt. Es ist fast schon egal, wer spielt, es funktioniert.» All das hatte das Unterland-Team auf dem Weg zum wichtigen 3:1-Heimspiel über Toggenburg demonstriert.

Erfolgreiche Wechsel

So hatten die Unterländerinnen am frühen Samstagnachmittag zu Beginn Mühe, ins Spiel zu finden: Ihr Aufbau litt unter den ungenauen Annahmen der gegnerischen Aufschläge, was am Ende zu wenig schlagkräftigen Angriffen führte. Doch die Unterländerinnen steckten nicht auf, und ­ihre Trainer nahmen entscheidende Wechsel vor. In einer bereits während des ersten Satzes geänderten Formation kämpften sich die Gastgeberinnen von 11:17 bis auf einen Punkt heran. Den 23:25-Satzverlust konnten sie so zwar nicht mehr verhindern.

Doch ab dem zweiten Durchgang sorgten die eingewechselten Aussenangreiferinnen Jill Frangi und Diana Steffen in der Annahme für die nötige Stabilität, retteten in der Verteidigung so manchen Ball und agierten im Angriff präzise und sicher. Paula Wid­mer, die von der Aussenan­­griffs- auf die Diagonalposition wechselte, avancierte auch in heiklen Phasen zur Punktegarantin. So etwa gegen Ende des zweiten­­ ­Satzes, als sie den ersten Satzball für ihr Team zum 28:26 verwertete. Im Mittelblock schliesslich spielte Sarah Ghaliya aus der zweiten Mannschaft, die für die angeschlagene Sindi Mico aufs Feld kam, grundsolide und steigerte sich Vera Caluori im Match gegen ihren Stammklub zusehends. Insgesamt erreichte die Partie zwar nicht ganz die Intensität der beiden Vergleiche mit dem Gruppenleader Aadorf. Doch gerade weil die Toggenburgerinnen bis zum Ende hartnäckig dagegenhielten und die Unterländerinnen um praktisch jeden Punkt hart kämpfen mussten, ist ihr 3:1-Sieg umso höher einzustufen.

Spektakuläre Serviceserie

Nach dem knapp gewonnenen zweiten Satz legte eine Aufschlagserie Jill Frangis im dritten Durchgang einen wichtigen Grundstein zum Erfolg. Beim Stand von 9:8 setzte die 20-jährige Aussenangreiferin erstmals zu ihrem wuchtigen und genau platzierten Sprungservice an – und erst, als es 20:9 stand, musste sie den Aufschlag wieder den Gegnerinnen überlassen. Mehrere direkte und indirekte Servicewinner sowie Toggenburger Annahmen, die direkt in die Unterländer Spielfeldhälfte flatterten, sogenannte Dankebälle, lagen dazwischen. «Im Training ist mir der Service oft gut gelungen, heute hat es auch im Spiel extrem gut geklappt», meinte Frangi dazu. Mit ihrer persön­lichen Leistung zeigte sie sich ­zufrieden, erkannte aber noch Steigerungspotenzial. «Ich denke, heute war ich schon überdurchschnittlich gut, auch in der Abwehr. Im Angriff habe ich aber zum Teil noch dumme Fehler gemacht.»

In den vergangenen Partien war sie zwar weniger lange auf dem Feld gestanden als gegen Toggenburg. Im Gegensatz zum Vorjahr, als die Aargauerin von ihrem Stammklub Laufenburg-Kaisten an den Klotener Ruebisbach gekommen war und es ihr «überhaupt nicht gelaufen» war, ist sie über den bisherigen Saisonverlauf heuer auch persönlich erfreut: «Dieses Jahr habe ich mehr Verantwortung auf dem Feld übernehmen dürfen, das gefällt mir.»Die Fortschritte des Teams führt auch Jill Frangi nicht nur auf die hochkarätigen Neuzuzüge zurück, sondern auf Lehren aus dem Vorjahr. «Wir haben alle viel aus der letzten Saison gelernt. Dass wir uns den Ligaerhalt erkämpft und danach mit dem Grossteil des Teams den Schweizer Meistertitel der U-23 geholt haben, hat uns viel Selbstvertrauen gegeben», meinte sie, «und es hat uns gezeigt, dass es sich lohnt, nie aufzugeben und immer sein Bestes zu geben.»

Bericht von Peter Weiss, Zürcher Unterländer, vom 17. Dezember 2018.

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