Samstag, 02. Februar 2019, 12.51 Uhr

Unterländer träumen vom Coup im Cup

Züri Unterlands Fabian Brander (von links), Manuel Gahr, Fabian Bigger, Marco Back und Fabian Perler haben heuer viel zu bejubeln - auch am Sonntag im Cup-Viertelfinal gegen Jona? Bild: Madeleine Schoder

Am Samstag um 18.30 Uhr treten Züri Unterlands Männer zum Auswärtsspiel bei Lutry-Lavaux an, dem Qualifikations-Dritten in der NLB-Westgruppe. Und genau 19 Stunden später empfangen sie in der Klotener Ruebisbachhalle den derzeitigen NLA-Tabellenletzten Jona zum Viertelfinal im Schweizer Cup, den die Unterländer erstmals in ihrer Vereinsgeschichte erreicht haben. Auf die frühe Anspielzeit um 13.30 Uhr angesprochen, antwortet Züri Unterlands Trainer Lucian Jachowicz: «Wir haben es selbst so ausgesucht, für uns ist es kein Nachteil. Wir sind mehr daran gewöhnt als Jona, am Sonntag früh am Nachmittag zu spielen.» Einen entscheidenden Vorteil erkennt Jachowicz darin freilich nicht. «Deswegen wird kein Spiel gewonnen oder verloren, dafür ist im Volleyball das Körperliche zu wenig entscheidend.»

Im Hinblick auf den reizvollen Vergleich des NLB-Spitzenteams Züri Unterland mit dem NLA-Tabellenschlusslicht Jona sei über sein Team hinaus eine gewisse Vorfreude zu spüren, schildert Jachowicz: «Die Spieler haben grosse Lust, in diesem Match alles zu geben, sie machen im Internet schon kräftig Werbung, es gibt freien Eintritt und Freibier.» Bei aller Euphorie analysiert der Coach die sportliche Ausgangslage jedoch überaus nüchtern. «Alles andere als ein 3:0 für Jona wäre eine Überraschung, auch wenn wir gestärkt durch unsere Siegesserie vielleicht mit mehr Selbstvertrauen ins Spiel gehen können», schätzt Jachowicz. «Die Unterschiede zwischen der NLB und der NLA sind doch sehr gross: Selbst Jona als aktueller Letzter hat ein vielfach höheres Budget, trainiert deutlich öfter als wir und leistet sich einen ausländischen Profispieler.» Gerade er, der Brasilianer Michael Pinto dos Santos, sei als Diagonalangreifer sehr stark. «Aber sie sind auf allen Positionen gut besetzt», hat der Unterland-Coach beobachtet.

Seltene Überraschungen

Kurz gesagt, befürchtet Lucian Jachowicz: «Wenn Jona seine Normalform erreicht, wird es für uns schwierig.» Zumal im Volleyball Aussenseitersiege eher selten zustande kämen, allein schon aufgrund der Zählweise. «Ein Satzgewinn liegt vielleicht drin. Aber um zu gewinnen, braucht es drei davon, und jedes Mal geht es bei null los, da muss ein Aussenseiter schon sehr konstant über sich hinauswachsen und ein Favorit lange schwächeln», führt er aus. «Anders als im Fussball kann man bei uns ja nicht einfach ein Tor schiessen und sich dann hinten reinstellen, sondern muss immer weiter punkten.»

Darum setze sich in der Regel doch dasjenige Team durch, dessen Spieler genauer und schneller spielen, höher springen und härter schlagen könnten als ihre Gegner. Um trotzdem die «Mini-Chance» (Jachowicz) auf einen Cup-Coup zu nützen, gelte es für die Unterländer, gut aufzuschlagen und anzunehmen, zudem taktisch clever zu spielen. «Dann geht was», hofft Jachowicz, «wenn wir alle die Bestform erreichen und auf der anderen Seite der eine oder andere unter seiner Normalform bleibt – wer weiss, was dann möglich ist.» Zumal mit der Favoritenrolle auch der Druck klar verteilt sei. «Jona muss, wir können.» Immerhin kann Jachowicz im Cup-Viertelfinal ebenso wie zum Auftakt der NLB-Finalrunde am Vorabend auf ein annähernd komplettes Kader bauen. Einzig Zweit-Passeur Luc Häring muss wegen einer Überbelastung der Hand pausieren, während Fabian Brander von einer kürzeren und Stefan Sommer von einer längeren Verletzung zurückkehren. Ansonsten seien alle topfit, und die Form stimme ebenso, verkündet der Trainer.

Locker und bescheiden

Mit dem bisherigen Saisonverlauf zeigt sich der junge Coach, der sein Amt im Januar 2018, kurz vor dem Ende der NLB-Qualifikationsrunde, übernommen und das Team danach sicher zum Ligaerhalt geführt hatte, «sehr zufrieden. Wir haben den Einzug in die Finalrunde sicher geschafft, dabei viele gute Spiele gezeigt und uns weiterentwickelt. Die Spieler haben die Spannung im Match und im Training hochgehalten, zu dem sie praktisch immer vollzählig gekommen sind.» So sieht Lucian Jachowicz sie denn auch allesamt auf einem guten Weg.

Wo dieser rangmässig enden soll, lässt er bewusst offen. «Wir freuen uns einfach auf viele spannende Spiele gegen die vier besten Teams aus der starken NLB-Westgruppe und wollen unseren Lauf fortsetzen.» Vom NLB-Meistertitel zu sprechen, sei angesichts des im Vergleich zu den Gegnern geringeren Trainingsaufwands indes vermessen, fügt er bescheiden an. Eine Einstellung, mit der der 31-jährige Deutsche und sein Team bislang sehr gut gefahren sind.

Bericht von von Peter Weiss, Zürcher Unterländer.

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